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Fast 20 % der Schweizer Bevölkerung leiden an Genitalherpes

Die Schweizerinnen und Schweizern sind überdurchschnittlich stark von Genitalherpes betroffen.

Laut einer Studie des Lausanner Unispitals CHUV sind 19,3 % der Bevölkerung mit der übertragbaren Geschlechtskrankheit infiziert.

Verbreitet ist die Krankheit vor allem bei Frauen und in den Städten. Bislang lagen keine Daten über die Häufigkeit von Genitalherpes in der Schweiz vor, wie das Lausanner Universitätsspital CHUV am Dienstag mitteilte.

Die Resultate bestätigen laut CHUV die Notwendigkeit einer Präventionskampagne gegen übertragbare Geschlechtskrankheiten. Genitalherpes ist je nach Land unterschiedlich stark verbreitet. Im europäischen Vergleich (Frankreich: 15,6 %, Spanien und Grossbritannien: 4 %) ist die Schweiz überdurchschnittlich betroffen.

3000 Blutproben analysiert

Die Forscher des Institutes für Mikrobiologie und der Sektion für Infektionskrankheiten des CHUV haben mehr als 3000 anonymisierte Stichproben analysiert. Die Blutproben waren anfangs der neunziger Jahre in den Kantonen Waadt, Freiburg und Tessin für eine andere Forschungsarbeit entnommen worden.

Die Prozentzahlen variieren stark je nach Bevölkerungsgruppe und sexueller Aktivität. Wie in allen anderen Ländern ist die Infektionshäufigkeit bei Frauen und in grossen Städten häufiger. Sie nimmt zudem mit dem Alter zu. Die Ansteckung von Mann zu Frau ist häufiger als umgekehrt.

Im Gegensatz zu den übrigen Ländern steigt in der Schweiz die Häufigkeit der Ansteckung parallel zur sozialen Schichtzugehörigkeit. Die Forscher gehen von der Hypothese aus, dass die Lockerung der Sitten zwischen 1960 und 1990 vor allem die höheren Gesellschaftsschichten betraf.

Genitalherpes wird üblicherweise durch den Virus HSV-2 verursacht. Die Ansteckung kann unbemerkt bleiben oder eine relative schwere Erkrankung bewirken, die sich durch Genitalscherzen, Fieber und Kopfschmerzen bemerkbar macht. Der Virus zieht eine lebenslange Infektion mit sich. Die Infektion erhöht im übrigen das HIV-Übertragungsrisiko.

(sda)

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