Aktualisiert 21.10.2015 07:29

Swiss

Fast jeder Zweite bucht neuen Billigtarif

Trotz Skepsis: Der im Juli von der Swiss eingeführte Billigtarif ist ein Renner. Das zeigen erste Zahlen.

von
Isabel Strassheim

Die Swiss hob sich bislang durch ihren Rundumservice von Billigairlines wie Easyjet ab. Dieses Markenzeichen ist mit dem neuen Preissystem, das seit Ende Juni für Europaflüge gilt, passé. Und die Kunden fliegen darauf: Fast jeder Zweite bucht den neuen günstigen Tarif Economy Light, bei dem lediglich das Mitführen des Handgepäcks gratis ist und Platzreservation extra kostet.

«Seit Einführung des neuen Tarifkonzepts haben durchschnittlich 40 Prozent der Fluggäste den Light-Tarif gebucht», sagt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott auf Anfrage. Nur rund 15 bis 20 Prozent der Kunden kauften ein zusätzliches Gepäckstück zum Light Tarif hinzu.

Interessant für Geschäftsreisende

Trotz des Erfolgs der neuen Billigkategorie bleiben Aviatik-Experten skeptisch: «Ich glaube nicht, dass die Swiss Easyjet damit Kunden abjagen kann», sagt Laura Frommberg, Co-Chefredaktorin von aErotelegraph.com. Für die Lufthansa-Tochter Swiss gehe es vielmehr darum, im neuen Wettbewerbsumfeld zu bestehen. «Das heisst: Der Preisabstand zu Easyjet oder anderen Billiganbietern darf nicht so gross sein, dass die Swiss Kunden verliert.»

Der neue Handgepäck-Tarif ist vor allem für Geschäftsreisende interessant. Zürich–London dürfte laut Frommberg eine Strecke sein, auf der die Swiss nun punktet.

«Bald ein unüberschaubarer Tarifdschungel»

Im Unterschied zu Billig-Airlines ist bei sämtlichen Swiss-Kategorien die Verpflegung im Preis inbegriffen. Bei dem etwas teureren Tarif Economy Classic ist zudem ein Freigepäckstück sowie die Sitzreservation schon inklusive. Beim Tarif Economy Flex – der dritten Option in der Economy-Klasse – ist zudem die kostenlose Umbuchung des Fluges inbegriffen.

«Bei der separaten Zahlung jeder einzelnen Leistung entfällt die Quersubventionierung. Wer also sämtliche Dienste in Anspruch nehmen muss, zahlt damit mehr als zuvor beim Pauschalticket», sagt Christoph Regli. Der Leiter des Studiengangs Aviatik an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften sieht jedoch noch ein anderes Problem: «Bei dem neuen System lassen sich die Ticketpreise unterschiedlicher Anbieter nicht mehr vergleichen. Das ist wie bei den Handytarifen ein bald unüberschaubarer Dschungel.» Man müsse prüfen, welche einzelnen Leistungen bei den jeweiligen Angeboten dabei sind und ob man Äpfel mit Äpfeln oder eben mit Birnen vergleiche.

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