Embrach ZH: Faule Ausreden eines Einbrecherkönigs

Aktualisiert

Embrach ZHFaule Ausreden eines Einbrecherkönigs

Ein Einbrecherkönig hat in Embrach einen Tankstellenshop geplündert und fette Beute für über 60 000 Franken gemacht. Da der Profidieb am Tatort seinen genetischen Fingerabdruck hinterlassen hat, muss er nun für drei weitere Jahre in den Knast.

von
Attila Szenogrady

Am Montag beschäftigte für einmal eine prominente Persönlichkeit das Zürcher Obergericht. Es handelte sich um einen berüchtigten Einbrecherkönig, der bereits im Oktober 2004 mit einem dreisten Coup landesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Damals drang der Bandenchef mit einem Universalschlüssel in das Zürcher Kongresshaus ein und sorgte an der Kunst- und Antiquitätenmesse für einen Schock. So entwendeten die Profidiebe innerhalb einer Stunde Uhren und Schmuck für über 800 000 Franken.

Die Gruppe flog erst auf, nachdem sich ein deutscher Mitläufer der Anklage als Kronzeuge zur Verfügung stellte und den ganzen Plan verriet. Der heute 39-jährige Boss wurde verhaftet und kassierte am Bezirksgericht Zürich eine hohe Zuchthausstrafe von vier Jahren.

In Embrach alt bekannte DNA-Spuren sichergestellt

Der verurteilte Mazedonier wurde vorzeitig aus dem Strafvollzug entlassen und arbeitete im Frühjahr 2008 in einem Club in Wetzikon als Türsteher. Offenbar betätigte er sich aber auch wieder als Profieinbrecher.

So drangen in der Nacht auf den 26. Mai 2008 mehrere Männer in den Coop-Tankstellenshop in Embrach ein und machten fette Beute. Die Ganoven kackten einen Tresor und behändigten Bargeld für über 42 000 Franken. Weitere 3000 Franken fanden sie in der Kassenschublade vor. Zudem klauten sie 200 Stangen Zigaretten für rund 12 000 Franken.

Nur eine Nacht zuvor war dieselbe Täterschaft bereits in den Coop-Tankstellenshop in Dielsdorf eingebrochen. Allerdings hatte die ausgelöste Alarmanlage einen erfolgreichen Abschluss des «Geschäfts» verhindert und die unerwünschten Besucher in die Flucht geschlagen.

Am Tatort in Embrach wurde die Polizei fündig. Sie stellte auf einem zurückgelassenen Geissfuss die alt bekannten DNA-Spuren des mehrfach vorbestraften Einbrecherkönigs sicher.

Unschuld beteuert

Im Januar 2009 gelang es den Fahndern, den gesuchten Familienvater dingfest zu machen. Er sitzt seither im Gefängnis, stritt aber in der Folge beide Einbruchsvorwürfe vehement ab. Auch vor dem Zürcher Obergericht beteuerte er seine Unschuld. Er stellte zwar seinen am Tatwerkzeug sicher gestellten genetischen Fingerabdruck nicht in Abrede. Er schob aber die Schuld auf einen gewissen Mann namens «Beni» ab. Dieser habe zwei Tage vor den Einbrüchen Werkzeuge in seinem Personenwagen deponiert, sagte er. Als er diese aus dem Kofferraum genommen und «Beni» wieder zurückgegeben habe, seien wohl seine Fingerabdrücke auf den Geissfuss gekommen, erklärte er.

Faule Ausreden: Schuldspruch bestätigt

Das Obergericht stufte die Darstellungen des Angeklagten als völlig unglaubhaft und gar als faule Ausreden ein. Die Oberrichter stellten klar, dass der Angeschuldigte seine wunderbare Geschichte erst in einer sehr späten Phase der Untersuchung eingebracht habae. Vorher überhaupt nicht. Zudem sei es schwer erklärbar, weshalb der Angeklagte einer ihm wildfremden Person erlauben sollte, in seinem Personenwagen Werkzeuge zu deponieren, führte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti aus. Das Obergericht war von der Schuld des Angeklagten so überzeugt, dass es auch den Antrag der Verteidigung auf ein Gutachten über den Videofilm des Einbruchs in den Tankstellenshop ablehnte.

Zusammen mit einer Rückversetzung der Vorstrafe setzten die Oberrichter eine unbedingte Gesamtstrafe von drei Jahren Freiheitsentzug fest. Nach seiner Haftentlassung soll der mit einer Einreisesperre belegte Einbrecherkönig nach Mazedonien zurückkehren. Mit diesem Entscheid hat das Obergericht ein Urteil des Bezirksgericht Bülach vom letzten Juni im Wesentlichen bestätigt.

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