FC Basel ist endgültig im Mittelmass gelandet
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FC Basel ist endgültig im Mittelmass gelandet

Mit dem Scheitern in der UEFA-Cup-Gruppenphase verfehlte der FC Basel ein erstes Saisonziel. In der derzeitigen Verfassung sind auch andere Ambitionen kaum zu befriedigen. Die Qualität der Equipe verträgt sich nicht mit dem Anspruch, die Nummer 1 in der Schweiz zu sein.

Als der Charterflug FHE 6915 mit der Basler Mannschaft rund 16 Stunden nach dem 1:3 in Krakau vom polnischen Boden abhob, schloss sich ein prägendes Kapitel der FCB-Klubhistorie. Der Rückflug in den Schweizer Fussball-Alltag dokumentierte das Ende der Zeit als Klassenprimus. Gelandet ist der FC Basel im helvetischen Mittelmass.

Wer in der Champions League gespielt habe, wolle immer wieder dorthin, pflegt FCB-Coach Christian Gross zu sagen. Doch spätestens nach dem schwachen Parcours durch die UEFA-Cup-Gruppenspiele mit nur zwei (Heim-)Remis muss jedem Bebbi klar sein, dass es nichts bringt, an den Griff nach den Sternen zu denken.

Revidierte Ziele

In den nächsten Monaten geht es für den FC Basel darum, in der Axpo Super League wenigstens Dritter zu werden, um auf einen UEFA- Cup-Platz vorzurücken und damit den sportlichen GAU zu verhindern. Mit dem aktuellen 5. Rang wäre Basel gerade mal für den UI-Cup gut genug.

Dass sich die Realität am Rheinknie so schnell änderte, kann allein mit den traumatischen Ereignissen des 13. Mai 2006 nicht (mehr) erklärt werden. Dem Team fehlt es derzeit schlicht an der Qualität, um die Erwartungen von Gross, Präsidentin Gigi Oeri und den vielen Fans erfüllen zu können.

Zweimal hat es Gross seit der Champions-League-Saison 2002/03 verstanden, nach einem personellen Umbruch eine neue, erfolgreiche Mannschaft aufzubauen. Doch der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Diesmal ist die Neuformierung nicht gelungen. In Krakau war Buckley - wie schon am vergangenen Sonntag im Spitzenspiel gegen den FC Zürich - der einzige neuverpflichtete Feldspieler in der Startformation.

Neben dem Südafrikaner, der seit seiner Ankunft in der Schweiz Mitte August enttäuscht, aber im Gegensatz zu anderen Neuen wie Cristiano, Burgmeier und Caicedo immerhin regelmässig zum Einsatz gelangt, spielte im Wisly-Stadion auch ein Trio (Nakata, Kuzmanovic, Sterjovski), das in der letzten Saison nicht zur Stammformation gehörte. Nakata war in Krakau als Innenverteidiger um einiges besser als der ungenügende Abwehrchef Majstorovic, und der oft gescholtene Sterjovski gehörte sogar zu den Besten im Team. Auch dies bekräftigt die Erkenntnis, dass sich Basel in einer Abwärtsspirale befindet.

Gross spricht permanent von der Leidenschaft und vom «Fighting Spirit», den er an den Engländern so bewundert. An diesen britischen Eigenschaften mangelt es dem aktuellen Team aber durchwegs (abgesehen davon, dass die «Amtssprache» englisch ist). In Polen präsentierte sich ein Team, das jegliches Feuer vermissen liess. Es fehlt mehr als nur die Effizienz, deren Ermangelung Gross in einer ersten Analyse als Hauptgrund für die misslungene Europacup-Kampagne ausmachte. Im aktuellen Kader fehlen vor allem Führungsspieler, welche die von Gross gelebte Leidenschaft auf den Rasen tragen.

Deshalb gibt es Leute im Verein, die einen radikalen Neuanfang begrüssen würden - mit dem Preis, dass der FCB in den nächsten zwei Jahren nicht um Titel kämpft. Die Entscheidungsträger Oeri und Gross dürften die Stimmen jedoch nicht erhören. Das in den letzten Jahren gewonnene Selbstverständnis lässt kaum zu, dass der FCB mit seinem Budget und seinem grossen Anhang Durchgangsjahre akzeptiert.

Nicht mehr nur den Grossen unterlegen

Nach dem 1:3 in Krakau sprachen langjährige Beobachter vom schlechtesten Europacup-Auftritt seit Jahren. In der Tat dokumentierte das Scheitern den nächsten Abwärtsschritt. Zuletzt scheiterte Basel in Champions-League-Qualifikation und UEFA-Cup an Inter Mailand (2004) und Werder Bremen (2005) sowie Newcastle United (2003/04), Lille (2004/05) und Middlesbrough (2005/06). In den UEFA-Cup-Gruppenphasen 2004 und 2005 holten jeweils nur Schalke, Strasbourg und die AS Roma mehr Punkte als die Basler. Das bedeutet, dass der FCB in jener Phase nur Klubs aus den fünf grossen Ligen Europas hatte den Vortritt lassen müssen. Heuer stehen neben den «Grossen» auch Feyenoord Rotterdam und Wisla Krakau vor ihm.

Die dürftigen Resultate im UEFA-Cup offenbaren, wie sich der FCB in diesem Herbst dem biederen Niveau seiner nationalen Konkurrenten angepasst hat. Mit 15 Punkten aus 10 Spielen weist er einen Schnitt von 1,5 Zählern pro Partie auf und verkörpert auch in dieser Rangliste, die von YB (2,0) angeführt und von GC (1,11) abgeschlossen wird, nationales Mittelmass.

Immerhin führt der FCB in der für den UEFA-Koeffizienten massgebenden Statistik das Schweizer Feld mit 8,5 Punkten an. Mit diesem Wert liegt er aber unter dem letztjährigen Schweizer Durchschnitt (9,2), den er dank der Viertelfinal-Qualifikation selber hochgetrieben hatte. Bevor GC sein letztes Spiel im UEFA-Cup bestreitet, ist sicher, dass aus der Saison 2006/07 für die Schweiz nur etwas mehr als vier Punkte in die Fünfjahreswertung fliessen. Das reicht nicht, um für 2008/09 zwei Vereine in die Champions- League-Qualifikation schicken zu dürfen. Bestenfalls internationale Drittklassigkeit ist es, was der Schweizer Klubfussball verkörpert - und mit ihm der FC Basel. (si)

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