Aktualisiert 06.06.2013 16:20

500 Millionen SchadenFBI und Microsoft zerschlagen Mega-Botnetz

Das FBI hat ein gewaltiges Computer-Netzwerk von Cyberkriminellen dichtgemacht. Im Visier der Betrüger standen unter anderem Kunden von American Express, eBay und PayPal.

von
owi
In mehr als 80 Ländern wurden etwa 1000 Computer-Netzwerke des Citadel-Botnets abgeschaltet.

In mehr als 80 Ländern wurden etwa 1000 Computer-Netzwerke des Citadel-Botnets abgeschaltet.

Der US-Bundespolizei ist zusammen mit Microsoft und nationalen Behörden ein Schlag gegen das organisierte Cyber-Verbrechen gelungen. In einer Grossoffensive in mehr als 80 Ländern wurden etwa 1000 von geschätzt 1400 Computer-Netzwerken des Cyber-Rings «Citadel Botnet» abgeschaltet.

Die Kriminellen sollen in den vergangenen eineinhalb Jahren mehr als 500 Millionen Dollar ergaunert haben. Dafür infizierten sie weltweit Computer mit schadhafter Software und stahlen beispielsweise Online-Banking-Daten. Der dabei eingesetzte Citadel-Trojaner sorgte unter anderem auch dafür, dass die Nutzer verschiedene Webseiten nicht mehr aufrufen konnten, deren Betreiber sich dem Kampf gegen Malware verschrieben hatten.

Die sogenannten Citadel Botnets, illegale Computernetzwerke, sollen nach Angaben von Microsoft bis zu fünf Millionen PCs weltweit infiziert haben. Auch Dutzende von Banken und Finanzinstitute waren im Visier der Täter: American Express, Bank of America, Citigroup, PayPal von eBay, HSBC, JPMorgan Chase, Royal Bank of Canada und Wells Fargo.

Zu den betroffenen Banken zählt gemäss den Angaben auch die Credit Suisse, wobei die Zürcher Bank dies am Nachmittag nicht bestätigte.

Hintermänner sind auf der Flucht

Die Drahtzieher sind noch auf freiem Fuss. Allerdings dürfte der Schlag gegen das Netzwerk die kriminellen Kapazitäten deutlich reduziert haben, so die Einschätzung von Microsoft.

Gesucht wird nun nach dem wichtigsten Mann hinter der Citadel Software - als John Doe oder auch unter dem Decknamen Aquabox «bekannt». Er gilt als Erfinder und Gründer des Botnets. Die Behörden versuchen den Angaben nach, seine Identität herauszufinden. Es wird vermutet, dass er sich in Osteuropa aufhält.

Er soll mindestens 81 Helfer haben, die diese illegalen Computernetze weltweit verwalten. Der Name John Doe taucht in der Klage auf, die Microsoft am Mittwoch gegen unbekannte Hacker bei einem Gericht in North Carolina eingereicht hatte.

Cyberangriffe und Spam-Mails

Daraufhin ordnete die Justiz an, die Bots auszuschalten. Citadel ist eines der grössten der Botnet-Netzwerke. Sie verbinden eine Reihe von infizierten Computern und lassen dort eine Software laufen, die sie für den Zugriff durch die Hacker im Hintergrund freigeben.

Bots kommen üblicherweise bei Cyberangriffen auf Finanzinstitute zum Einsatz, ebenso beim Versand von Spam-Mails oder der Verbreitung von Computerviren. Die Software selbst ist ab 2400 Dollar über das Internet erhältlich. Sie tauchte erstmals Anfang 2012 auf und schaltet Anti-Viren-Programme auf infizierten PCs aus.

Für Microsoft war die Zusammenarbeit mit dem FBI im Kampf gegen Cyber-Kriminalität Neuland. Der Konzern hatte ohne die Hilfe der Bundespolizei im Frühjahr 2012 eine grössere Offensive gegen andere Botnets gefahren, die sogenannten Zeus-Botnets. Diese waren etwas weniger komplex, vom Grundgedanken aber ähnlich.

Festnahmen in weiterem Betrugsfall

Unterdessen wurde bekannt, dass amerikanische und britische Ermittler einen grossangelegten Ring von Kreditkartenbetrügern gesprengt haben. Der Schaden der Opfer summiert sich auf mehr als 200 Millionen Dollar. Festgenommen wurden elf Personen in den USA, Grossbritannien und Vietnam.

Erst vor kurzem hatten Ermittler zudem bei einem international koordinierten Einsatz den vermutlich weltgrössten Geldwäscherei-Ring zerschlagen. Die in Costa Rica ansässige Firma Liberty Reserve soll geholfen haben, rund sechs Milliarden Dollar zu waschen. (owi/sda)

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