Krise beim Stadtclub: FCZ muss endlich «liefere» statt «lafere»
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Krise beim StadtclubFCZ muss endlich «liefere» statt «lafere»

Innerhalb von drei Wochen sahen die FCZ-Captains Chikhaoui und Chiumiento beide Rot. Die Ausraster sind wohl kein Zufall.

von
Eva Tedesco

FCZ-Präsident Ancillo Canepa: «Der Trainer ist mit Sicherheit kein Thema». (Video: 20 Minuten)

Im unerbittlichen Sog der Negativspirale brennen bei den Zürchern so langsam die Sicherungen durch. Vor drei Wochen leistete sich Captain Yassine Chikhaoui eine Tätlichkeit am Berner Renato Steffen. Am Sonntag zog Chikhaouis Stellvertreter gegen den FCZ unrühmlich nach. Davide Chiumiento stieg übermotiviert in ein Duell mit Matias Delgado und säbelte den FCB-Regisseur um. Ref Sascha Amhof verwies den FCZ-Captain des Feldes – ein harter, aber durchaus vertretbarer Entscheid.

Chiumiento sah den Rest der Partie am TV-Bildschirm in den Katakomben des Joggeli und sagte über sein Einsteigen später: «Ich bin übermotiviert und wohl zu frustriert ins Tackling gegangen, aber ich hatte sicher nicht die Absicht, Delgado zu verletzen. Das Foul von mir war hart, aber sicher nicht so hart, dass man direkt Rot zeigen musste.» Für Trainer Urs Meier war der Platzverweis gegen Chiumiento der «Knackpunkt». Gespielt waren da 38 Minuten und der FCB führte durch ein Tor von Shkelzen Gashi 1:0. «Die Rote Karte hat unsere Psyche gestresst, die ohnehin schon sehr labil war», so Meier.

Alles kein Zufall

Die Nerven der Zürcher scheinen aber nicht nur labil zu sein, sondern blank zu liegen. Denn anders kann man sich das Revanchefoul von Avi Rikan nicht erklären. Der FCZ-Israeli grätschte Gashi sechs Minuten später dermassen rücksichtslos von hinten in die Beine, dass eine Rote Karte mehr als nur vertretbar war. Es hätte sie gar geben müssen. Stattdessen gab es eine Rudelbildung, Rempler und wohl auch böse Worte – mit Folgen für Gashi. Der FCB-Topskorer stiess aus Rache Rikan um («Ich hätte mich besser in Griff haben müssen und habe mich bei der Mannschaft entschuldigt») und musste vorzeitig unter die Dusche.

Unruhe im Klub, die Suspendierung von Stammkeeper David Da Costa, die sportliche Krise, das Aus letzten Dienstag im Cup-Halbfinal gegen Sion und der Verlust von Rang 3 an Thun sind zu viel für die «labilen» FCZ-Profis und deshalb sind solche Ausraster kein Zufall. Und eine rein sportliche Analyse des 1:5 gegen den FCB wird nicht mehr reichen. Trainer Urs Meier wird in der kommenden Woche im psychischen Bereich gefordert sein, um den Zerfall in seinem Team zu stoppen.

Präsidiales Machtwort

«Das Selbstvertrauen ist im Keller», weiss Meier, und dennoch glaubt er, der richtige Mann zu sein, um die Mannschaft aus der Negativspirale zu führen. «Wir müssen gewisse Dinge schleunigst eliminieren. Sicher schon im nächsten Spiel, denn mit St. Gallen wartet ein Direktkonkurrent um einen Europacupplatz und da können wir uns solche Dinge nicht erlauben. Vieles ist jetzt Kopfsache und damit meine ich nicht nur das Resultat, sondern auch die Dinge mit den Karten. Aber wir haben in Basel ein Spiel verloren und keinen Krieg. Wir haben immer noch alles in den eigenen Füssen und das ist für mich entscheidend.»

Und das präsidiale Machtwort, das Meier erlaubt, weiterhin als Cheftrainer des FCZ zu arbeiten. «Der Trainer ist mit Sicherheit kein Thema», sagt FCZ-Präsident Ancillo Canepa, «aber mit lafere allein kommen wir da nicht raus. Wir müssen endlich auch liefere». Wie wahr.

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