Fast 5 Millionen fehlen in Gemeindekasse
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Fast 5 Millionen fehlen in Gemeindekasse

In den Büchern der Aargauer Gemeinde Herznach fehlen 4,8 Mio. Franken. Der dafür verantwortlich gemachte Gemeindeschreiber kann zu den Vorfällen nicht mehr befragt werden. Im August 2003 nahm er sich das Leben.

Nicht korrekte Steuerveranlagungen und grössere Darlehen auf Kosten der Gemeinde hätten das Loch verursacht, bestätigte Peter Baumann, für die laufende Untersuchungen zugezogener Experte und Gemeindeschreiber ad interim, einen Bericht der «Mittelland Zeitung» vom Mittwoch.

Steuerakten von 300 Personen werden überprüft

Dem früheren Gemeindeschreiber würden unter anderem Veruntreuung und Urkundenfälschung vorgeworfen, sagte Baumann. Das Ausmass der Straftaten sei aber noch nicht bekannt. Die nötigen Abklärungen dauerten noch Monate. Sie werden von auswärtigen Fachleuten geführt.

Erschwerend sei, dass der Gemeindeschreiber einen grossen Teil der Protokolle und Gemeinderatsakten aus seiner 38-jährigen Amtszeit vernichtet habe, sagte Baumann. Dennoch hoffen die Herznacher Behörden, zumindest einen Teil der fehlenden 4,8 Mio. Franken zurückzuerhalten.

Derzeit werden in der 1100-Seelen-Gemeinde die Steuerakten von etwa 300 Personen aus den letzten fünf Jahren überprüft. Weiter zurückzugehen sei aus Verjährungsgründen nicht möglich, sagte Baumann. Noch vor Ende Jahr würden erste Rechnungen verschickt. Eine Steuererhöhung sei wegen der Vorfälle vorläufig nicht nötig.

Routinekontrolle zeigte Unstimmigkeiten

Der ehemalige Gemeindeschreiber sei in Personalunion auch Finanzverwalter und Vorsteher des Steueramtes gewesen. Er habe eine einfache Buchhaltung geführt, obwohl eine doppelte Buchhaltung Vorschrift sei. «Bei Kontrollen haben sowohl die kantonalen als auch die kommunalen Instanzen versagt», sagte Baumann.

Eine Routinekontrolle des Kantonalen Steueramtes brachte vor einigen Monaten die Unstimmigkeiten in der Herznacher Buchhaltung ans Licht. (sda)

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