Indonesien: «Fans haben mich zertrampelt, ich weiss nicht, wo meine Freundin ist»

Aktualisiert

Indonesien«Fans haben mich zertrampelt, ich weiss nicht, wo meine Freundin ist»

Nach einem Fussballspiel in Indonesien kommt es zu Ausschreitungen und einer Massenpanik. Ein Augenzeuge berichtet von der Tragödie.

von
Justin Arber
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Nach Spielende stürmen Tausende auf das Spielfeld.

Nach Spielende stürmen Tausende auf das Spielfeld.

REUTERS
Die Polizei setzte Tränengas ein.

Die Polizei setzte Tränengas ein.

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34 Menschen sterben auf dem Spielfeld, alle weiteren in Spitälern: Helfer tragen einen Knaben vom Platz. (1. Oktober 2022)

34 Menschen sterben auf dem Spielfeld, alle weiteren in Spitälern: Helfer tragen einen Knaben vom Platz. (1. Oktober 2022)

AFP

Darum gehts

Zu den Ausschreitungen war es nach dem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC gekommen. Im Anschluss an die 2:3-Niederlage von Arema hatten in Malang Tausende Zuschauer den Platz gestürmt. Auf Fotos, die auf der Seite von tvOne veröffentlicht wurden, ist unter anderem ein völlig zerstörtes Auto im Stadion zu sehen. Weitere Bilder zeigen den Platzsturm sowie Rauchschwaden auf dem Platz und den Tribünen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Situation unter Kontrolle zu kriegen.

Atemnot wegen Tränengas

Der 22-jährige Riyan Dwi Cahyono besuchte das Spiel zusammen mit seiner Freundin. Während der Ausschreitungen erlitt er an der rechten Hand einen Bruch. Gegenüber der indonesischen Zeitung «Kompas» schilderte er die Situation vor Ort: «Ich bin gestürzt und Fans haben mich zertrampelt. So habe ich mir die rechte Hand gebrochen.» Die Tränengasschüsse hätten bei ihm eine Atemnot ausgelöst. Dank Hilfskräften konnte er schnell an einen sicheren Ort gebracht werden. Wo seine Freundin aktuell ist, wisse er allerdings nicht. Er habe sie nicht mehr gesehen, nachdem sie gestürzt und zertrampelt wurde. 

Gemäss einem Artikel der indonesischen «Republika» ging Cahyono ebenfalls aufs Spielfeld, um seinen Protest gegen die Niederlage von Arema FC gegen Persebaya zum Ausdruck zu bringen. Er berichtet, dass die Fans von der Polizei «unmenschlich» behandelt wurden. Einige seien gar verprügelt worden. 

Noch nicht alle Opfer identifiziert 

Der Leiter des Gesundheitsamtes von Malang sagte gegenüber der «JawaPos», dass 25 Leichen bisher noch nicht identifiziert werden konnten. Die meisten seien allerdings an den Folgen von «Trampeln» verstorben.  Auch der Direktor des Kanjuruhan Regional General Hospital, Dr. Bobby Prabowo, schildert, dass die Menschen durch Atemwegsprobleme, Zertrampeln oder Sauerstoffmangel getötet wurden.

Der indonesische Präsident Joko Widodo forderte in einer Ansprache eine «gründliche» Untersuchung. Zudem ordnete er nach eigenen Angaben an, dass der Spielbetrieb in der ersten Liga bis zu einer Auswertung der Untersuchungen und Verbesserungen durch den indonesischen Verband PSSI gestoppt werde. Widodo sprach den Opfern sein Beileid aus. 

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