Präsident Matthias Hüppi: FCSG-Boss stoppte Chaoten – «wäre es ausgeartet, hätte ich nicht geschlafen»
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Präsident Matthias HüppiFCSG-Boss stoppte Chaoten – «wäre es ausgeartet, hätte ich nicht geschlafen»

Vor lauter Cupfinal-Frust wollen am Sonntag einige vermummte St.-Gallen-Fans den Wankdorf-Kunstrasen stürmen. Club-Präsident Matthias Hüppi stellte sich ihnen in den Weg – um das Image von Grün-Weiss zu schützen, wie er sagt.

St.-Gallen-Präsident Hüppi stellt sich eigenen Fans in den Weg.

Video: SRF

Darum gehts

Es ist das lauteste Nebengeräusch eines Fussballfests: Lugano schlägt St. Gallen im Wankdorf 4:1 und feiert den ersten Cupsieg seit 29 Jahren. Die gut 10’000 Tessinerinnen und Tessiner feiern – teils auf dem Kunstrasen des Berner Stadions, das sie nach Abpfiff stürmen. Dies ganz zum Unmut einiger frustrierter FCSG-Fans, die mit Wrestling-Masken getarnt die Feierlichkeiten stören wollen.

Das will Matthias Hüppi, Präsident des Vereins, unbedingt verhindern. Er eilt von der Haupttribüne in Richtung Fansektor, redet auf die aggressiven Anhänger ein. Und dies mit Erfolg: Mithilfe einiger friedlicher St.-Gallen-Fans und von Sicherheitskräften. «Im gestreckten Galopp überwand ich alle Abschrankungen», schildert der 64-Jährige gegenüber Keystone/SDA. Für ihn hätte es keinen Zweifel gegeben: Die aggressiven und destruktiven Typen müsse er jetzt stoppen, sonst würde was passieren.

«Vieles auf dem Prüfstand»

Hüppi weiter: «Es gelang mir, unter ungemütlichen Begleitumständen den richtigen Ton zu finden und zu ihrem Abzug beizutragen.» Der ehemalige SRF-Sportmoderator als grosser Verhandlungskünstler? «Ich brauche dafür keinen Applaus; es ist meine Pflicht. Ich möchte nicht der Hero von Bern sein, aber der Support so vieler Fans tut in dieser Situation gut – das Ganze kostete gewaltig Energie.»

Seine Intervention sei aber nötig gewesen, denn sonst wäre die Situation am ohnehin schon aufwühlenden Sonntag leider wohl eskaliert. Hüppi: «Wäre es ausgeartet, hätte ich in der Nacht wohl keine Sekunde geschlafen.» Aber es ginge auch um übergeordnete Themen: «Vieles ist auf dem Prüfstand, und der überwiegende Teil der Fans ist sich dessen voll bewusst. Klar ist auch: Ich trage Verantwortung und lasse es nicht zu, dass sich jemand über den Club stellt, unsere Werte buchstäblich mit Füssen tritt und immensen Schaden anrichtet.»

«Es tut richtig, richtig weh»

Hüppi, ein Präsident mit Volksnähe, nimmt sich nach einer entscheidenden und mutigen Aktion selbstlos aus dem Fokus – und lebt vor, nach dem zweiten verlorenen Cupfinal in Serie keine «zu grosse Negativität» zuzulassen.

«Es tut richtig, richtig weh, keine Frage», räumt der gebürtige St. Galler ein, «wichtig wird sein, jedem auch den nötigen Raum und die Zeit zu lassen, mit diesem Rückschlag richtig umgehen zu können.» Und: «Ich baue darauf, dass wir wieder aufstehen, uns wieder sammeln, den Energieverschleiss der letzten Monate unter Kontrolle bringen.»

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(sih)

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