Aktualisiert 14.07.2012 08:52

Die Akte KampuschFBI nimmt sich definitiv des Falls Kampusch an

Was Staatsanwaltschaft und Polizei versäumt haben, soll jetzt ein Team von Spezialisten nachholen. Die Gruppe wird bis Ende Jahr alle Kampusch-Akten durchgehen. Mit von der Partie ist das FBI.

von
Felix Burch

Von Verschwörungstheorien und Hirngespinsten war die Rede, bis Ende Juni ein Untersuchungsausschuss, dem sämtliche österreichischen Parteien angehörten, in einem Bericht festhielt: «Im Fall Kampusch gab es offensichtliche Ermittlungsfehler.» Einzelne Politiker sprachen von einem totalen Versagen von Staatsanwaltschaft und Polizei.

Widersprüche, Fehler und Vertuschungen, die 20 Minuten Online in einer mehrteiligen Kampusch-Serie Anfang Jahr offenlegte, wurden bestätigt.

Nun werden sich externe Spezialisten dem Fall annehmen. Wie am Freitag bekannt gegeben wurde, wird ein Team in den nächsten Monaten die Ermittlungsakten von Polizei und Staatsanwaltschaft analysieren. Eine 14-köpfige Arbeitsgruppe und ein Lenkungsausschuss mit sieben Mitgliedern sind mit der Untersuchung betraut. Dem Ausschuss sollen auch jeweils ein Experte des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA) und der US-Bundespolizei FBI angehören.

Der ehemalige oberste Richter hat Bedenken

Johann Rzeszut, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofs in Wien, ist der Mann, der durch einen Vorstoss die Schliessung der Causa Kampusch verhinderte. Er befürwortet das erneute Studium der Akten durch die Arbeitsgruppe. «Dass darin aber Leute vom Justizministerium sitzen, die zum Dunstkreis der Staatsanwaltschaft gehören und die für viele Ungereimtheiten im Fall verantwortlich sind, ist alarmierend», sagt Rzeszut zu 20 Minuten Online. Er hoffe, die Spezialisten werden mit ihm den Kontakt suchen und ihn in der Sache anhören. Laut Rzeszut besteht die Gefahr, dass die Mitarbeiter des Justizministeriums den externen Experten gewisse Dokumente vorenthalten.

Mit dem erneuten Aktenstudium wollen die österreichische Politik und Justiz klären, ob der Fall wegen der Ermittlungspannen nach der Flucht von Natascha Kampusch vor sechs Jahren erneut von der Kripo aufgerollt werden muss. Oder ob die Akten endgültig geschlossen werden können. Bis Ende dieses Jahres soll der neue Bericht vorliegen. Eine der offenen Fragen ist immer noch, ob der Entführer Wolfgang Priklopil Helfer oder Mitwisser hatte.

(Mit Material der SDA)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.