Flughafen Zürich: Fast-Flugzeug-Crashs sollen verhindert werden

Aktualisiert

Flughafen ZürichFast-Flugzeug-Crashs sollen verhindert werden

Um ein Haar ist es im Sommer 2008 am Flughafen Zürich zu einem Crash zwischen einem startenden und einem landenden Flugzeug gekommen. Das soll künftig nicht mehr passieren. Dafür wird ein neues Konfliktwarnsystem angeschafft.

Laut dem BFU-Untersuchungsbericht stand kein standardisiertes Verfahren zum Erkennen der Gefahr zur Verfügung. Dies soll jetzt ändern. Voraussichtlich im Frühling 2010 wird am Flughafen Zürich ein neues Konfliktwarnsystem eingebaut, wie Skyguide-Sprecherin Maude Rivière am Montag auf Anfrage sagte.

Es werde die Fluglotsen im Tower zusätzlich unterstützen. Ähnlich wie das Kontrollsystem für die Luftstrassen warnt es frühzeitig vor drohenden Konflikten bei Pistenkreuzungen am Boden. Dass das System bisher nicht vorhanden war, hatte laut Rivière technische Gründe.

Beinahe mit Air Berlin zusammengestossen

Das BFU (Büro für Flugunfalluntersuchungen) hatte dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) empfohlen, der Flugverkehrsleitung entsprechende Hilfsmittel oder standardisierte Verfahren zur Verfügung zu stellen, wie es in seinem am Montag veröffentlichten Untersuchungsbericht zum Beinahe-Crash schreibt.

Konkret ging es an jenem 31. Juli um ein von Bremen kommendes Flugzeug der Ostfriesischen Lufttransport GmbH (OLT), die in Zürich auf der Piste 16 landete, und einen Airbus der Air Berlin, der auf der Piste 28 in Richtung Düsseldorf startete. Die Gefahr dabei: Die beiden Pisten kreuzen sich.

Nur weil ein Flugverkehrsleiter den drohenden Crash plötzlich erkannte, und der Airbus-Kapitän seine Maschine gerade noch rechtzeitig stoppen konnte, wurde Schlimmeres verhindert. Der Zwischenfall wurde dennoch als «schwerer Vorfall» eingestuft.

Lande- und Starterlaubnis

Der ganze Vorfall spielte sich im Zeitraum von wenigen Minuten am frühen Nachmittag des 31. Juli 2008 ab. Gemäss BFU-Bericht meldete die OLT-Besatzung um 13:14:34 Uhr dem Tower, sie sei auf dem Instrumentenlandesystem (ILS) auf die Piste 16 ausgerichtet. Sie erhielt die Landeerlaubnis.

Um 13:16:38 meldete die Besatzung des Airbus A319 der Air Berlin ihre Maschine startbereit. Sie erhielt die Bewilligung, auf die Piste 28 in Startbereitschaft zu rollen und dort zu warten.

Nachdem der Flugverkehrsleiter einen Helikopterpiloten angewiesen hatte, mit seinem Überflug wegen des Airbus-Starts noch zu warten, erteilte er der Air-Berlin-Maschine um 13:17:19 Uhr die Starterlaubnis.

Bei Schichtwechsel bemerkt

Um diese Zeit war Schichtwechsel der Flugverkehrsleiter. Der weggehende Fluglotse informierte gerade seinen Kollegen, der schon den Arbeitsplatz übernommen hatte, über die Situation. Während er noch sprach, bemerkte er plötzlich, dass die OLT 212 auf Piste 16 gelandet war und auf die Kreuzung mit Piste 28 zurollte. Zu diesem Punkt war auch der startende Airbus unterwegs.

Unverzüglich machte er seinen Kollegen auf die Gefahr aufmerksam und dieser befahl der Airbus-Besatzung, sofort den Start abzubrechen. Eine manuelle Bremsung brachte die Maschine, die bereits mit gegen 130 Kilometern pro Stunde unterwegs war, gerade noch rechtzeitig zum Stillstand.

Für die Fluggäste hatte der Zwischenfall keine Auswirkungen. Das OLT-Flugzeug rollte nach der Landung weiter, kreuzte die Piste 28 und verliess die Landepiste wie vorgesehen über den Rollweg E8. Der Airbus rollte zurück zur Startpiste und startete etwa 12 Minuten später nach Düsseldorf.

(sda)

Deine Meinung