Aktualisiert 27.01.2019 15:53

Titel-Jubiläum

FCL-Meisterhelden feiern abseits des offizellen FCL

1989 wurde der FCL bisher zum einzigen Mal Schweizer Meister. Doch das 30-Jahr-Jubiläum feiern die Helden von damals lieber inoffiziell. Der FCL will sie dennoch offiziell einladen.

von
mme

Der 10. Juni 1989 ist ein einzigartiges Datum in der Geschichte des FC Luzern, das die DNA des Vereins bis heute prägt und das für immer tun wird: Damals, an einem regnerischen Samstag, wurde der FCL zum bisher einzigen Mal Schweizer Fussballmeister. Bald jährt sich dieser denkwürdige Tag zum 30. Mal.

Die legendärste Szene der Meisterfeier auf der Allmend am 10. Juni 1989: Hansi Burri klaut sich den Pott aus dem Pulk und rennt mit ihm alleine auf die Fans zu.

Die Meisterhelden von damals wollen dieses Jubiläum aber nicht mehr so begehen, wie es beim 25-Jahr-Jubiläum war, sagt Hansi Burri, einer der Publikumslieblinge des 89er-Teams. Damals, im Jahre 2014, waren er und die anderen Schweizer Meister sowie ihre Frauen vom FCL zu einem Heimspiel eingeladen. «Wir möchten mit den Fans und Sponsoren von damals feiern und hoffen, dass viele aktuelle Fans und Sponsoren sich dazu gesellen. Es soll ein schöner, ehrwürdiger Anlass werden», sagt Burri auf Anfrage von 20 Minuten.

Meisterheld Burri findet es zudem schade, dass keine FCL-Cracks von 1989 beim FCL eingebunden sind: «Es wäre so viel fussballerisches Know-how vorhanden, das der FC Luzern nützen könnte.»

«Wir möchten mit den Fans und Sponsoren von damals feiern und hoffen, dass viele aktuelle Fans und Sponsoren sich dazu gesellen.»

Hansi Burri, FCL-Legende

Die Helden feiern in Sempach in Burris Beiz

Er und einige seiner Kollegen hätten die Idee gehabt, beim kommenden Jubiläum im Sommer selber eine Feier auf die Beine zu stellen, eine Art inoffizielles FCL-Jubiläums-Fest, wenn man so will. Burri und sein Meister-OK laden nun am Pfingstsamstag, 8. Juni ins Seeland Sempach, das Burri führt. Er habe bereits viele Zusagen seiner Teamkollegen erhalten. «Ich gehe davon aus, dass alle kommen werden.» Burri werde auch die Familie des verstorbenen Meistertrainers Friedel Rausch einladen. An der alternativen Meisterfeier gibts morgens zuerst mit Spielern, Sponsoren und Fans einen Brunch, ab 12 Uhr seien dann alle willkommen.

Hansi Burri war jahrelang Stadionwirt beim FCL, zuletzt im Stadion Gersag in Emmenbrücke, wo der FCL spielte, als die Swissporarena gebaut wurde.

Burri betont, dass er überhaupt keinen Groll gegenüber dem FCL hege. Auch seien die aktuellen Verantwortungsträger wie auch jene der Jahre zwischen 1989 und heute an der Feier in Sempach willkommen. «Ich habe mit Sportchef Remo Meyer gesprochen. Er ist informiert über unsere Feierlichkeiten am 8. Juni. Es wäre schön, würden sie kommen.»

Der offizielle FCL plant ebenfalls Jubiläumsakt

Beim FCL hat man die Pläne der einzigen Meistermannschaft in der Vereinsgeschichte zur Kenntnis genommen. FCL-Sprecher Markus Krienbühl sagt: «Wir freuen uns, dass die Meistermannschaft sich bei einem Fest treffen wird, um diese alten Erinnerungen aufleben zu lassen.»

Es sei aber auch vom offiziellen FCL ein Jubiläumsakt geplant, um «auf den Meistertitel zurückzuschauen», nähere Details dazu verrät Krienbühl noch nicht. Ein eigentliches Fest gebe es aber nicht. Auf jeden Fall sagt Krienbühl: «Wir werden im Zuge unserer Vorbereitungen sicher die Spieler dieser Meister-Mannschaft einladen. Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir sie auch bei uns begrüssen dürften.»

Dazu sagt Hansi Burri: «Natürlich würden wir eine Einladung des FCL annehmen. Ich treffe mich diese Woche mit Markus Krienbühl und werde mit ihm diskutieren, ob wir nur ein gemeinsames Fest machen wollen.»

