«Lucien, Lucien»: Favre hörte die Huldigungen nicht
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«Lucien, Lucien»Favre hörte die Huldigungen nicht

Lucien Favre steht im Ruf ein Fussball-Verrückter zu sein. Ein pedantischer, schrulliger Professor mit leicht autistischen Zügen. Im Letzigrund machte er seinem Ruf alle Ehre.

von
S. Compagno & E. Tedesco

Für den Romand, der 2003 bis 2007 eine höchst erfolgreiche Ära des FC Zürich verantwortete und seit 2011 Borussia Mönchengladbach zu neuem Glanz führt, war das Gruppenspiel der Europa League im Zürcher Letzigrund ein doppeltes Heimspiel. «Ja, das war speziell», sagte der 56-Jährige, nachdem sich sein Klub und sein Ex-Klub mit 1:1 getrennt hatten.

«Die Südkurve ist immer da, dazu kamen rund 10 000 Fans aus Mönchengladbach. Aber ich habe mich aufs Spiel konzentriert und nicht viel mitbekommen.» Auch nicht die «Lucien, Lucien»-Sprechchöre aus dem Süden des Stadions und das Transparent mit der Aufschrift «Als wärs geschter gsi, Merci Lucien»? «Nein, das habe ich nicht mitbekommen», gab Favre zu. Er habe natürlich die Gladbacher gehört, «und auch das Eff-Cee-Zett», aber er habe sich wirklich nur darauf konzentriert, was auf dem Platz passiert sei.

Favre lobt den FCZ

Damit, nämlich dem 1:1, könne er leben, meinte der Borussia-Trainer, und kritisierte, seiner Mannschaft habe Schnelligkeit und Beweglichkeit gefehlt. «Nicht nur mit den Beinen, auch gedanklich waren wir zu langsam.» Borussia habe «eigentlich ziemlich gut gespielt» und die zweite Halbzeit klar dominiert, «aber zu ganz klaren Torchancen sind wir nicht gekommen». Zudem habe der FC Zürich sehr gut gespielt, lobte er indirekt auch die Arbeit seines Nach-Nach-Nach-Nachfolgers Urs Meier.

Auf die Frage, ob die angeschlagenen Raffael (Ex-FCZ) und Weltmeister Christoph Kramer gefehlt hätten, ging Favre gar nicht ein: «Darüber möchte ich nicht sprechen.» Er lobte lieber erneut den FCZ: «Vergessen Sie nicht, es fehlte ihnen Yassine Chikhaoui.»

Xhaka windet Da Costa ein Kränzchen

«David Da Costa hatte einen extrem starken Tag», sagt Granit Xhaka, Schweizer Nationalspieler in den Reihen der Fohlen. «Wir hätten drei bis vier Tore schiessen können, wenn er nicht so starke Paraden gehabt hätte. Wenn ein Scout im Stadion sass, dann hat er sich gegen uns einen Transfer auf sicher erspielt.»

Speziell sei das Spiel aber nicht nur für ihn und für Goalie Yann Sommer gewesen, sondern auch für den Trainer. Xhaka hatte viele Freunde, die Familie und seinen Bruder Taulant, der mit dem FC Basel am Mittwochabend Liverpool 1:0 geschlagen hat, auf der Tribüne, die dem Gladbacher Mittelfeldspieler die Daumen gedrückt haben. Und was sagt Granit zum Erfolg seines Bruders mit den Bebbi?

«Es ist fast zum Alltag geworden, dass wir - äh, der FC Basel englische Mannschaften schlägt. Der Sieg gegen Liverpool war verdient. Wir haben nach dem Spiel noch miteinander telefoniert und ich habe ihm gratuliert.»

Pfiffe von Gladbach-Fans übertönt

Nicht zufrieden mit dem Spiel war Yann Sommer. «Wir haben das Spiel gut angefangen, waren aber zu effizient in der ersten Halbzeit und haben in der zweiten Halbzeit zu wenig gemacht. Mit dem Punkt sind wir nicht zufrieden, aber es geht schon am Sonntag gegen Mainz wieder in der Meisterschaft weiter und viel Zeit zum Nachdenken haben wir deshalb nicht.»

Für Sommer war es eine normale Rückkehr in die Schweiz, dass er als Nati-Goalie kurz vor dem Zusammenzug der A-Auswahl gegen ein Schweizer Team ran musste, gab ihm kein anderes Gefühl wie sonst auch. «Ich wollte mit Gladbach in der Europa League drei Punkte holen. Das ist uns leider nicht gelungen», so der Nachfolger von Diego Benaglio. Die wenigen Pfiffe gegen ihn hat der Schlussmann elegant «überhört».

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