Spanien: Fast 80 Tote bei Zugunglück

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SpanienFast 80 Tote bei Zugunglück

In Nordspanien ist ein Zug in der Nähe der Stadt Santiago de Compostela entgleist. Die Ermittler vermuten, er sei zu schnell in eine Kurve eingebogen. Vor Ort bot sich ein Bild des Grauens.

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Bei einem der europaweit schwersten Zugunglücke der vergangenen Jahre sind im Nordwesten Spaniens am Mittwochabend mindestens 77 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 143 Menschen seien verletzt worden, teilten die Behörden am frühen Donnerstagmorgen mit. Nach jüngsten Angaben der spanischen Bahngesellschaft Renfe befanden sich etwa 220 Passagiere und Bahnmitarbeiter an Bord.

Das Unglück ereignete sich am Mittwochabend um 20.42 Uhr Ortszeit auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und der Küstenstadt Ferrol. Laut Zeugenaussagen sei die Komposition in der Ortschaft Marrozos, nahe der Pilger-Metropole Santiago de Compostela in Galicien kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof entgleist. Alle 13 Waggons des Zuges sprangen aus den Schienen.

Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg. An der Unglücksstelle boten sich schreckliche Bilder. Die Rettungskräfte bargen Tote und Verletzte aus den zertrümmerten Waggons. Viele Verletzte mussten neben den Schienen verarztet werden.

Eine Explosion und eine dichte Rauchwolke

Bei der Kollision habe es eine starke Explosion gegeben. Danach sei eine dichte Rauchwolke entstanden, berichten Augenzeugen. «Es schien, als würde sich der Zug in einer Kurve verdrehen und die Waggons sich einer auf den anderen auftürmen», sagte ein ­Passagier dem Radiosender Cadena Ser. «Viele wurden zu Boden gedrückt.» In den Wagen spielten sich dramatische Szenen ab: «Viele Menschen waren eingeklemmt. Wir versuchten, drei Frauen zu befreien, aber wir schafften es nicht», erzählt Passagier Aníbal Malbar gegenüber 20 minutos.

Entlang der Gleise lagen mit Fortschreiten der Bergungsarbeiten immer mehr Leichen, die mit Tüchern bedeckt wurden. Zuletzt teilten die Behörden mit, 73 Tote seien aus den Trümmern des Zugs geborgen worden. Vier weitere Menschen seien im Spital ihren schweren Verletzungen erlegen. Weiter hiess es, «bestimmte Bereiche» des Wracks seien weiter unzugänglich.

Fest abgesagt

Ein Renfe-Sprecher sagte, es gebe «keinen Hinweis» darauf, dass es sich nicht um einen Unfall gehandelt habe. Die Unglücksursache werde untersucht. Erkenntnisse könnte demnach die Auswertung der sogenannten Blackbox des Zugs bringen. In spanischen Medienberichte hiess es, der Zug sei zu schnell gefahren. Ein Augenzeuge sagte, er sei offenbar in einer Kurve entgleist.

Santiago de Compostela ist die Hauptstadt Galiciens und ein wichtiges Pilgerzentrum, das jährlich zehntausende Menschen anzieht. Am Donnerstag sollte dort ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons von Galicien, des Heiligen Jakobs, stattfinden. Die Behörden sagten jedoch die geplanten Feiern nach dem Unglück ab. König Juan Carlos und Ministerpräsident Mariano Rajoy, der selbst aus Galicien stammt, sprachen den Opfern und Hinterbliebenen ihre Anteilnahme aus. Rajoy kündigte für Donnerstag einen Besuch des Unglücksortes an.

(kle/sda)

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