«Petarden-Trottel»: FCZ-Fan wegen Morddrohung verurteilt
Aktualisiert

«Petarden-Trottel»FCZ-Fan wegen Morddrohung verurteilt

Telefonterror, Hetzflyer, Morddrohungen: Mit Mafia-Methoden haben FCZ-Fans 2011 fünf Blick-Journalisten eingeschüchter. Jetzt ist ein 26-jähriger Student zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

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hal/att

Die Beweislage war dünn, doch am Schluss war der Entscheid klar: Ein militanter FCZ-Fan wurde wegen Gehilfenschaft zu Drohung vom Bezirksgericht Zürich zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt. Der heute 26-jährige Student aus Zürich-Altstetten soll laut dem Einzelrichter bei einer Hetzkampagne gegen vier «Blick»-Journalisten einer unbekannten Täterschaft das Auto seines Vaters zur Verfügung gestellt haben.

Begonnen hatte alles vor fast genau zwei Jahren. Am 7. November 2011 titelte der «Blick»: «Entlarvt! Das ist der Petarden-Trottel» – und zerrte damit einen FCZ-Fan an die Öffentlichkeit. Vier Tage zuvor war diesem beim Europa-League-Ausswärtsspiel seines Lieblingsklubs gegen Lazio Rom eine Petarde in der Hand explodiert. Drei Finger wurden dabei so stark zerfetzt, dass sie nicht mehr angenäht werden konnten.

Der damals 25-jährige lag im Spital, als die Journalisten an der Tür seiner WG klingelten. Sie sprachen mit dem Arbeitgeber und den Eltern des Zürchers. 5 Tage lang hintereinander schrieb die Zeitung über ihn – «hart, aber fair», wie Ringier-Sprecher Edi Estermann zu 20 Minuten sagte.

Das sahen die Kollegen des «Petarden-Trottels» anders: Sie gingen zum massiven Gegenangriff über. Fünf Journalisten, die über den Fall berichtet hatten, fanden einen toten Fisch im Briefkasten – die sogenannte «sizilianische Botschaft». Sie ist unmissverständlich: Im Mafia-Kultfilm «Der Pate» erhält Sonny einen toten Fisch und wird kurz darauf erschossen.

Morddrohungen morgens um vier

Die Ultra-Fans gingen noch weiter und verteilten in der halben Stadt Zürich Flyer mit den Bildern von drei der Journalisten – sogar in den Schulen ihrer Kinder. «Wer kennt diese (Ruf)Mörder?», war darauf zu lesen. Drei Journalisten wurden mit Fotos abgebildet, zwei Reporter als «stadtbekannte Kinderschänder und Vergewaltiger» verunglimpft. Zudem bedrohten sie die Sport- und Gerichtsreporter und ihre Familien telefonisch und via SMS, teilweise nachts um vier Uhr. Die Journalisten erstatteten Anzeige.

Im Januar 2012 konnte die Polizei zwei FCZ-Fans wegen der Hetzkampagne verhaften. Einer hat gestanden, die Reporter telefonisch bedroht zu haben. Allerdings war der damals 36-jährige nur dem Aufruf auf den Hetzflyern gefolgt und hatte die Aktion nicht mitgeplant. Anders der Zweite: Der Student aus Altstetten soll mit zwei unbekannten Komplizen für die Kampagne verantwortlich sein.

Dünne Beweislage

Der Beschuldigte verweigerte vor Gericht zur Sache jegliche Aussage. Der Staatsanwalt sprach von einer dünnen Beweislage und konnte nur zwei Indizien ins Feld führen. Erstens handelte es sich beim Beschuldigten um einen eingefleischten FCZ-Fan. Zweitens habe ein Augenzeuge vor dem Stadtzürcher Wohnort eines der bedrohten Blickjournalisten ein verdächtiges Fahrzeug mit vier jungen Leuten beobachtet. Die Auskunftsperson habe die Autonummer in sein Handy eingetippt. Worauf die Polizei auf den Angeschuldigten gekommen sei. So war das fragliche Auto auf den Vater des Beschuldigten eingelöst. Zudem habe die Polizei den Personenwagen bei der Hausdurchsuchung vor dem Wohnort des FCZ-Fans vorgefunden.

Die Verteidigung verlangte vergeblich einen vollen Freispruch und lastete den Untersuchungsbehörden gewagte Spekulationen an. So sei nicht erwiesen, dass die vier jungen Leute tatsächlich die Kleber an den Briefkästen angebracht hätten. Es würden auch keine DNA-Spuren vorliegen.

Ein anderes Urteil wurde rund um den «Petarden-Trottel» bereits gefällt, wenn auch kein juristisches: Der Presserat rügte den Blick im März 2012 und hiess eine Beschwerde eines Lesers teilweise gut. Die Zeitung habe den FCZ-Fan «in unzulässiger Art und Weise an den Pranger gestellt».

20 Minuten wird voraussichtlich kurz nach 18 Uhr detailliert über den Prozess berichten.

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