Aktualisiert 26.10.2019 11:01

Basel

Fast unbemerkt gelang ihnen ein Millionencoup

Im März 2018 erbeuteten Unbekannte Millionen aus Schliessfächern der Raiffeisenbank in Basel. Jetzt sind neue Details des Coups und Bilder der Täter aufgetaucht.

von
lha
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Seelenruhig spazierten die Täter mit gefüllten Taschen nach ihrem Millionencoup Anfang März 2018 aus der Raiffeisenbank in Basel.

Seelenruhig spazierten die Täter mit gefüllten Taschen nach ihrem Millionencoup Anfang März 2018 aus der Raiffeisenbank in Basel.

Screenshot Telebasel
Die Überwachungsbilder sind in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft, wurden bislang von der Behörde aber nicht öffentlich gemacht. Ein anonymer Geschädigter ärgert sich. «Da wurde ganz bestimmt schon mit schlechterem Material gefahndet», sagt er.

Die Überwachungsbilder sind in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft, wurden bislang von der Behörde aber nicht öffentlich gemacht. Ein anonymer Geschädigter ärgert sich. «Da wurde ganz bestimmt schon mit schlechterem Material gefahndet», sagt er.

Screenshot Telebasel
Der Tatort: Den Tätern gelang es 22 Schliessfächer über die automatische Tresoranlage auszuräumen. Pikant: Der Ausgaberaum verfügte aus Diskretionsgründen nicht über eine Videoüberwachung.

Der Tatort: Den Tätern gelang es 22 Schliessfächer über die automatische Tresoranlage auszuräumen. Pikant: Der Ausgaberaum verfügte aus Diskretionsgründen nicht über eine Videoüberwachung.

Screenshot Telebasel

Es war ein spektakulärer Coup, der bis jetzt unbekannten Tätern Anfang März 2018 in Basel gelungen ist. Sie raubten praktisch unbemerkt 22 Schliessfächer der Raiffeisen-Filiale in Basel aus. Ihre Beute: mehr als eine Million Franken. Die Tat blieb unbemerkt, bis ein geschädigter Kunde den Diebstahl der Bank meldete. Und bis jetzt tappen die Ermittler im Dunkeln.

Telebasel hat den Fall neu aufgerollt und über einen anonymen Geschädigten Zugang zu den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft und Unterlagen der Bank erhalten. Die Akte der Staatsanwaltschaft wirft Fragen auf.

Überwachungsbilder zu schlecht?

Die Täter wurden mindestens beim Verlassen der Bank gefilmt. Zwar sind sie leicht verhüllt, aber nicht maskiert. Dennoch verzichtete die Staatsanwaltschaft bislang auf eine öffentliche Fahndung mit den Bilder der Überwachungskamera. Die offizielle Begründung: Die Täterschaft sei zu wenig erkennbar. Für den Geschädigten ist das nicht nachvollziehbar. «Ich sehe nicht ein, was an diesen Bildern nicht gut sein soll – da wurde ganz bestimmt schon mit schlechterem Material gefahndet», sagt er gegenüber Telebasel.

«Wir gehen davon aus, dass das Profis sind», wird Kriminalkommissär Peter Gill von der Basler Staatsanwaltschaft zitiert. Die Täter müssten gewusst haben, wie man ein solches System austricksen kann. In der Tat mussten sie nur ein System überlisten, um an ihre Beute zu kommen. Denn die Schliessfächer waren in einer automatisierten Tresorfachanlage, auf die Kunden und dann eben auch die Gauner 24 Stunden am Tag zugreifen konnten. Ist man einmal im Ausgaberaum, kann man sein Schliessfach per Eingabe eines PIN-Codes vom System holen lassen.

Keine Videoüberwachung am Tatort

Bis heute ist unklar, wie die Täter die elektronische Schliessanlage der Tür zum Ausgaberaum überwinden konnten. Einmal drin, hatten sie aber ein leichtes Spiel und konnten unbemerkt agieren. Aus Diskretionsgründen ist der Raum nämlich nicht videoüberwacht. Bereits im Februar verschaffte sich einer der Täter Zutritt zum Ausgaberaum. Montierte er eine Videokamera oder manipulierte das Eingabegerät der Tresoranlage?

Ein paar Wochen später schlugen die Diebe zu. Von der Beute, die nie genau beziffert wurde, fehlt bislang jede Spur. Die Deliktsumme beträgt mindestens eine Million Franken, möglicherweise sogar ein Vielfaches. Die Raiffeisenbank führt mit den geschädigten Kunden Vergleichsgespräche, wie sie mitteilte. Aufgrund des Bankkundengeheimnisses kann sie keine weiteren Angaben machen.

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