Aktualisiert 25.05.2011 20:56

Axpo Super League

FC Zürich siegt und verliert zugleich

Trotz eines 1:0 Sieges des FC Zürich gegen den FC Thun können die Zürcher nicht jubeln. Die Meisterschaftsträume sind geplatzt, das Wunder bleibt aus.

Beim Verfolger FCZ hat sich allen voran Fredy Bickel selber klein geredet. So ganz ohne Kalkül hat der gewiefte Manager dem Erzrivalen nicht frühzeitig zum Titelgewinn gratuliert. Das System «Druckablass» hat funktioniert. Unbeschwert deklassierte der FCZ den FC Luzern auswärts 5:0. Mit einem derartigen Comeback hätte nach dem schwachen Auftritt im Derby gegen GC (1:3) kaum mehr ein Beobachter gerechnet.

Für Urs Fischer kam die FCZ-Rückkehr hingegen nicht allzu überraschend. Der Trainer-Aufsteiger des Jahres attestiert seiner Equipe seit Monaten «enorm viel Charakterstärke». Sie habe auf weniger gute Leistungen ausnahmslos reagiert. Vor dem Abschluss gegen den «harten Brocken Thun» verlangte er eine weitere Topleistung.

Die Zürcher sind ausgerechnet auf jenen Kontrahenten angewiesen, den sie am letzten Sonntag demütigten. Ein Sieg allein genügt nicht. Luzern muss in Basel erneut punkten. Die giftigen Reaktionen einiger FCB-Spieler («Skandal!», «Manipulation?») auf das 0:5 könnten dem FCZ zupasskommen. Luzern kündigte jedenfalls eine spürbare Reaktion an. «Aber uns bleibt am Ende nur der Blick auf den Totomat», fasste Fischer die Ausgangslage richtig zusammen.

Vorteil FCB

Basel hat sich eine exzellente Ausgangslage geschaffen: Verwertet der FCB die hochprozentige Chance, den zuletzt desolaten FCL vor 38 000 Anhängern zu besiegen, ist ihm der Titel und die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League nicht mehr zu nehmen. Vor dem letzten Spieltag stehen die Basler dort, wo sie ihrem eigenen hohen Anspruch gerecht werden: auf Position 1. Zürich hat zwar exakt gleich viele Tore geschossen und erhalten (73:44), aber einen womöglich entscheidenden Punkt Rückstand. Deshalb haben die Bebbi zu Recht mehrfach betont, alles selber bestimmen zu können.

Im Prinzip zweifelt kaum ein Experte mehr am FCB-Triumph - am wenigsten wohl der Coach Thorsten Fink selber. Der Deutsche lebt die Winner-Mentalität seit seiner Ankunft vor zwei Jahren täglich vor; nie verbissen zwar, aber doch ziemlich unerschütterlich: «Wir werden den Matchball verwerten, weil wir schon mehrfach bewiesen haben, mit dem Druck richtig umgehen zu können. Mein Team ist gut genug.»

Costanzos Abschiedsspiel

Power, Klasse und Nervenstärke sind stichhaltige Argumente für kapitale Partien. Keeper Franco Costanzo steht exakt für diese FCB-Qualitäten. Vor seiner Derniere kamen beim Captain des Titelhalters keine Zweifel auf: «Wir müssen Luzern schlagen, und das werden wir tun.»

Parallelen zur Situation vor fünf Jahren blenden die Basler partout aus. Damals entglitt dem Top-Favoriten die Trophäe nach einem 1:2 in der 93. Minute gegen den FCZ in letzter Sekunde. 2006 war kein Plan B vorgesehen, 2011 wohl auch nicht. Der Originalpokal steht bereit, der Champagner ist kühl gestellt, die Party in den Köpfen der Anhänger programmiert.

Ein Trio in Not

Hätten die achtplatzierten Neuenburger die Wahl, würden sie wohl lieber das Meisterschaftsspiel als den Cupfinal gegen Sion gewinnen. Im Tourbillon steht die sportliche Existenz auf dem Spiel, in Basel am kommenden Sonntag «nur» die Ehre und ein Platz im internationalen Geschäft. Der Fall in die Barrage wäre auf jeden Fall nicht lohnenswert: Ein «Derby» gegen Servette wünscht sich mutmasslich keiner der drei Abstiegskandidaten.

