Aktualisiert 23.06.2017 10:33

Vorbestrafter HooliganFCZ-Fan nach Cupspiel-Randale freigesprochen

Nach einem Gastspiel in Wohlen haben Anhänger des FC Zürich eine Auseinandersetzung provoziert. Der angebliche Anführer entging nun einer Strafe.

von
ced
Rund 30 FCZ-Anhänger hatten in Wohlen 2015 für Randale gesorgt. Im Bild: Ein FCZ-Fanmarsch.  (Symbolbild)

Rund 30 FCZ-Anhänger hatten in Wohlen 2015 für Randale gesorgt. Im Bild: Ein FCZ-Fanmarsch. (Symbolbild)

Keystone/Davide Agosta

Eigentlich hätten alle FCZ-Fans nach dem Auswärts-Cupspiel gegen Wohlen im Jahr 2015 in den Extrazug einsteigen sollen. Eine Gruppe von rund 30 Vermummten suchte beim Bahnhof jedoch die «gewalttätige Konfrontation mit Drittpersonen und der Polizei», wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten hervorgeht.

Eine unbeteiligte Person wurde beim Kiosk mit einem Faustschlag und einem Hieb mit dem Knie traktiert. Die Kantonspolizei Aargau setzte daraufhin Gummischrot ein. Durch eine nachträgliche Auswertung von Videomaterial konnte man den Anführer der Gruppe laut Anklageschrift identifizieren: Ein stämmiger Mann mit mehreren Tattoos – und ein vorbestrafter Hooligan. Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, sass er in der Vergangenheit bereits eine mehrmonatige Gefängnisstrafe ab.

Mit Selecta-Automat beschäftigt

Die Staatsanwaltschaft warf dem FCZ-Fan Landfriedensbruch vor. Er habe an jenem Abend die «Capo»-Funktion innegehabt, sei also der Lenker und Denker der gewalttätigen Gruppierung gewesen. Eine «aktive Handlung in Sachen körperlicher Gewalt» konnte jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

«Ich war am Spiel», gestand der Mann am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Jedoch sei er nicht an den Ausschreitungen beteiligt gewesen, habe anfangs gar nichts davon mitgekriegt, weil er sich beim Selecta-Automaten einen Snack habe holen wollen. Als er «laute Rufe» gehört habe, sei er zurückgelaufen. Wohl deshalb sei er auf den Videoaufnahmen zu sehen.

Zweifel an Aussagen

Zu seiner Vergangenheit sagte er: «Ich war jung und naiv, heute halte ich mich aus brenzligen Situationen raus.» Die Verantwortlichen des FC Zürich würden seine positive Entwicklung kennen und hätten ihm deswegen auch kein Stadionverbot erteilt, sagte er vor Gericht. Ausserdem habe er mittlerweile eine Freundin, sei ruhiger und ausgeglichener.

Sein Verteidiger wies im Schlussplädoyer darauf hin, dass die Videosequenz seinen Mandanten nicht eindeutig identifiziere – was Gerichtspräsident Lukas Trost bestätigte. Es könne nicht mit «genügender Sicherheit» festgestellt werden, dass der Beschuldigte sich in der Gruppierung aufgehalten hatte. Obwohl das Gericht «grosse Zweifel» an den Darstellungen des Angeklagten hegte, sprach es ihn frei.

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