BDP-Präsident Grunder: «FDP grenzt sich von der Mitte ab»
Aktualisiert

BDP-Präsident Grunder«FDP grenzt sich von der Mitte ab»

BDP-Chef Hans Grunder kritisiert die FDP. Sie politisiere zu wenig in der Mitte. Trotzdem schliesst er Listenverbindungen für die Wahlen 2011 mit dem Freisinn nicht aus.

Gerät wegen seiner Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (rechts) unter Druck der CVP. BDP-Präsident Hans Grunder.

Gerät wegen seiner Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (rechts) unter Druck der CVP. BDP-Präsident Hans Grunder.

Nach der CVP stimmt auch die BDP in den Chor der Kritiker der freisinnigen Politik ein. BDP-Präsident Hans Grunder wirft dem Freisinn vor, er passe sich den neuen Realitäten nicht an.

«Es ist unklar, was die FDP will», sagt Grunder im Interview mit der «NZZ» vom Dienstag. «Die FDP grenzt sich von der Mitte ab und beklagt sich, sie sei nicht einbezogen.» Es gelinge ihr nicht, sich den neuen Realitäten anzupassen.

Mit der Abwahl eines FDP-Bundesrats mag Grunder nicht drohen: «Es wäre falsch, der FDP einen Sitz wegzunehmen.» Er plädiere für den Status Quo. Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der in jüngster Zeit vermehrt in die Kritik geraten ist, ist für Grunder eine Bereicherung in der Regierung. «Vielleicht braucht er etwas mehr Zeit, aber er wird überzeugen.»

«Widerstand von CVP und FDP»

Trotz der Kritik an der FDP macht Grunder keine Anstalten, sich den Forderungen der CVP zu beugen. Deren Fraktionspräsident Urs Schwaller hatte in der «SonntagsZeitung» kein Verständnis dafür gezeigt, dass die BDP in einzelnen Kantonen Listenverbindungen mit der FDP eingeht.

«Die BDP kann nicht monatelang von wechselnden Koalitionen sprechen und im Herbst dann plötzlich mit uns zusammengehen wollen», sagte Schwaller. Er erwarte, dass sie mit der CVP zusammenspanne.

In der «NZZ» kontert Grunder: Dass die CVP das wünsche, wisse er. Die Situation sei aber von Kanton zu Kanton verschieden. Er habe sich immer für Listenverbindungen zwischen allen Mitteparteien ausgesprochen, damit der Mitte möglichst wenige Stimmen verloren gehen. «Doch wie sich in Solothurn gezeigt hat, scheitert die grosse Zusammenarbeit am Widerstand von CVP und FDP.»

Kritik an der FDP äussert auch der Baselbieter René Rhinow, der für die Partei zwölf Jahre lang im Ständerat sass. «Die FDP hat auf Bundesebene zu wenig kompetente, profilierte und glaubwürdige Persönlichkeiten», sagt er im Interview mit dem «St. Galler Tagblatt» vom Dienstag. Eine Niederlage bei den Wahlen im Herbst sei vielleicht längerfristig «heilsamer als ein Pseudo-Sieg, der nicht nachhaltig ist».

(sda)

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