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Silkroad 2.0FBI sprengt Drogenring im Darknet

Dem FBI und Europol ist ein Schlag gegen mehrere illegale Marktplätze im Tor-Netzwerk gelungen. Insgesamt wurden mehr als 400 Sites offline genommen.

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tob/sda

Rundumschlag gegen den illegalen Handel im Darknet: In einer international koordinierten Aktion hat die amerikanische Bundespolizei FBI am Donnerstag den illegalen Martkplatz Silk Road 2.0 geschlossen. Die Operation lief unter dem Codenamen «Onymous» und wurde zusammen mit dem Ministerium für innere Sicherheit Homeland Security und Europol ausgeführt. Insgesamt wurden mehr als 400 Websites im Tor-Netzwerk offline genommen, schreibt BBC. An der Operation beteiligt waren auch 16 Länder in Europa – darunter die Schweiz.

Alan Woodward, ein Sicherheitsexperte, der Europol berät, bezeichnete die Aktion als Durchbruch im Kampf gegen die Cyberkriminalität. «Websites im Tor-Netzwerk galten lange als unerreichbar für Strafverfolgungsbehörden. Diese Aktion zeigt nun, dass solche Dienste weder unsichtbar noch unantastbar sind», sagt Woodward im Interview mit BBC. Laut dem TV-Sender wurden bei den Ermittlungen neue Verfahren verwendet, um die Server im sogenannten Darknet (siehe Box) aufzuspüren.

Silk Road 2.0 zählte zu den grössten Umschlagplätzen von Drogen im Tor-Netzwerk. Gleichzeitig mit Silk Road 2 wurden auch die Marktplätze Hydra und Cloud 9 geschlossen, wie das US-Magazin «Wired» berichtet. Mehrere weitere Märkte waren am Donnerstag nicht erreichbar. Ein Sprecher des FBI sagte gegenüber «Wired», dass die Operation Onymous noch nicht abgeschlossen sei. Weitere Schliessungen sollen am Freitag folgen, hiess es in dem Bericht.

Betreiber droht lebenslange Haft

Drei Personen wurden im Rahmen der koordinierten Aktion verhaftet. Darunter ein 26-Jähriger aus San Francisco, der beschuldigt wird, Silk Road 2.0 unter dem Pseudonym Defcon betrieben zu haben. Er habe sich mit der Site Silk Road 2.0 der Verschwörung zu Drogenhandel und Geldwäscherei schuldig gemacht, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Ausserdem soll er in Computer-Hacking und Urkundenfälschung verwickelt sein. Laut der Anklageschrift, die gegen den 26-Jährigen vorliegt, soll Silk Road 2.0 zuletzt Drogen im Wert von acht Millionen US-Dollar pro Monat umgesetzt haben. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Zwei weitere Personen wurden am Donnerstag in Dublin verhaftet. Bei ihnen wurden Ecstasy-Tabletten, LSD und andere Drogen sichergestellt. Ebenfalls fanden die Beamten Bargeld in Höhe von 180'000 Euro sowie Bitcoins im Wert zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro.

Drogengeld für Elektroauto

Bereits im Mai soll der 26-jährige mutmassliche Betreiber des Martkplatzes identifiziert worden sein. Dies sei möglich gewesen, da verdeckte Ermittler das Team von Silk Road 2.0 infiltriert hätten, heisst es in der Anklage. Laut dem FBI soll sich der 26-Jährige zwischen November 2013 und Oktober 2014 Bitcoins im Wert von über 270'000 Dollar ausbezahlt haben. Das Geld habe er unter anderem genutzt, um einen Tesla Model S zu kaufen, heisst es. Laut dem Newsportal Businessinsider ist der 26-Jährige geständig.

Silk Road 2.0 ist im letzten Jahr nach der Schliessung von Silk Road 1 entstanden. Den ursprünglichen Silk-Road-Handelsplatz hatten die Behörden im Oktober 2013 geschlossen. Der mutmassliche Gründer wartet derzeit in New York auf seinen Prozess, im Februar bekannte er sich als nicht schuldig. Auch ihm droht lebenslange Haft.

Deep Web

Das Deep Web (auch Hidden Web oder Dark Net) bezeichnet den Teil des World Wide Web, der bei einer Recherche über normale Suchmaschinen nicht auffindbar ist. Im Gegensatz zum Deep Web werden die über Suchmaschinen zugänglichen Websites Visible Web (Sichtbares Web) oder Surface Web (Oberflächenweb) genannt. Das Deep Web besteht zu grossen Teilen aus themenspezifischen Datenbanken (Fachdatenbanken) und Websites, die erst durch gezielte Anfragen dynamisch aus Datenbanken generiert werden. Zusammengefasst handelt es sich um Inhalte, die nicht frei zugänglich sind und/oder nicht von Suchmaschinen indexiert werden (Quelle: Wikipedia).

(pst)

So funktioniert Tor

Onion Routing bezeichnet eine Anonymisierungstechnik im Internet. Hierbei werden die Webinhalte über ständig wechselnde Routen – über sogenannte Knoten – geleitet. Diese stellen jeweils eine Art verschlüsselnder Proxyserver dar. Dadurch bleibt die wahre Identität dessen, der die Daten angefordert hat, für den Webserver auf der anderen Seite anonym. Auch die Betreiber der Knoten selbst sind aufgrund des Verschlüsselungsschemas nicht in der Lage, eine Zuordnung zwischen dem Nutzer und seinen angeforderten Webinhalten herzustellen, es sei denn, alle Knoten der jeweiligen Route arbeiten zusammen.

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