ASL-Saisonstart: FCZ darf, FCB muss und FCSG kann
Aktualisiert

ASL-SaisonstartFCZ darf, FCB muss und FCSG kann

Nirgendwo in Europa ist die Sommerpause so kurz wie in der Schweiz. Schon am Wochenende startet die Super League in die neue Saison. Doch längst nicht alle Klubs sind hierfür bereit. 20 Minuten Online erstellt eine Übersicht.

von
Lars Gansäuer

Mit dem Spiel Aarau gegen GC fällt am Samstag der Startschuss zur neuen Fussball-Saison. Das Rennen um die Meister- und Cup-Trophäe des FC Zürich und des FC Sion wird also eröffnet. Einigen Vereinen droht aber ein klassischer Fehlstart.

FC Aarau

Angesichts der sehr beschränkten Mittel beim FC Aarau gab es erstaunlich viele personelle Veränderungen. Neun Abgänge, grösstenteils Stammspieler, sind nur schwer zu verkraften und von den bislang sechs Neuzugängen sind nur zwei Spieler wirklich echte Verstärkungen. Neu-Trainer Jeff Saibene kennt zwar das Umfeld, aber um ein schlagkräftiges Team zu formen, benötigt der Luxemburger noch weitere Spieler und vor allem Zeit. Der FC Aarau ist also längst noch nicht bereit für den Start in die neue Saison.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Teamgeist; Schwäche: Qualität Einzelspieler; Schlussklassierung: Rang 9.

FC Basel

Auch beim FC Basel sucht man weiterhin noch Spieler zur Vervollständigung des Kaders. «Qualität statt Quantität» lautet jedoch die Vorgabe des neuen Trainers Thorsten Fink an seine Vereinsführung. Seine Spieler hingegen erhalten ganz andere Anweisungen. «Glaubt an euch, zeigt dies in jeder Situation und seid mutig genug, um Spass zu haben.» Das eher vorsichtige 4-1-4-1- System von Christian Gross wird recht schnell in der Mülltonne verrotten und einem offensiven 4-4-2 weichen, bei dem zusätzlich drei der vier Mittelfeldspieler offensiv denken dürfen. Vor allem auf den Flügeln wird die Post im Joggeli schneller abgehen als ein Briefträger laufen kann. Der FCB ist bereit für grosse Taten - auch ohne ein vollständiges Kader.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Aufbruchstimmung; Schwäche: Defensivorganisation; Schlussklassierung: Rang 2.

AC Bellinzona

Kein anderes Team ist derart vom frühen Meisterschaftsbeginn betroffen wie die AC Bellinzona. Die Tessiner sind auf Gedeih und Verderben auf den italienischen Mercato angewiesen, um eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen zu können. Mit den finanziellen Mitteln sind keine «normalen» Transfers möglich, sondern es braucht viel Verhandlungsgeschick, um Schnäppchen zu machen. Marco Degennaro, der starke Mann der ACB, weilt derzeit mehr in Mailand als im Tessin, um irgendwie das Kader komplettieren zu können. Die Zeit spielt klar gegen die AC Bellinzona.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Erfolgsserie letzte Saison; Schwäche: offene Personalplanung; Schlussklassierung: Rang 10.

Grasshoppers

Sehr ungewöhnlich war, was in den vergangenen Wochen rund um den Campus in Niederhasli passierte. Die Geschichten um Investoren, Vorstandsposten und den Sportchef hängen nicht nur den GC-Fans zum Hals raus. Das eigentlich Ungewöhnliche ist jedoch, dass trotz der permanenten Aufregung der Grasshopper Club das erste Super-League-Team war, das den Kader komplett beisammen hatte. Und die Resultate in den Testspielen bestätigen, dass die Arbeit von Ciri Sforza und dem neuen, fünfköpfigen Trainerteam schon erste Früchte trägt. Wenn also jemand für die Meisterschaft bereit ist, dann die Grasshoppers.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Saisonvorbereitung; Schwäche: Unruhe im Umfeld; Schlussklassierung: Rang 4.

FC Luzern

Der möglicherweise nicht gescheiterte beinahe-oder-doch-ganz-Transfer von Hakan Yakin sorgt immer noch für Schlagzeilen. Und auch der Kontakt zu Vonlanthen, dessen Transfer zu Xamax schon im Ansatz an den finanziellen Vorstellungen scheiterte, erstaunt. Doch ansonsten ist es ruhig rund um die Allmend, wäre da nicht der Baggerlärm. Dennoch kann die Rechnung der Vereinsleitung aufgehen: Yakin für Scarione und Ianu für Frimpong und der Rest des Kaders bleibt zusammen. Rolf Fringer ist damit jedenfalls mehr oder weniger zufrieden – und ist dankbar für den späteren Saisonstart. Einerseits wegen der späten Barrage-Teilnahme, andererseits, weil das Exil-Stadion in Emmenbrücke noch nicht bereit ist, startet der FCL erst am kommenden Wochenende in die Saison und hat somit noch etwas Zeit.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Trainer Rolf Fringer; Schwäche: Exil-Stadion; Schlussklassierung: Rang 7.

