Aktualisiert 15.07.2020 08:28

Zürcher U-21 nach Klassiker«Vor dem Spiel konnten wir kein einziges Training machen»

Das Resultat war bitter für die FCZ-Grünschnäbel, aber für eine «schöne Plattform» verzichteten sie sogar auf Ferien.

von
Eva Tedesco

«Ich glaube, man kann den Jungen für diesen Auftritt gratulieren», so FCZ-Interimstrainer Marinko Jurendic. (Video: Eva Tedesco)

Darum gehts

  • Wegen der Corona-Welle beim FCZ musste der Nachwuchs gegen den FCB ran.
  • Die U-21 hätte aber in dieser Woche schon Ferien gehabt, ein Spieler reist wegen dem Match seinen Eltern jetzt später hinterher.
  • Der FCZ verliert das Spiel zwar 0:4, aber für die Junioren war es ein Highlight.

«Wir haben es dem Gegner nicht einfach gemacht. Wir wollten bis zur 15. Minute dichthalten, das ist uns zwar nicht gelungen, aber ich glaube, man kann der jungen Mannschaft zur Leistung und zum Auftritt gratulieren», sagte Magnin-Ersatz Marinko Jurendic nach der 0:4-Niederlage seiner zusammengewürfelten Mannschaft gegen den FCB. «Abgesehen vom Resultat war das für die Jungs eine schöne Plattform, auf der sie sich präsentieren konnten.»

Mit dem einfachen Blick auf den Totomat war die Partie am Dienstagabend nichts anderes als ein ganz normales Meisterschaftsspiel zwischen dem FCB und dem FCZ. Aber es war eben kein normaler Klassiker, den es im Schweizer Fussball schon so oft gegeben hat. Auch wenn man die Vorgeschichte mit den zehn Corona-Fällen beim FCZ und den 17 Spielern in Quarantäne nicht verfolgt hat, musste man doch nur den Parkplatz beim Stadion in Basel anschauen, um das zu erkennen.

Statt dem FCZ-Car reisten die Zürcher in Privatautos an. Offenbar wollten die Zürcher nach der fatalen Busfahrt nach Neuenburg nichts mehr riskieren. Da aber viele Spieler noch gar keinen Fahrausweis oder ein Auto haben, bildeten sie Fahrgemeinschaften – und trugen auch im Wagen eine Maske. Auf die Vorfreude hatten diese speziellen Umstände keinen Einfluss. Und auch nicht die kurze und turbulente Vorbereitungszeit auf das besondere Spiel.

Ferien und kein Training

«Wir haben mit dieser Mannschaft kein einziges Training machen können, einzelne Spieler sind tagelang nicht im Training gewesen. Das muss man schon auch wissen», so Jurendic nach dem Spiel. «Wir hätten mit der U-21 in dieser Woche Ferien gehabt und mussten einige Spieler erst kontaktieren und zurückholen.»

Eine Planung sei nur von Stunde zu Stunde möglich gewesen. Die Herausforderung, so Jurendic, der im August das Amt des Sportchefs beim FCZ übernimmt, sei gewesen, eine Mannschaft zusammenzubringen, die so nie gemeinsam trainiert hat.

Auf die Frage, wie die Spieler reagiert hätten, als man sie so kurzfristig aus den Ferien zurückgeholt habe, antwortet der 42-Jährige: «Am besten sage ich das anhand eines Beispiels. Ein Spieler hat sofort seine Eltern angerufen und gefragt, ob sie die Ferien verschieben können – oder aber er reise allein nach!» Jurendic lächelte bei der Geschichte und fügt an, dass alle Spieler «tipptopp motiviert» gewesen seien.

Die Chance, nach einem Traum zu greifen

«Auf dem Weg zum Profi haben alle den Traum, einmal in der Super League spielen zu können, und heute hatten sie die Chance, danach zu greifen », so der U-21-Trainer. «Es war für alle ein Highlight, hier antreten und den FCZ vertreten zu dürfen.»

Und das haben die FCZ-Junioren mit viel Enthusiasmus und Kampfgeist getan. Zu einer Sensation reichte es zwar nicht, aber zumindest können sie von sich behaupten, in dieser Saison nicht schlechter als das Profi-Team gegen Rotblau abgeschnitten zu haben. Denn auch die 1. Mannschaft ist gegen den FCB untergegangen – einmal im September, einmal im Februar und jeweils mit dem gleichen Ergebnis.

FCB-Doppeltorschütze Fabian Frei spricht über den 4:0-Sieg gegen den FCZ-Nachwuchs und über einen weiteren Corona-Fall in der Super League. (Video: Eva Tedesco)

«Wenn einer geglaubt hat, dass wir hier einfach zweistellig gewinnen, hat keine Ahnung von Fussball», sagt Doppeltorschütze Fabian Frei. «Ich finde es despektierlich, wenn man nur von der U-21 spricht. Die können auch Fussball spielen. Sie haben es gut gemacht und sollen sich jetzt nicht vom Resultat runterziehen lassen.»

SL-Spieler bis Freitag in Quarantäne

Ob sich die FCZ-Grünschnäbel am Samstag gegen YB noch einmal auf dieser «schönen Plattform» präsentieren können, ist offen. Jene Personen, die im FCZ-Bus nach Neuenburg sassen, bleiben auf Anweisung der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich bis mindestens Freitag in Quarantäne. Vielleicht müssen die Ferien weiter warten oder der FCZ-Youngster muss in die Feriendestination nachreisen. Und ganz sicher würde er die Reise für einmal gerne allein antreten.

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6 Kommentare
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Kutzi

15.07.2020, 09:40

Ein Witz das Luka Frei nicht spielen durfte

Pfostenknaller

15.07.2020, 09:25

Na Bravo,da soll noch einer sagen das sei keine bewusst in kauf genommene Meisterschaftsverfälschung, zu welchen Gunsten dürfte ja auch klar sein!

Stefan P.

15.07.2020, 08:40

1) sympathischer Trainer des FcZ 2) er bringt das auf den Punkt was viele Leser gefordert haben, welche schrieben der FcB müsse auch mit der U21 antreten. Er sagte, dies zeigt, dass der FcB vor uns Respekt hatte. Alles andere wäre somit respektlos gewesen 3) das Durchschnittsalter des FcB lag tiefer als jenes des FcZ