21.10.2016 16:11

Walenstadt SGFatlums Schläger müssen nicht vor Gericht

Eine Schlägerei an einer Oberstufenschule in Walenstadt SG sorgte Anfang Jahr für Empörung. Nun wurde die Untersuchung der Jugendanwaltschaft eingestellt.

von
nab

«Hätten sechs Ausländerkinder einen Schweizer verprügelt, wären die Jungs nicht mehr an der Schule.» (Video: Murat Temel/Camille Marlene Kündig)

Im Januar kam es in Walenstadt auf dem Pausenplatz des Oberstadtschulhauses zu einem tätlichen Übergriff von fünf Oberstufenschülern auf einen Primarschüler.

Die Gruppe von rund einem halben Dutzend Schweizer Schülern, im Alter zwischen 15 und 16 Jahren, hatte Primarschüler Fatlum J.* verprügelt. Videoaufnahmen einer Überwachungskamera zeigen, wie der 12-Jährige die späteren Täter mit Schneebällen provozierte und darauf von mehreren Jugendlichen über den Pausenhof auf den Sportplatz geschleppt wurde. «Dort kam es zu einer Rauferei und Einsalzen mit Schnee, die über das Mass einer ‹normalen Auseinandersetzung› hinausgeht», bestätigte Schulleiter Heiner Solenthaler. Die Täter liessen offenbar erst von ihrem Opfer ab, als es ohnmächtig wurde.

Die Jugendanwaltschaft des Kantons St. Gallen eröffnete darauf eine Untersuchung wegen des Verdachts des Angriffs und der einfachen Körperverletzung gegen die fünf Oberstufenschüler. Im Rahmen dieser Untersuchung kam es zu einer Mediation. Die Schüler klärten mit Unterstützung zweier Mediatorinnen den Vorfall und konnten sich aussergerichtlich einigen. Die Jugendanwaltschaft des Kantons St. Gallen stellte aufgrund der aussergerichtlichen Einigung die Untersuchung gegen die fünf Oberstufenschüler ein.

Aus ausländerfeindlichen Motiven gehandelt?

Vater und Sohn mutmassten damals, dass die Jugendlichen aus ausländerfeindlichen Motiven gehandelt hätten. Die Peiniger sollen Fatlum «Scheissjugo» zugerufen haben. Zudem hatte sich sich der 33-jährige Vater, Faik J.*, daran gestört, dass die Schläger weiterhin normal zur Schule gehen dürfen: «Hätten sechs Ausländerkinder einen Schweizer verprügelt, wären die Jungs nicht mehr an der Schule.»

Doch auch der Vater geriet in die Schusslinie. Bei vielen Sarganserländern weckte der Fall des 12-jährigen Fatlum nämlich Erinnerungen: Früher war es Fatlums Vater, der als Schläger bekannt war. «Er war der Grund, warum im Jahr 1997 im Schulhaus Feldacker in Mels SG rund 300 Schüler Angst hatten, in die Schule zu gehen, und streikten», so ein ehemaliger Mitschüler. Grund für den Streik war das gewalttätige Auftreten Faiks. Die Schüler wollten, dass er deshalb von der Schule ausgeschlossen werde.

* Namen der Redaktion bekannt

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