Aktualisiert 14.07.2009 14:51

Milliarden für die MondlandungFast alles Wissen über den Mond stammt vom Apollo-Programm

Das milliardenschwere Mondlandungs-Programm der NASA in den 60er Jahren war nach Einschätzung des Planetenforschers Ralf Jaumann auch wissenschaftlich ein voller Erfolg.

Noch heute stammten 90 Prozent des Wissens über den Mond aus dem Apollo-Programm, sagte der Leiter der Abteilung Planetengeologie am DLR-Institut für Planetenforschung im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP.

Zudem basiere der gesamte Einsatz von Kommunikationssatelliten, der inzwischen unverzichtbar geworden sei, auf dem NASA-Programm. «Ohne Apollo gäbe es heute keine europäische Ariane-Rakete und kein Space Shuttle. Wir könnten keine grösseren Lasten wie Kommunikationssatelliten in den Weltraum bringen. Ohne die findet aber inzwischen kein Lastwagen auf der Erde mehr den richtigen Weg. Es würde vieles nicht mehr funktionieren.»

Die Gesteinsproben, die die US-Astronauten vom Mond zurückbrachten, hätten wertvolle Erkenntnisse über die Kinderstube unseres Sonnensystems gebracht. «Wir wussten vor 1960 kaum etwas über das frühe Sonnensystem, die Entstehung und Entwicklung der Planeten in der ersten Milliarde Jahre nach der Entstehung der Sonne. Die Gesteinsproben vom Mond haben das geändert. Sie sind zu 80 Prozent älter als 3,8 Milliarden Jahre, während fast alles Gestein auf der Erde höchstens 3,2 Milliarden Jahre alt ist.»

Doch gebe es heute noch eine «beliebige Menge von unbeantworteten Fragen» über den Mond. Ohne ihn gäbe es möglicherweise kein Leben auf der Erde, weil er die Achse unseres Planeten stabilisiere und so vor regelmässigen Klimakatastrophen bewahre. Deshalb sei vor allem die Frage nach der Entstehung des Mondes interessant, sagte der Planetenforscher.

«Wenn der Mond zusammen mit der Erde entstanden ist, in einem folgerichtigen physikalischen Prozess, dann hätte jede Erde im Universum einen Mond. Wenn er aber durch die Kollision eines grossen Körpers aus der Erde herausgeschleudert wurde, also zufällig entstand, dann war vielleicht auch die Entstehung des Lebens ein Zufall und keine zwangsläufige Entwicklung, die auf jedem erdähnlichen Körper abläuft», sagte Jaumann: «Das berührt das Selbstverständnis des Menschen.»

Zum Interview mit Ralf Jaumann (dapd)

Planetenforscher Jaumann

Professor Ralf Jaumann ist Leiter der Planetengeologie am in Berlin, einer Einrichtung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der 55-jährige Schwabe ist an zahlreichen Weltraummissionen beteiligt, zum Beispiel als Projektleiter des HRSC (High Resolution Stereo Camera) Kamera-Experiments auf der Mars Express Mission der ESA.

In diesem Jahr veröffentlichte Jaumann gemeinsam mit Ulrich Köhler das Buch «Der Mond. Entstehung, Erforschung, Raumfahrt», das ein Gespräch der Astronauten Buzz Aldrin und Thomas Reiter enthält.

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