Smart Designstudie: Fast wie im Autoscooter
Aktualisiert

Smart DesignstudieFast wie im Autoscooter

Eine Ausfahrt mit dem Smart-Prototyp Forease zeigt, wie viel Spass der Bonsai-Benz machen könnte.

von
Thomas Geiger
Der Smart Forease macht aus dem Serienwagen Fortwo einen radikalen Roadster.

Der Smart Forease macht aus dem Serienwagen Fortwo einen radikalen Roadster.

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Die grösste Freude an diesem kleinen Flitzer ist und bleibt sein winziger Wendekreis, selbst wenn man an dem nach oben offenen Lenkrad des Showcars mit dem Kurbeln kaum hinterherkommt.

Die grösste Freude an diesem kleinen Flitzer ist und bleibt sein winziger Wendekreis, selbst wenn man an dem nach oben offenen Lenkrad des Showcars mit dem Kurbeln kaum hinterherkommt.

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Nicht zwei oder drei Minuten, sondern bis zu 160 Kilometer verspricht Smart als Norm-Reichweite. Die Akkus speisen einen 60 kW starken E-Motor an der Hinterachse, mit dem die ganze Stadt im Smart zur Chilbi wird.

Nicht zwei oder drei Minuten, sondern bis zu 160 Kilometer verspricht Smart als Norm-Reichweite. Die Akkus speisen einen 60 kW starken E-Motor an der Hinterachse, mit dem die ganze Stadt im Smart zur Chilbi wird.

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Bei Smart ist gerade mal wieder ein wenig die Luft raus. Denn nachdem die Modellpalette in den vergangenen Jahren mithilfe von Renault erneuert worden ist, müssen sich die Schwaben jetzt bis zur Neuauflage über eine lange Durststrecke retten. Zwar hat ihnen dabei die laut verkündete Botschaft, künftig nur noch Elektroautos zu verkaufen, ein wenig Rückenwind verschafft. Doch erstens passiert das erst ab 2020, und zweitens sind die Benziner derzeit alles andere als Bestseller. In Zahlen: Nur gerade 1875 Smart wurden 2018 bis Ende November in der Schweiz immatrikuliert – das entspricht einem Minus von 13,6 Prozent.

Doch zumindest vorübergehend weht jetzt mal wieder ein frischer Wind bei Smart – und das kann man wörtlich nehmen. Nicht umsonst haben die Schwaben im Herbst ganz im Geist des seligen Crossblade die Studie Forease auf den Pariser Salon gerollt, die frisch und freizügig ist wie schon seit Jahren kein anderer Smart und die mit einem rundherum fröhlichen Charakter der Tristesse trotzt, die man der Marke gerade andichtet. Wenn nur alle Smarts so wären oder zumindest so werden würden, dann könnte der Bonsai-Benz in Zukunft doch noch richtig Spass machen – und zwar nicht nur den Fahrern, sondern auch den Buchhaltern.

Im Smart wird die Stadt zur Chilbi

Nachdem er auf der Messe noch wie ein Spielzeug gewirkt hat, erinnert der Smart bei der ersten Begegnung in freier Wildbahn unwillkürlich an die Flitzer auf dem Autoscooter. Zum einen, weil er ein bisschen breiter ist als das Original und tiefer auf der Strasse kauert. Aber vor allem, weil er sich sehr viel offener gibt: Wo das offizielle Cabrio eigentlich nicht viel mehr zu bieten hat als ein grosses Schiebedach, wird der Fortwo hier zu einem radikalen Roadster, für den man das Serienauto auf halber Höhe abgeschnitten hat.

Die Frontscheibe geht einem gerade bis zum Kinn, in den Türen wurden das Glas und dessen Rahmen gleich ganz weggelassen, und auch hinten gibt es nichts, was Wind und Wetter fernhält. Fehlt eigentlich nur noch die Stange mit dem Stromabnehmer, die beim Autoscooter am Drahtnetz unterm Dach schleift und den E-Motor mit Energie versorgt.

Aber den braucht der Forease nicht. Denn als Basis diente den Designern der Smart EQ, mit dem die Schwaben den Elektroantrieb ja schon seit Jahren in Serie haben. Im Wagenboden steckt deshalb ein Akku von 17,6 kWh, der länger hält als jeder Chip auf der Chilbi. Nicht zwei oder drei Minuten, sondern bis zu 160 Kilometer verspricht Smart als Norm-Reichweite. Die Akkus speisen einen 60 kW starken E-Motor an der Hinterachse, mit dem die ganze Stadt im Smart zur Chilbi wird.

Die maximal 130 km/h Höchstgeschwindigkeit sind zwar beim Auto-Quartett alles andere als ein Trumpf, und die 11,5 Sekunden von 0 auf 100 können sich ganz schön ziehen. Doch bis Tempo 60 ist der Smart so flott, dass man sich über jede rote Ampel freut, nur weil man danach wieder beschleunigen kann. Im dichten Verkehr springt man förmlich von Lücke zu Lücke und wenn man durch ein Parkhaus fährt, ist das wie Karussell für grosse Kinder – zumal der zentnerschwere Akku im Wagenboden spürbar den Schwerpunkt senkt und so die Strassenlage verbessert.

Keine Serienproduktion geplant – oder doch?

Doch die grösste Freude an diesem kleinen Flitzer ist und bleibt sein winziger Wendekreis, selbst wenn man an dem nach oben offenen Lenkrad des Showcars mit dem Kurbeln kaum hinterherkommt. Kein anderes Auto ist so handlich wie der Smart und kommt so gut ums Eck, und noch nie hat eine Fahrt durch die Tiefgarage so viel Spass gemacht wie mit dem Forease. Dagegen fühlt sich selbst ein Mini gross und sperrig an.

Dass es draussen eiskalt ist und der Wind fast ungehindert über die knappe Frontscheibe streicht, ja dass es nicht mal für den Notfall ein Verdeck gibt und dass die Sitzheizung bei dem Einzelstück nur ein Fake ist – all das stört bei der exklusiven Ausfahrt kaum. Denn erstens gaukelt einem das Display, das in die alten Lüfterdüsen gerückt ist, ja einen schönen Sommertag vor. Und zweitens ist der Forease so sympathisch und macht so viel Spass, dass es einem richtig warm ums Herz wird – egal, welche Temperaturen das Thermometer zeigt.

Flott, cool, charmant und ein absoluter Blickfang: Als Forease wird der elektrische Smart zum kleinen Funcar für Selbstdarsteller und könnte den Bonsai-Benz wunderbar über die Zeit retten, bis endlich mal ein neues Modell auf den Markt kommt oder es zumindest eine klare Aussage zur Zukunft der Marke gibt.

Dummerweise ist das erst einmal nicht geplant, und die Designstudie bleibt vorerst ein Einzelstück. Aber das haben sie beim Crossblade 2001 auch gesagt und am Ende trotzdem 2000 Exemplare gebaut, die heute gesuchte Gebrauchte sind – bei autoricardo.ch wird ein 15 Jahre altes Modell für 21'900 Franken angeboten. Deshalb kann man auch für den Forease noch hoffen. Der Winter ist schliesslich noch lang, und neben den Designern haben bei Smart auch die Entwickler gerade ein bisschen Zeit. Wenn sie die vernünftig nützen, steht dem Smart im kommenden Jahr vielleicht doch noch der Himmel offen.

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