FCL räumt Fehler ein

Die Verhandlungen um die Jubiläumsaktivitäten rund um die FCL-Meisterfeier von 1989 dürften also in die Verlängerung gehen. Die FCL-Verantwortlichen jedenfalls reichen Burri und den anderen Meistern die Hand – auf die Frage, ob man es bedaure, dass sich Verein und Meister-Legenden offenbar auseinander gelebt haben, sagt Mediensprecher Krienbühl: «Dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, müssen wir uns eingestehen – wir schauen aber in die Zukunft und wollen uns hier in diesem Punkte verbessern.»

Und gegenüber Zentralplus sagte er weiter: «Was Hanspeter Burri sagt, stellen wir nicht gänzlich in Abrede.» Von Vereinsseite hätte man in der Vergangenheit sicher mehr machen können, um verdiente Ex-Profis wie eben solche aus der Meistermannschaft in den Verein einzubinden. Künftig wolle sich der FCL hier verbessern. So werde etwa die noch aktive Goalie-Legende David Zibung auf jeden Fall nach seiner Karriere einen Job beim FCL annehmen, etwa im Marketing.

Jetzt hofft Luzern auf den nächsten Titel

Vielleicht wird im Sommer beim FCL sogar doppelt gefeiert: Neben der Meister-Jubiläumsfeier könnte auch der Cupsieg bejubelt werden. Trainer René Weiler jedenfalls kündigte bereits an, im März im Viertelfinal YB schlagen und dann auch den Cup holen zu wollen. In welchem Rahmen dann gefeiert würde, ist laut Krienbühl noch völlig offen. Sicher sei nur, wie gefeiert würde: «Lange und intensiv.»

Die FCL-Meisterhelden von 1989 versammelt auf einem Bild.

Titel-Fakten

-Das letzte Heimspiel der Saison 1988/1989, am 10. Juni 1989, als der FCL Meister wurde, besuchten im alten Allmend-Stadion 24'000 Zuschauer. Der Zuschauer-Stadionrekord in der Allmend lag bei 26'100 aus dem Jahr 1993. Später wurden im alten Allmend-Stadion aber nur noch 13'000 Zuschauer zugelassen. Die heutige Swissporarena fasst 16'800 Zuschauer.

-Beim Meister-Spiel gegen Servette am 10. Juni 1989 spielte Weltstar und Europameister Karl-Heinz Rummenigge, damals bei Servette, sein letztes Spiel als Profi.

-Am 9. Juni 1989 verstarb die Mutter von FCL-Capitan Roger Wehrli. Dennoch führte er sein Team am 10. Juni zum Titel. Nachdem er als Captian den Pokal entgegennahm, verschwand er alleine in die Kabine.

-Im Kader des FCL standen damals viele Zentralschweizer: Zum Beispiel Hansi Burri, Herbert Baumann, Hans-Peter Kaufmann, Stefan Marini, Roger Tschudin, Marcel Kälin (später kurz CEO des FCL) und noch einige mehr.

-Goalie Roger Tschudin hatte ein Markenzeichen: Er trug immer lange, dunkelblaue Adidas-Hosen bei Spielen. Auch bei 40 Grad im Schatten.

-Damals, im Jahr 1989, sah man noch die damals typischen Fussballer-Frisuren: Vokuhila. Hairy Stiliklonen waren etwa Sigi Gretarsson und Peter Nadig.

-Im Bericht des Schweizer Fernsehens über die Meisterfeier kam der Moderator auch auf Pyros zu sprechen. Damals sah man das Thema Pyros noch etwas lockerer als heute. Als nach dem Spiel Pyros gezündet wurden, sagte er: «Der FCL hat ein fantastisches Publikum im Rücken, das sich heute sehr sportlich verhalten hat. Erst jetzt, nach Spielschluss, sind hier ein paar Rauchpetarden festzustellen. Aber auch das ist ja nicht so schlimm.» Die Gegentribüne, wo die FCL-Fans standen, war zu dieser Zeit in ein tiefrotes Licht der Pyros getaucht.

-Für die legendärste Szene der Meisterfeier im Allmend-Stadion, von der in Luzern heute noch gesprochen wird, sorgte Hansi Burri: Er klaute aus dem feiernden Pulk den Pokal, rannte mit ihm quer über den ganzen Platz auf die Fans zu, um ihnen den Kübel zu präsentieren. So etwas hat die Allmend seither nicht mehr gesehen.

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