Aktualisiert 08.02.2010 09:14

ArbeitslosenquoteFast 176 000 Menschen ohne Job

In der Schweiz ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar weiter gestiegen: Ende Monat waren fast 176 000 Menschen ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote stieg innert Monatsfrist um 0,1 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent. Höher war sie zuletzt im März 1998.

Der Anstieg ist allerdings ausschliesslich auf saisonale Gründe zurückzuführen. Werden diese Faktoren herausgerechnet, ergibt sich eine Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) am Montag mitteilte. Innert Monatsfrist nahm die saisonbereinigte Quote um 0,1 Prozentpunkte ab.

Nach Ansicht von Serge Gaillard, Leiter der Direktion für Arbeit im SECO, entwickelte sich der Arbeitsmarkt besser als erwartet. Mit Ausnahme der Saison-Branchen wie dem Bau sei die Beschäftigung im Winter stabil geblieben. In der Industrie sei der Anstieg der Arbeitslosigkeit fast zum Stillstand gekommen. Allerdings sei die Kurzarbeit noch auf hohem Niveau.

Vorübergehende Besserung

In den Monaten März bis Juni dürfte die Zahl der Arbeitslosen sogar sinken, sagte Gaillard im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh. Im nächsten Winter könnten sogar mehr Menschen ohne Arbeit sein als in diesem Winter. Eine Prognose für das gesamte Jahr legt das SECO Mitte März vor.

Gaillard verwies darauf, dass die Unternehmen weniger Stellen abgebaut hätten als in früheren Rezessionen - ausgenommen die Industrie, in der rund 30 000 Jobs verloren gingen. Damit wieder neue Arbeitsplätze geschaffen würden, brauche es nun aber ein starkes Wirtschaftswachstum.

Ausländer stark betroffen

Insgesamt waren Ende Januar 175 765 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) registriert, 3025 mehr als im Vormonat. Mehr als zwei Drittel des Anstiegs gehen auf das Konto der Ausländer. Deren Arbeitslosenquote nahm um 0,3 Prozentpunkte auf 8,9 Prozent zu.

Betroffen waren namentlich Portugiesen (&700 Arbeitslose), Leute vom Westbalkan (&500) und Deutsche (&200). Bei den Schweizern stieg die Arbeitslosenquote nur um 0,1 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent.

Bei den Jugendlichen zeigte sich eine gegenläufige Entwicklung: Die Zahl der 15- bis 19-Jährigen ohne Job sank um 121 auf 6658. Deren Arbeitslosenquote lag mit 3,1 Prozent auch deutlich unter dem Durchschnitt. Bei den 20- bis 24-Jährigen hingegen stieg die Zahl der Arbeitslosen um 428 auf 23 321. Die Quote lag bei 6,9 Prozent.

Von Kurzarbeit profitiert

Der Arbeitsmarkt profitiert stark von der Kurzarbeit. Im November - aktuellere Zahlen liegen nicht vor - wurde ein leichter Rückgang auf hohem Niveau verzeichnet. Die Zahl der ausgefallenen Arbeitsstunden nahm um 15,2 Prozent auf 450 624 ab. Von Kurzarbeit betroffen waren 48 630 Personen (-10,1 Prozent) in 3382 Betrieben (- 7,0 Prozent).

Ohne das Instrument der Kurzarbeit wäre die Arbeitslosenquote im Januar um mehr als 0,4 Prozentpunkte höher ausgefallen, sagte Gaillard. Die Kehrseite: Gerade weil noch sehr viele Leute Kurzarbeit leisten, dauert es umso länger, bis die Unternehmen wieder neue Stellen schaffen.

(sda)

Ein Rösti- und Risotto-Graben durchzieht den Schweizer Arbeitsmarkt: In den Westschweizer Kantonen und im Tessin stieg die Arbeitslosenquote im Januar auf durchschnittlich 6,1 Prozent. In der Deutschschweiz verharrte sie dagegen bei 3,8 Prozent.

In der Westschweiz und im Tessin wurden 66'806 Arbeitslose registriert, 1429 mehr als im Vormonat. Etwa im gleichen Ausmass nahm die Zahl der Arbeitslosen in der Deutschschweiz zu: Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) vermeldete ein Plus von 1596 auf 108'959.

Die höchste Arbeitslosenquote verzeichneten die Kantone Genf und Neuenburg (je 7,3 Prozent), gefolgt vom Jura (6,3 Prozent), der Waadt (6,1 Prozent) und dem Wallis (5,9 Prozent). Knapp darunter lag das Tessin (5,8 Prozent).

In der Deutschschweiz war der Industrie-Kanton Solothurn am stärksten von der Arbeitslosigkeit betroffen (4,6 Prozent), gefolgt von Zürich und Basel-Stadt (je 4,5 Prozent). Am tiefsten war die Arbeitslosenquote in den Kantonen Appenzell-Innerrhoden (1,6 Prozent) sowie Uri und Obwalden (je 1,9 Prozent). (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.