Scharmützel am Zürcher HB: FCZ-Fans: Mit Verspätung an die Schlägerei
Aktualisiert

Scharmützel am Zürcher HBFCZ-Fans: Mit Verspätung an die Schlägerei

Kaputtes Mobiliar, weinende Kinder und erzürnte Eltern: Dies die Bilanz der Schlägerei zwischen GC- und FCZ-Fans im Zürcher Hauptbahnhof. Die Polizei kennt das Problem - eigentlich. Letzten Sonntag wurde sie überrascht.

Marco* ist sieben Jahre alt und FCZ-Fan. Doch seit gestern ist seine Sicht auf den Stadtverein getrübt. Getrübt worden - von sogenannten Fans des eigenen Clubs.

Marco betrat mit seiner Familie am Sjonntag gegen 18 Uhr das Restaurant Federal im Zürcher Hauptbahnhof. Vor dem Restaurant stand bereits eine Gruppe von rund 20 FCZ-Fans. Laut einer Augenzeugin wurden sie von Sicherheitspersonal am Eintritt gehindert. Von ihrem Plan liessen die Anhänger aber nicht ab. Kurz vor 18 Uhr stürmten sie das Lokal und nahmen sich die fünf GC-Fans vor, die laut Polizeicommuniqué im Federal sassen. (20 Minuten Online berichtete). Mittendrin sass Marco und seine Familie. «Es gab plötzlich einen Riesenknall», erzählt die Mutter. Am Schluss lagen Tische, Stühle, Trennwände und Scherben am Boden. Der Angriff dauerte nur kurz, doch er zeigte Wirkung. Zurück blieben weinende Kinder und verängstigte Mütter.

Erhöhte Präsenz bei Hochrisikospielen

Dass Fangruppierungen in einem Restaurant aufeinander los gehen, ist einigermassen erstaunlich. Allerdings gilt der Hauptbahnhof nicht erst seit gestern als Brennpukt für Scharmützel zwischen Fangruppierungen. «Wir haben seit längerer Zeit immer wieder Auseinandersetzungen im Bahnhof», bestätigt Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Auch die Kantonspolizei weiss um den heiklen Treffpunkt. Besonders bei Hochrisikospielen markiere sie jeweils auch am Bahnhof erhöhte Präsenz, wie Karl Steiner, Sprecher der Kapo Zürich, auf Anfrage sagt. Auch gestern waren Beamten vor Ort. Doch von der Schlägerei wurde die Polizei überrascht.

Von der späten Ankunft überrascht

Grund für die Überraschung: Die FCZ-Fans reisten vom Auswärtsspiel in Wil in zwei Gruppen zurück. Die erste traf fahrplanmässig im Hauptbahnhof ein. Die zweite Gruppe, die später das Federal stürmte, nahm jedoch einen späteren Zug, wie Marco Cortesi bestätigt. Die Krawallanten nutzten offenbar den unbeobachteten Moment und schlugen im Federal zu. Die Schlägerei hinterliess einen Sachschaden in noch unbekannter Höhe. Ein 17-jähriger GC-Fan musste mit Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden. Verhaftet wurde, neben einem 17-jährigen FCZ-Fan, auch ein 64-jähriger Mann. Er hatte mit der Schlägerei nichts zu tun. Laut Karl Steiner behinderte er die Polizeibeamten bei der Verhaftung des FCZ-Fans.

Traumatisierte Kinder

Für Marco und seine Familie war die Schlägerei ein traumatisches Erlebnis. «Wir hatten eine schlaflose Nacht. Die Kinder hatten eine Riesenangst und konnten das Geschehene nicht verarbeiten», sagt die Mutter. Ob der siebenjährige Marco dem FCZ treu bleibt, ist unklar. Seine Mutter sagt: «Diese sogenannten Fans schaden am meisten ihrem Club. Am allerschlimmsten trifft es aber die zukünftigen Fans, die Kinder.»

*Name geändert

(meg)

Zwei Polizisten bei Cup-Spiel verletzt

Zwei Polizisten sind beim Fussball-Cupspiel zwischen dem FC Wil und dem FC Zürich am Sonntag verletzt worden, wie die Polizei am Montag mitteilte. Sie waren beim Spiel in zivil unterwegs, als sie vermutlich von Fans des FC Zürich angegriffen und geschlagen wurden, wie es im Communiqué der Polizei heisst. (sda)

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