Aktualisiert 17.07.2014 13:03

Tour de France

Fans nerven Radprofis mit gefährlichen Selfies

Auf der Tour de France sind enge Gassen durch Menschenmengen längst der Normalfall. Nun sorgt aber ein neues Phänomen für gefährliche Situationen: das Selfie-Schiessen.

von
ofi

Vier Wochen lang wurde Twitter geflutet von #KabinenSelfies. Die deutschen Fussballnationalspieler, allen voran Lukas Podolski, liessen die ganze Welt an ihrem Garderobenleben teilhaben. Kaum ist die WM in Brasilien vorbei, machen die nächsten Selfies die Runde, die #TourdeFranceSelfies.

Dieser Trend birgt aber nicht unerhebliche Risiken und Gefahren. Nicht nur für die Person, die das Selfie schiesst, sondern auch für die Rennfahrer auf der Strecke. Denn vielen Zuschauern genügt es offenbar nicht mehr, wenn auf ihren Schnappschüssen irgendwo im Hintergrund andere Fans und einige Fahrer zu sehen sind. So nah ran an die Rennfahrer wie nur irgendwie möglich, heisst die Devise. Das Rennen selbst scheint da nicht mehr wirklich zu interessieren, davon bekommt man beim Selfie-Shooting ja nichts mit.

Selfie-Schiesser sind besonders gefährlich

Zwar ist es nichts Neues, dass die Fans den Fahrern möglichst nah sein wollen. Die Bilder von gerade einmal fahrerbreiten Gassen zwischen den Menschenmassen auf Bergetappen sind längst Sinnbilder für die Euphorie und die gute Stimmung, die an der Tour herrschen. Dennoch sind die Nebenherrenner, Schulterklopfer und Wasserspritzer oft mehr lästig als aufmunternd. Die Selfie-Schiesser sind nun aber wirklich gefährlich, denn sie wenden sich ja ihrer Smartphone-Kamera zu und sehen entsprechend nicht, was auf sie zubraust.

Und so sieht das «perfekte» #TdFSelfie aus:

Nearly died talking #TDFselfie🚲💨 pic.twitter.com/xect1YjZIP- zoe (@zodoyle) 6. Juli 2014

Das Phänomen hat bereits zu mehreren heiklen Situationen geführt. Die deutsche «Welt» zitiert den Engländer Geraint Thomas, der sich nach dem sturzbedingten Ausfall von Chris Froome sehr deutlich zur Selfie-Thematik geäussert hat: «Das Schlimmste ist, dass die Leute mit dem Rücken zu den Fahrern stehen. Sie sehen uns nicht kommen, stehen auf der Strasse und das führt zu extrem heiklen Situationen.» Besonders gefährlich sei das für Fahrer, die mitten im Feld fahren. Diese sähen die Zuschauer erst im letzten Moment und könnten so fast nicht mehr ausweichen.

Organisatoren haben zu Selfie-Schiessen aufgerufen

Nun ist das Problem aber zumindest teilweise hausgemacht. Nicht wenige Teams und selbst die Tourveranstalter der Amaury Sport Organisation (ASO) haben vor dem Rennen dazu aufgerufen, #TdFSelfies zu machen und posten. Zwar hat die ASO inzwischen explizit darauf hingewiesen, dass die Selfies nur am Start und am Ziel erwünscht seien. Da ist die Strecke nämlich mit Abschrankungen gesichert und die Zuschauer können nicht auf die Strecke.

Einige Fahrer haben auf die Selfie-Attacken der Zuschauer auf deren Kanal reagiert. Fabian Cancellara, der inzwischen aus der Tour ausgestiegen ist, hat noch während der England-Etappen getwittert, dass es auf den Strassen wegen den Selfie-Zuschauern gefährlich war:

Some how it was amazing what we got for support on the road in england.but the danger on the road with the people taking selfie was not good- Fabian cancellara (@f_cancellara) 8. Juli 2014

Und auch der BMC-Profi Tejay van Garderen regte sich auf Twitter über die Selfie-Zuschauer auf:

Standing I the middle of the road with you back turned while 200 cyclists come at you, just to take a selfie. #think#TDF2014- Tejay van Garderen (@tejay_van) 6. Juli 2014

That being said, I love the crowds and thank you for your support. But please give us room. Gonna ice my knee now.- Tejay van Garderen (@tejay_van) 6. Juli 2014

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