Nicht die feine Art: FDP-Chef Müller betitelt Manager als «Arschloch»
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Nicht die feine ArtFDP-Chef Müller betitelt Manager als «Arschloch»

Mit Philipp Müller als Präsident weht in der FDP ein neuer Wind – zuweilen ein ziemlich rauer: Der Aargauer schoss sich an einer Veranstaltung auf einen Abzocker ein. Wen er meinte, verschweigt Müller jedoch.

von
hhs
Lässt es verbal gerne mal knallen: FDP-Präsident Philipp Müller.

Lässt es verbal gerne mal knallen: FDP-Präsident Philipp Müller.

Mit Fulvio Pelli führte bis 2012 ein eher farbloser Intellektueller die FDP. Den verbalen Zweihänder auspacken und die Gegner direkt angreifen, das lag dem Tessiner nicht. Staatstragender Freisinn eben. Die Zeiten haben sich geändert: Nun präsidiert mit Philipp Müller ein Mann die Partei, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Vorliebe für deftige Schimpfwörter erklärt der Immobilienunternehmer damit, dass er nun mal 15 Jahre auf dem Bau gearbeitet habe.

Vergangene Woche hat es der 61-Jährige aber auf die Spitze getrieben, wie das Zofinger Tagblatt berichtete. An einer FDP-Veranstaltung in Dagmersellen LU fragte ihn eine Frau aus dem Publikum, wie er der Wut der Bürger über die Managerkaste begegnen wolle. Daraufhin schilderte Müller eine Begegnung mit einem Abzocker. Er habe den Manager gefragt, ob er wisse, was er mit seinen in den Medien genannten Bezügen von 7,2 Millionen Franken beim Volk anrichte. «Er gab mir zur Antwort, es sind nicht 7,2 Millionen, sondern 8,9 Millionen Franken. Diese Arroganz! Ein Arschloch bleibt ein Arschloch.»

Müller dementiert die Attacke nicht. «Ich stehe inhaltlich zu meinen Aussagen», erklärt er dem «Sonntagsblick», aber die Wortwahl sei falsch gewesen. «Ich bin ein emotionaler Mensch und dann ist mir das aus der aufgeheizten Situation raus passiert.» Dass ausgerechnet er als Präsident der Wirtschaftspartei FDP derart gegen einen Wirtschaftsführer vom Leder zieht, darin sieht er keinen Widerspruch: Die FDP-Basis habe die Schnauze voll von den Exzessen in gewissen Konzernen. «Und ich auch!». Es sei einfach falsch, dass man die Abzockereien immer mit der FDP in Verbindung bringe. «Wir leiden unter einem gewaltigen Imageproblem, obwohl wir mit diesen Herren nichts zu tun haben.»

War es Tanner? Oder doch Ermotti?

Welcher Manager ihn so zur Weissglut getrieben hat, das will Müller nicht preisgeben. Die «Schweiz am Sonntag» spekuliert, es könnte sich um Ernst Tanner handeln, den Chef von Lindt & Sprüngli. Der «Sonntagsblick» hingegen nennt UBS-Boss Sergio Ermotti als Kandidaten. Beide haben ungefähr die genannten 8,9 Millionen Franken eingesackt – wobei die erste Variante besser auf die von Müller genannten Zahlen passt, weil Tanner einen Grundlohn von 7,2 Millionen kassierte.

Beim Freisinn hält sich die Begeisterung über den neuen präsidialen Stil in Grenzen. Laut «Schweiz am Sonntag» sollen sich mehrere FDP-Exponenten empört geäussert haben. Zitieren lassen wollen sie sich aber nicht. Ausser die linksfreisinnige Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi: «So spricht man nicht. Es braucht ein Mindestmass an Anstand.»

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