Höchst prekär ist weiterhin die Lage der St. Galler. YB will die missratene Saison unbedingt als Nummer 3 abschliessen. Drei Tage nach dem respektablen 0:0 gegen den FCB könnten die Ostschweizer (9.) bei ungünstiger Entwicklung der Tabellensituation doch noch untergehen. «Grün-Weiss» wird sich dann wohl vor allem über das Heimdebakel gegen Luzern (0:4) grün und blau ärgern.

Schlechte Karten hält der Tabellenletzte Bellinzona. Vier Spieler fehlen gesperrt. Gegen GC mit dabei ist dafür Mauro Lustrinelli. Der Rekurs gegen die zwei Spielsperren, die dem Tessiner wegen den Vorfällen im Spiel gegen St. Gallen augebrummt wurden, wurde vom Verband gutgeheissen. Wie sehr die Südschweizer im Schlamassel stecken und die Übersicht verloren haben, dokumentiert die kurzfristige Einsetzung von Martin Andermatt. Die sofortige Freistellung des Italieners Carlo Tebi (zehn Spiele ohne Sieg) ist nur eine von zahlreichen Verzweiflungstaten in dieser miserablen Saison.

Axpo Super League, 36. Runde, 20.15 Uhr.

Basel - Luzern (1:0, 1:1, 4:1).

Abwesend: Huggel, Dragovic (beide gesperrt), Stocker, Tembo (beide verletzt); Gygax (gesperrt), Lustenberger, Paiva, Bento, Prager, Sorgic, Wüthrich.

Fraglich: Zverotic.

Statistik: Erst zwei Heimspiele hat der FCB in dieser Saison bisher verloren: gegen den FCL (1:4) und gegen Thun (1:3). Die Innerschweizer überstanden immerhin knapp über 50 Prozent der Away-Auftritte (neun) ohne Niederlage.

Zürich - Thun (3:2, 0:0, 3:1).

Abwesend: Teixeira (gesperrt), Chermiti, Chikhaoui, Zouaghi (alle verletzt); Schirinzi (verletzt).

Fraglich: keiner; Hediger.

Statistik: Gegen Thun hat der FCZ 16-mal in Folge nicht verloren. Die einseitige Verteilung der Rollen wird auch durch die Heimspielstatistik dieser Saison belegt: Von 17 Heimspielen hat Zürich nur die Partie gegen Basel (1:4 am 25. September) verloren.

Young Boys - St. Gallen (2:0, 1:1, 2:1).

Abwesend: Mayuka, Spycher, Jemal (alle verletzt), Dussin (beide rekonvaleszent); Abegglen (gesperrt), Vailati, Bakens (beide verletzt), Calabro (rekonvaleszent).

Fraglich: keiner; Hämmerli.

Statistik: Die Ostschweizer haben zuletzt auswärts fast mehr überzeugt als zu Hause. Nur eines der letzten fünf Spiele ausserhalb der AFG-Arena verloren sie - in dreifacher Überzahl gegen Xamax. YB hat indes auch gute Argumente für einen Erfolg vorzuweisen: Gegen St. Gallen haben die Berner im eigenen Stadion seit dem 20. März 2005 (2:3) nicht mehr verloren.

Bellinzona - Grasshoppers (2:2, 3:2, 1:1).

Abwesend: Lima, Lustrinelli, Diarra, Mihajlovic, Ciarrocchi (alle gesperrt), Edusei, Mihoubi, Siqueira-Barras (alle verletzt); Cabanas, Callà (beide verletzt).

Statistik: Gegen GC hat die ACB in dieser Spielzeit kein Match verloren. Zur Rettung genügt wohl nur der Sieg. Seit 12 Runden haben sich die Tessiner nun aber vergeblich um einen Erfolg bemüht. GC hat sich in den vergangenen Wochen 16 von 18 möglichen Punkten gesichert.

Sion - Neuchâtel Xamax (0:1, 3:0, 1:2).

Abwesend: Marin, Mrdja (beide verletzt); Binya (gesperrt), Geiger, Gelabert, Ismaeel (alle verletzt).

Fraglich: Yoda; Dampha.

Statistik: Beide Cupfinalisten spielten höchst unkonstant. Sion reihte nur zweimal zwei Siege aneinander, Xamax gelang dies gar nie. Die Neuenburger haben 22 Punkte weniger auf dem Konto als die Walliser. Der zweite Auswärtssieg im Tourbillon in Serie wäre gleichbedeutend mit dem Ligaerhalt.

Axpo Super League

(si)

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