Schlieren ZH: Faustschlag kommt doch noch teuer
Aktualisiert

Schlieren ZHFaustschlag kommt doch noch teuer

Laut Anklage hat ein Maurer einem Werkzeugmacher in einer Garage in Schlieren mit einem Faustschlag ins Gesicht den Unterkiefer doppelt gebrochen. Während das Bezirksgericht Dietikon den Angriff als nicht bewiesen verneint hatte, sah es das Obergericht anders.

von
Attila Szenogrady

Der eingeklagte Vorfall spielte sich am 9. Mai 2008 in einer Autogarage in Schlieren ab. Fest steht, dass ein heute 65-jähriger Werkzeugmacher aus Wettswil um die Mittagszeit die Werkstatt der Garage aufsuchte und dort auf seinen 38-jährigen Geschäftspartner aus Unterengstringen traf. Unbestritten ist, dass sich die beiden Männer kurz zuvor wegen ausstehenden Geldbeträgen massiv zerstritten hatten. Laut Anklage ging der deutsche Maurer sogleich zum Angriff über und versetzte dem erheblich älteren Schweizer einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht. So stark, dass der Werkzeugmacher einen doppelten Bruch des Unterkiefers erlitt und mit einem blutenden Mund den Tatort verliess.

Hohe Geldstrafe gefordert

Der verletzte Geschädigte begab sich einige Tage nach dem Vorfall zu einem Arzt und erstattete fast zwei Wochen nach dem Faustschlag Strafanzeige bei der Polizei. Mit rechtlichen Folgen. So erhob die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis Anklage wegen Körperverletzung und verlangte für den bereits vorbestraften Deutschen eine hohe, unbedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 130 Franken. Womit der Angeklagte insgesamt 23 400 Franken bezahlen sollte. Hinzu gesellten sich die finanziellen Forderungen des Privatklägers.

Zuerst ein Freispruch

Allerdings erlebte der Geschädigte im Mai 2009 zunächst eine böse Ueberraschung. So wies der Beschuldigte in einer ersten Verhandlung vor dem Bezirksgericht Dietikon den Vorwurf zurück und machte geltend, dass sein Prozessgegner womöglich von seiner Ehefrau geschlagen worden sei. Mit Erfolg, da der Dietiker Einzelrichter zu einem vollen Freispruch kam. Dieser lastete dem Kläger an, dass er sich erst mehrere Tage nach dem Faustschlag zu einem Mediziner begeben habe. Da ein Kieferbruch sehr starke Schmerzen verursache, sei es lebensfremd, dass sich das Opfer nicht sofort in ärztliche Behandlung begeben habe, schrieb der Richter.

Obergericht glaubte Opfer

Der unterlege Senior legte Berufung ein und verlangte im letzten Oktober vor dem Zürcher Obergericht die Annullierung des Dietiker Entscheides. Sein Anwalt führte aus, dass die Schuld des Schlägers aufgrund der glaubhaften Darstellungen seines Klienten klar erwiesen sei. Diesmal kam der Geschädigte durch. In seinem nun eröffneten Urteil hat das Obergericht dem Opfer geglaubt und den angeschuldigten Maurer wegen Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 80 Franken verurteilt. Obwohl die Oberrichter dem Angeklagten eine Bewährungsstrafe bei einer Probezeit von vier Jahren einräumten, wird es für ihn sehr teuer. So soll er dem Geschädigten grundsätzlich einen Schadenersatz von mindestens 828 Franken und ein Schmerzensgeld von 1 500 Franken bezahlen. Zudem eine ansehnliche Prozessentschädigung von 12 900 Franken. Nicht zuletzt muss der Beschuldigte seinen amtlich bestellten Anwalt auszahlen und für sämtliche, bisher aufgelaufene Verfahrenskosten von rund 5000 Franken aufkommen.

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