Zürich unter Zugzwang: FC Zweck-Optimismus
Aktualisiert

Zürich unter ZugzwangFC Zweck-Optimismus

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Nach der 0:2-Niederlage gegen Bayern München im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation herrscht beim FC Zürich geradezu zwanghafte Zuversicht.

von
Eva Tedesco

«So lange es rechnerisch möglich ist, haben wir eine Chance», sagt Admir Mehmedi vor dem Rückspiel gegen die Bayern. «Das Spiel dauert 90 Minuten und in diesen werden wir alles versuchen, um weiterzukommen.» Dem FCZ-Stürmer ist bewusst, dass die Chance, in die Gruppenphase einzuziehen, minimal ist, aber kampflos aufgeben will er genauso wenig wie Trainer Urs Fischer. «Wenn wir nicht daran glauben würden, könnten wir uns das Rückspiel gleich schenken.»

Man möchte diesen Zweckoptimismus gerne teilen. So richtig gelingen will einem das nicht, wenn man sich an den Auftritt der Zürcher vor Wochenfrist in München erinnert. Das war Einbahnfussball. Die Bayern erspielten sich Chance um Chance. Der FCZ wehrte sich, so gut es ging, verdankte es aber allein der bayrischen Ineffizienz an jenem lauen Augustabend, dass die Niederlage am Ende nicht höher ausgefallen war. «Ich weiss nicht, was man von uns in München erwartet hat», sagt Admir Mehmedi kopfschüttelnd. «Gut, wir haben kein Auswärtstor geschossen, was sicher wichtig gewesen wäre, aber hätten wir gegen ein Topteam wie München ins Elend rennen sollen und mit einer 0:5-Packung heimkehren? Ich glaube, das 0:2 ist ein gutes Resultat und lässt noch etwas offen.»

Mehmedi stellte sich in den Dienst der Mannschaft

Natürlich weiss auch der Schweizer U21-Vize-Europameister, dass der FCZ in der Offensive mehr machen muss, als er dies in München getan hat - auch ohne erst auf die offizielle Team-Statistik der Uefa zu schauen. Denn die Zahlen lassen kaum auf genügend Zürcher Tore hoffen: Insgesamt schossen die Bayern 21-mal aufs Tor, der FCZ dreimal. Die Angriffsflaute erklärt sich der Stürmer dadurch, dass man in erster Linie das Augenmerk auf die defensive Organisation gerichtet habe. Mehmedi musste als hängende Spitze viel nach hinten arbeiten. «Ich hatte die taktische Aufgabe defensiv mitzuarbeiten und im Mittelfeld auszuhelfen. Ich habe mich in den Dienst der Mannschaft gestellt und darunter hat die Frische nach vorn gelitten.» Dennoch ist Mehmedi fast sicher: Wäre dem FCZ in der Allianz Arena nicht das frühe Gegentor (8. Minute Schweinsteiger) passiert, wäre man mit einem 0:0 in die Pause gegangen und Bayern hätte nach der Pause auch nicht so befreit aufspielen können.

Das «Wunder von Zürich»

«Ein wenig in Rücklage» – so bezeichnet Trainer Urs Fischer die Ausgangslage vor dem Rückspiel. «Das Meisterschaftsspiel nach Bayern ging in die Hose und wir sind die 0:2-Niederlage gegen Xamax noch am verarbeiten. Aber ich denke, dass die Mannschaft am Dienstag so weit ist, den Bayern alles abzuverlangen und das Unmögliche noch möglich zu machen. Wenn du zehnmal gegen Bayern München spielst, verlierst du wahrscheinlich neunmal. Aber einmal kannst du gewinnen.» An einem perfekten Tag wäre das denkbar, glaubt Fischer. Man werde alles daran setzen, in den noch ausstehenden 90 Minuten aus dem «Wunder von Bern» ein «Wunder von Zürich» zu machen. Zu befürchten ist aber, dass der legendäre Spruch des ehemaligen englischen Internationalen Gary Lineker wieder einmal zutrifft: «Das Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen immer die Deutschen.»

Admir Mehmedi rechnet erst am Schluss ab

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