FC St. Gallen

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Eine Frage, die man in der Ostschweiz je nach dem Grad der vorhandenen Aufstiegseuphorie beantwortet. Fakt ist: Leer sind die Kassen des FC St. Gallen, doch Präsident Hüppi plant die Sanierung im Eiltempo und hat nach dem Aufstieg das Budget weniger erhöht als die Einnahmen. Langfristig sieht es also gut aus, wenn der Kapitän das Schiff auf Kurs halten kann. Sportlich steht jedoch Trainer Uli Forte in der Verantwortung und ihm scheint es gelungen zu sein, seinen inzwischen kompletten Kader gemeinschaftlich auszurichten: Mit Freude, ein wenig Aufstiegseuphorie und grossem Tatendrang ein realistisches Ziel wie den Klassenerhalt anzupeilen. Hierfür ist man in St. Gallen vorbereitet.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Eingespieltes Team; Schwäche: Erfahrungsmangel; Schlussklassierung: Rang 8.

FC Sion

Die Geister scheiden sich: Am streitbaren Präsidenten, der Einkaufspolitik, den Trainergeschichten und auch am angeblich schwierigen Charakter einzelner Spieler, nicht zuletzt Neuzugang Mpenza. Nicht diskutieren muss man hingegen über die Qualität im Kader der Walliser. Und auch klar ist, dass der FC Sion in dieser Saison wieder für Überraschungen sorgen wird: Der Trainer, die Juristen, die Schiedsrichter - lassen wir uns überraschen, wie gross die Schlagzeilen in dieser Saison werden. Doch weil diesmal der Kader schon zehn Tage vor dem ersten Saisonspiel stand und Trainer Tholot so fest im Sattel sitzt wie zuvor kaum ein anderer, könnte Sion sogar für einmal sportlich für eine Überraschung sorgen, zumal auch die Saison im Wallis erst eine Woche später beginnt.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Einzelspieler; Schwäche: Heimspiele; Schlussklassierung: Rang 6.

Neuchâtel Xamax

Die Maladière wurde 2007 erst neu gebaut, aber bei Xamax blieb in diesem Sommer dennoch kein Stein auf dem anderen: Neuer Trainer, neuer Sportchef und bereits jetzt wurden 17 Transfers getätigt, doch das Kader ist längst noch nicht komplett: Links hinten soll noch jemand kommen und auch im defensiven Mittelfeld wird noch ein Leader gesucht. Daher ist es sehr erstaunlich, dass diese komplett neue Mannschaft bislang alle Testspiele gewinnen konnte. Zumindest resultatmässig ist Xamax also bereit für die neue Saison, doch es weiss niemand so recht, was man von den «Schürmännern» insgesamt erwarten kann.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Professionelles Umfeld; Schwäche: Erwartungsdruck; Schlussklassierung: Rang 5.

BSC Young Boys

Rund um das Stade de Suisse gibt es ein neues Modewort: «zielgerichtet». Frühzeitig wurden Spieler aussortiert und abgegeben, ebenso frühzeitig war die Personalplanung für die Saison 2009/10 abgeschlossen. Zielgerichtet muss nun auch die Mannschaft mit ihrem Trainer arbeiten, denn die Ziele sind hoch. Schliesslich geht es in die 23. Saison, die nicht wieder ohne Titelgewinn enden soll. YB-Coach Petkovic hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass er einem Team schnell seine Handschrift verpassen kann. Letzte Saison verschlief YB den Auftakt. Dieses Mal darf dies nicht wieder passieren, doch die Gefahr scheint gering, denn die Mutzen sind bereit und haben dies am Uhrencup schon bewiesen.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Offensive; Schwäche: Dreierabwehr; Schlussklassierung: Rang 3.

FC Zürich

Beim Meister tut man sich ebenfalls schwer, den frühen Saisonstart zu akzeptieren. Gerne hätte Sportchef Fredy Bickel etwas mehr Planungssicherheit bei der Zusammenstellung seines Kaders gehabt: «Wichtig ist, dass wir unsere Hausaufgaben frühzeitig erledigen, damit wir jederzeit reagieren können», bekannte Bickel schon vor dem Gewinn des Meistertitels. Verständlich ist daher der Kurs, das Team zusammenhalten zu wollen. Für den Saisonstart ist dies der Fall, so dass der FCZ mit einer eingespielten Mannschaft an den Start gehen kann. Eine Reaktion ist aber dennoch gefragt, falls Abdi und Tico gehen und Margairaz und Gajic in die Bresche springen müssen.

Prognose der gesamten 20-Minuten-Online- Redaktion: Stärke: Kontinuität; Schwäche: Drohende Spielerabgänge; Schlussklassierung: Rang 1.

Was ist Ihre Meinung vor dem Saisonstart? Wer wird Meister? Wer steigt ab? Welches Team wird überraschen, welches enttäuschen? Stimmen Sie ab und reden Sie in unserem Talkback mit!

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