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Ausgerechnet BayernFavre und das spezielle Duell mit Guardiola

Für Lucien Favre ist der Auftakt in die neue Bundesliga-Saison mehr als nur ein Spiel. Bayern-Trainer Pep Guardiola lässt jenen Fussball spielen, denn er bei Gladbach selbst gerne sehen würde.

von
Sandro Compagno

Lange galt Lucien Favre als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Jupp Heynckes als Trainer des FC Bayern. Die Gerüchte schmeichelten dem Romand, der zu Aktivzeiten bei Servette einst das Zimmer mit Karl-Heinz Rummenigge geteilt und dem heutigen Bayern-Boss mit Gesprächen über Fussball, Fussball und Fussball manche schlaflose Nacht beschert hatte. Bis heute sind sich Favre und Rummenigge freundschaftlich verbunden.

Als der Schweizer seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach im Sommer 2012 verlängerte, war das Thema wenigstens medial vom Tisch. Bayern verpflichtete ein halbes Jahr später nicht den bisweilen etwas schrulligen Fussball-Professor aus St. Barthélémy VD, sondern Pep Giardola, den dandyhaften Pokal-Sammler aus Barcelona. Favre trug es mit Fassung. «Die Verpflichtung eines Trainers mit diesem Renommee ist eine Super-Sache und Super-Werbung für die Bundesliga», sagte der 55-Jährige damals zu 20 Minuten.

Erstes Duell mit Guardiola

Heute treffen die beiden Fussball-Lehrer erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander. An Saisonstarts in der Allianz Arena hat Lucien Favre durchaus gute Erinnerungen. 2011, nachdem er Borussia auf wundersame Weise vor dem Abstieg gerettet hatte, gewann er in der 1. Runde in München 1:0. Es folgte eine tolle Saison, die mit Platz 4 endete und den Gladbachern den Übernamen «Borussia Barcelona» bescherte. Heute sagt Favre über den Knaller gegen den Triple-Gewinner zum Saisonstart: «Vielleicht ist das ein Vorteil für uns. Wir müssen so oder so gegen sie spielen.» Angst vor den Bayern habe er nicht.

Aus München kommen derweil ungewohnt bescheidene Töne. «Von Trainer Lucien Favre weiss man, dass er ein Super-Taktiker ist. Es ist ganz schwer, gegen diese Mannschaft zu spielen. Die verschieben perfekt», erklärte Schweinsteiger in der Bild-Zeitung. Und Trainer Pep Guardiola geriet fast ein wenig ins Schwärmen über Favres Arbeit bei den Fohlen: «Oh, Gladbach! Ich habe diese Spiele alle auf DVD gesehen. Favre hat das Team top organisiert, es ist kaum möglich, zwischen ihre Linien zu kommen. Sie haben eine grosse Ordnung auf dem Platz.»

Favre: Viel Barça beim FC Bayern

Favre seinerseits machte nie ein Geheimnis aus seiner Bewunderung für den Fussball, den Guardiola beim FC Barcelona spielen liess. Im Spiel des neuen FC Bayern könne er schon viel Barça entdecken, so der Schweizer: «Guardiolas Handschrift ist schon erkennbar. Sie beginnen meist mit einem 4-3-3, ändern es aber während des Spiels immer wieder. Sie kommen sehr viel über die Flügel, wo sie versuchen, immer Überzahl zu schaffen.»

So unterschiedlich Ansprüche und Mittel bei den Bayern (Umsatz: 400 Mio. Euro) und Borussen (Umsatz: 120 Mio.) auch sind, so liegen die Philosophien der beiden Trainer doch nahe beisammen. Guardiola lässt jenen Fussball spielen, den Favre in Mönchengladbach gerne spielen lassen möchte. In einem Testspiel vor knapp drei Wochen setzte es für Favres Fohlen eine 1:5-Klatsche ab.

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