Unerwartete Wende: FCZ-Fan: Geständnis nach Video-Beweis
Aktualisiert

Unerwartete WendeFCZ-Fan: Geständnis nach Video-Beweis

Am Mittwoch hat ein militanter Fan des FC Zürich im Gerichtssaal ein unerwartetes Geständnis abgelegt. Dafür war in erster Linie eine Filmvorführung am Prozess verantwortlich.

von
Attila Szenogrady

Das gibt es in Zürcher Gerichtssälen nur selten: Die Ausstrahlung eines Videofilms als Beweismittel. Doch am Mittwoch war wieder soweit. Der zuständige Einzelrichter Ferdinand Hürlimann liess einen Streifen der Stadtpolizei Zürich aufführen. Dieser ging auf den 19. August 2007 zurück. An jenem schönen Sommertag spielten die Zürcher Grasshoppers im Hardturm-Stadion gegen den FC Basel. Vor der Partie kam es am Escher Wyss-Platz zu massiven Ausschreitungen zwischen verfeindeten Fangruppen.

GC- und FCZ-Fans verbündeten sich

Erstaunlicherweise verbündete sich eine Gruppe von GC-Fans spontan ausgerechnet mit dem Erzfeind. Gemeint sind einige FCZ-Anhänger. Worauf die Zürcher den berüchtigten «Basler Marsch» attackierten. Zu den Angreifern gehörte auch ein heute 24-jähriger Geschäftsführer aus Dietlikon.

Der langjährige FCZ-Fan musste sich wegen Landfriedensbruchs vor den Schranken verantworten. Bei einem Schuldspruch droht ihm eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 90 Franken, also 4500 Franken auf Bewährung sowie eine Busse von 500 Franken.

Zunächst Vorwürfe bestritten

Der Angeklagte wies zunächst die Vorwürfe der Untersuchungsbehörde vor Gericht zurück. So widersprach er der Feststellung der Staatsanwaltschaft, dass er an einer öffentlichen Zusammenrottung teilgenommen habe. Er sei vielmehr Opfer gewesen, da er von zwei Seiten von aggressiven Basler Fans attackiert worden sei. Das seien keine Leute, die ein bisschen mit Zürchern reden wollen. Diese würden sogleich dreinschlagen, erklärte er. Er sei bloss geflohen.

Verräterischer Videofilm

Die Stimmung schlug im Saal um, als das Polizeivideo über den Bildschirm flimmerte und die Aussagen des Angeklagten widerlegte. So war klar ersichtlich, dass sich der Zürcher Unterländer nicht etwa von den Krawallen entfernte, sondern unbeirrt in die Richtung der Basler Fans rannte und dabei eine Sturmhaube aus einer Hosentasche hervorholte. Dann kam es zu einer wilden Keilerei. Worauf der Angeklagte ein wenig später mit der Zürcher Gruppe in Richtung Hardbrücke zurück lief.

Der Film überführte den Angeklagten geradezu offensichtlich. Worauf er sich zu einem halbherzigen Geständnis durchrang. Damit stand für das Gericht der Schuldspruch fest. Im Gegensatz zur Höhe der Geldstrafe, die es dem Angeklagten zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich mitteilen wird. In einer letzten Bemerkung forderte Hürlimann den FCZ-Anhänger auf, sich nicht vom Fussball, aber von der gewaltbereiten Fanszene zu verabschieden.

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