FCZ kommt mit blauem Auge davon
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FCZ kommt mit blauem Auge davon

Zürich tritt auch im UEFA-Cup nur an Ort. Gegen das überwiegend mit Ersatzspielern angetretene Empoli unterlag der Leader der Super League auswärts 1:2. Mit der knappen Differenz war die Auswahl von Bernard Challandes gut bedient.

Ausgeschieden sind die Zürcher aus dem UEFA-Cup zwar nicht, ihre Ausgangslage ist sogar weitaus besser als ihre Leistung gegen Empoli. Alphonse entlöhnte seine Kollegen mit dem 1:2 in der 73. Minute fürstlich. Hätten Italiener nur um Nuancen effizienter angegriffen, eine empfindliche Schlappe wäre in der Toskana kaum mehr abzuwenden gewesen. So aber bleibt dem FCZ die Option, in zwei Wochen im Letzigrund im UEFA-Cup doch noch unter die Top 40 vorzustossen.

An der Einschätzung Zürichs ändert die knappe Niederlage aber nur wenig. Die Art, wie Florian Stahel unmittelbar nach der Pause gegen Antonini den Penalty zum 0:2 verschuldete, war nur die Fortsetzung eines vorwiegend tristen Zürcher Auftritts. Der Verteidiger unterschätzte einen Flankenball völlig. Empoli nahm das Geschenk an und sorgte für klare Verhältnisse. In der Serie-A- Tabelle rangiert das Team nur an drittletzter Stelle. Mit der besten Besetzung reichte es in der Liga des Weltmeisters in 180 Minuten nur zu einem Punkt. Der zweiten toskanischen Garnitur genügten 47 Minuten zur Desmakierung der (statistisch) gegenwärtig besten Schweizer Klub-Mannschaft.

FCZ schwächer als die B-Formation

Empoli trat zum ersten Mal in der 87-jährigen Vereinsgeschichte auf der internationalen Bühne auf. Trainer Luigi Cagni mass dem historischen Fakt keine Bedeutung zu. Er schickte - wie angekündigt - nur das Reserventeam auf den Platz. Nur zwei vom Stamm (Marzoratti und Marchisio) figurierten in der Startformation, die restlichen Titulare schonte der «Mister». Topskorer Saudati und Regisseur Vannucchi sassen nicht einmal auf der Ersatzbank. In Italien geniesst nur die Champions League einen höheren Stellenwert als der Serie-A-Alltag.

Es werde trotzdem eine gute Mannschaft spielen, hatte Cagni schon im Vorfeld betont. Der 57-Jährige täuschte sich nicht. Der Altersschnitt von 21,4 Jahren war vor allem in der ersten Halbstunde kein Faktor. Empolis Reserven führten den Schweizer Titelhalter nicht nur ans Limit, sondern zeitweise regelrecht vor. Luca Antonini stand in der 17. Minute dem Führungstreffer ein zweites Mal bedrohlich nahe. Zürichs Defensivabteilung geriet frühzeitig schwer in Bedrängnis. Barmettler verlor in jener Phase die Orientierung, Kondé im Mittelfeld fast jeden Zweikampf.

Die wegen der verletzungsbedingten Absenz von Captain Hannu Tihinen erneut umformierte Abwehr wirkte auch mit Fortdauer der Partie nicht sattelfest. Und vor der Viererkette leistete sich nicht nur Kondé seine Aussetzer, sondern auch Tico. Mit einem dilettantischen technischen Fehler verursachte der Nigerianer den Corner vor dem 0:1 durch Piccolo. Weil Keeper Leoni beim Kopfball des Verteidigers ebenfalls unglücklich aussah, wirkte sich Ticos Nachlässigkeit fatal aus. Das 0:2 war eine Frage der Zeit. Stahel beantwortete sie.

Challandes hatte schon vor dem Anpfiff vor der Qualität des gesamten Kaders der Italiener gewarnt. Offenbar haben ihm die eigenen Spieler nicht zugehört. Das Frühwarnsystem des Trainers versagte. Stattdessen überliessen die Zürcher dem mässigen Kontrahenten den gewünschten Raum. In 1:1-Duellen waren die Zürcher fast ausnahmslos überfordert. Einige bekundeten mit dem Tempo erhebliche Mühe. Wer sich in Empoli während 70 Minuten zwei Weitschuss-Chancen (Chikhaoui und Abdi) «erarbeitet», dessen internationale Reichweite endet im Normalfall an der eigenen Landesgrenze.

Nur einer hob sich abermals ab: Alphonse. Im ersten Einsatz nach knapp vierwöchiger Verletzungspause gelang dem Franzosen drei Minuten nach seinem Eintritt ein in der Gesamtabrechnung womöglich sehr wichtiges Tor. Ohne Zögern und mit dem Gefühl des Skorers erfasste er die Chance zum Schuss. Zupass kam ihm auf dem Weg zum ersten FCZ-Auswärtstor im Europacup seit zwei Jahren, dass Bassi den Ball zwischen den Beinen durch passieren liess.

Die Prozession der Zürcher Anhänger

Im Gegensatz zur lange vor allem enttäuschenden Equipe von Trainer Challandes leisteten die Zürcher Anhänger vor und während der Partie einen Sondereffort. Nach einer elfstündigen Fahrt im gecharterten Zug belebten gegen 1500 FCZ-Supporter die schmucken Plätze der toskanischen Kleinstadt und verwandelten Empoli temporär in einen Zürcher Vorort. Dem stattlichen Aufgebot der Carabinieri blieb während der friedlichen FCZ-Prozession durch die engen Gassen des Städtchens erfreulicherweise nur die Rolle der (schmunzelnden) Statisten.

Vor nicht allzu langer Zeit hätte wohl ein einziger Car zur Anreise der FCZ-Fans gereicht. Tempi passati, mittlerweile herrschen «Basler» Verhältnisse. Im vorwiegend aus provisorischen Stahlrohr-Tribünen konstruierten Stadion hatten die Anhänger der Gäste die «Curva Sud» eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff bereits gefüllt. Die «Tifoseria» der Gastgeber hatte für den UEFA-Cup so wenig übrig wie der Coach: Nur ein paar Tausend verfolgten die europäische Premiere Empolis im «Carlo Castellani» und verpassten die Blossstellung des Schweizer Champions.

Uefa-Cup, 1. Hauptrunde, Hinspiel

Empoli - FC Zürich 2:1 (1:0)

Carlo Castellani, Empoli. - 8000 Zuschauer. - SR Yefet.

Tore: 45. Piccolo 1:0. 48. Antonini (Foulpenalty) 2:0. 73. Alphonse 2:1.

Empoli: Bassi; Rincon (81. Raggi), Marzoratti, Piccolo, Iacoponi (81. Eder); Abate, Prevete, Marchisio, Antonini (85. Vanigli); Pozzi, Volpato.

Zürich: Leoni; Stahel, Barmettler, Rochat, Schneider; Abdi, Kondé, Tico, Chikhaoui; Raffael, Hassli (70. Alphonse).

Bemerkungen: FCZ ohne Tihinen, Eudis, Aegerter (alle verletzt), Stucki, Stanic (beide im Aufbautraining). Verwarnungen: 26. Piccoli, 61. Abdi, 69. Prevete (alle Foul), 72. Antonini (Unsportlichkeit), 80. Iacoponi (Foul), 91. Vanigli (Foul). (si)

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