Aktualisiert 04.05.2012 10:27

Gladbachs SpielersucheFavres Qual der Wahl zwischen Wurst und Käse

Lucien Favre ist auf der Suche nach neuen Spielern für Borussia Mönchengladbach. In ganz Europa soll der Schweizer nach Talenten Ausschau halten, kann sich aber nicht entscheiden.

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Lucien Favre ist nicht bekannt für Schnellschüsse. Ohne gründliche Planung läuft beim Schweizer nichts, das gilt auch für sein Amt als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach. Während andere Bundesligaklubs schon fleissig einkaufen, hat das Überraschungsteam der laufenden Saison noch keinen Einkauf getätigt.

Grund dafür sind offenbar Meinungsverschiedenheiten zwischen Favre und Sportdirektor Max Eberl. «Für uns sind Spieler in den Fokus gerückt», sagte Eberl, «die auch bei anderen Vereinen auf dem Zettel stehen - bei grossen Vereinen.» Grosse Namen sind nichts für Favre. Der Schweizer soll abgewinkt haben, als sein Sportdirektor Eren Derdiyok als möglichen Neuzugang vorgeschlagen hat. Mittlerweile hat sich der Deal sowieso erledigt: Hoffenheim hat sich den Schweizer Offensivmann geschnappt.

Wohin mit dem vielen Geld?

Es ist ja nicht so, dass Favre nicht wüsste, was er will. Das weiss er besser als manch ein anderer. Das Geld ist auch vorhanden. Nach den Abgängen von Marco Reus (Dortmund), Dante (Bayern München) und Roman Neustädter (Schalke) ist die Klubkasse prall gefüllt. Mindestens 22 Millionen Euro stehen dem Tabellenvierten zur Verfügung.

Seit Wochen schon soll Favre in Europa nach geeigneten Kandidaten Ausschau halten, um sein Wunschteam zusammenzustellen, was eigentlich die Aufgabe des Sportdirektors wäre. Bei seinem Engagement bei Hertha Berlin soll es deshalb zu Problemen mit dem damaligen Manager Dieter Hoeness gekommen sein. Dieser sagte einmal über den Taktikfuchs aus der Romandie: «Der würde im Supermarkt verhungern, weil er sich nicht zwischen Wurst und Käse entscheiden könnte.» Favres Konter: «Und Hoeness würde immer nur Schokolade kaufen. Hauptsache schön verpackt und teuer.»

Favres Jagd auf Europas Youngster

Bei einem Spieler würde der Erfolgstrainer eine Ausnahme machen. Schön verpackt und auch teuer ist derzeit Basels Mittelfeldjuwel Granit Xhaka. Es ist kein Geheimnis, dass Favre den 19-Jährigen gerne haben möchte. Dieser hat einen Markwert von 6 Millionen Euro und in Basel einen Vertrag bis 2015. Gladbach soll für den Nationalspieler 6,5 Millionen geboten haben. Zu wenig für den FCB.

Ablösefrei könnte dagegen Xhakas Teamkollege David Abraham zu den Fohlen stossen. Nach dem Wechsel von Abwehrchef Dante zu den Bayern braucht Favre dringend einen neuen Innenverteidiger. Wenn sich Gladbach nicht beeilt, wird der 25-jährige Argentinier wohl bald beim spanischen Erstligisten Getafe unterschreiben. Ronald Juhasz vom RSC Anderlecht wäre für rund 3,5 Millionen Euro zu haben. doch an ihm soll auch Besiktas Istanbul dran sein. Eine günstigere Option wäre der Holländer Bram Nuytinck, der für NEC Nijmegen spielt. Gemäss Sport.ch soll Gladbach diesen in letzter Zeit intensiv beobachtet haben.

Die Gewissheit, dass Gladbach Geld hat, erschwert die Einkaufstour. Mit den Erfolgen steigt eben auch der Preis, den Favre für Neuzugänge bezahlen muss. Die Spieler, die Favre haben will, sind mittlerweile auch schön verpackt und teuer. Dennoch wäre es nun allmählich an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen.

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