Kritik: «FDP hat ein Problem mit ihren Frauen»
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Kritik«FDP hat ein Problem mit ihren Frauen»

Weibliche Parteimitglieder kämen in der FDP zu kurz, behauptet eine Nationalrätin. Dafür haben die Freisinnigen kein Gehör.

von
B. Zanni
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«Ich nehme von FDP-Frauen immer wieder eine große Enttäuschung wahr», sagte CVP-Nationalrätin Kathy Riklin.

«Ich nehme von FDP-Frauen immer wieder eine große Enttäuschung wahr», sagte CVP-Nationalrätin Kathy Riklin.

Keystone/Lukas Lehmann
Auch Doris Fiala, zugleich Präsidentin FDP Frauen Schweiz, sagt: «Man kann unschwer bestreiten, dass in der FDP nicht die meisten Frauen auf den Schild gehoben werden, wenn es um höhere Ämter geht.» Unter den Männern gebe es starke Seilschaften.

Auch Doris Fiala, zugleich Präsidentin FDP Frauen Schweiz, sagt: «Man kann unschwer bestreiten, dass in der FDP nicht die meisten Frauen auf den Schild gehoben werden, wenn es um höhere Ämter geht.» Unter den Männern gebe es starke Seilschaften.

Keystone/Anthony Anex
Ebenfalls (wieder) antreten wird der bisherige FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (links).

Ebenfalls (wieder) antreten wird der bisherige FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger (links).

Keystone/Walter Bieri

Kathy Riklin schiesst scharf gegen die FDP. «Die FDP hat immer wieder Probleme mit ihren Frauen», twittert sie. Sie wettet, dass auch im Bundesrat wieder zwei FDP-Männer sitzen werden. «Traurig» sei dies. Anlass ihres Angriffs ist die Nomination für den Zürcher Stadtrat: Statt Nationalrätin Doris Fiala schickte die FDP Gemeinderat Michael Baumer ins Rennen.

«Ich nehme von FDP-Frauen immer wieder eine grosse Enttäuschung wahr», sagte Riklin zu 20 Minuten. In der CVP würden immer wieder Frauen gewählt, in der FDP sehr häufig Männer.

«Männliche Seilschaften»

Auch Doris Fiala, zugleich Präsidentin FDP Frauen Schweiz, sagt: «Man kann unschwer bestreiten, dass in der FDP nicht die meisten Frauen auf den Schild gehoben werden, wenn es um höhere Ämter geht.» Seit Elisabeth Kopps Rücktritt 1989 habe keine Frau mehr die FDP im Bundesrat vertreten. Auch sei mit Karin Keller-Sutter nur eine FDP-Frau Mitglied des Ständerats.

«Unter den Männer gibt es starke Seilschaften», so Fiala. Je nach Ebene der politischen Ämter, die es zu besetzen gebe, kämen unterschiedliche Seilschaften zum Tragen. «Wir Frauen müssen in der Solidarität untereinander einen Zacken zulegen.» Vorbildlich gespürt habe sie dieses Verhalten bei der Nomination für den Zürcher Stadtrat. «Die Frauen hielten mir die Stange.» Die FDP Frauen Schweiz fordere, dass der nächste freie FDP-Sitz im Bundesrat an eine Frau gehe. «Wir haben schliesslich hervorragend qualifizierte Kandidatinnen.»

«Qualität kennt kein Geschlecht»

An der FDP perlt die Kritik ab. Kathy Riklins Kritik sei mutig, sagt FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi. «Dass sie falsch liegt, zeigt sich schon daran, dass wir die einzige grosse Regierungspartei mit einer Frau an der Spitze sind.» Die Karrierechancen von Frauen und Männern nehme sie bei der FDP als sehr ausgeglichen wahr. «Wer seine Ambitionen klar kommuniziert, wird auch entsprechend anerkannt.» Dazu gehöre, dass man auch bereit sei, für sein Ziel zu kämpfen. «Viele freisinnige Frauen würden sich zudem unwohl fühlen, wenn sie aufgrund einer Frauen-Quote in ein bestimmtes Amt gewählt würden.»

Auch die Jungfreisinnigen Schweiz haben kein Verständnis. «Vorurteile, dass Frauen in Parteien benachteiligt werden, sind in der Generation Riklin festgefahren», sagt Präsident Andri Silberschmidt. Bei den Mitgliedern der Jungfreisinnigen stehe Qualität an erster Stelle. «Qualität kennt kein Geschlecht.»

«Trauma für die FDP»

Politologe Mark Balsiger stellt fest: «Je bürgerlicher eine Partei ist, desto kleiner ihr Frauenanteil.» Deutlich zeige sich dies im Nationalrat. «Die FDP und die SVP weisen mit 21 und 17 Prozent die tiefsten Anteile auf.» Hoch dagegen seien diese bei den Grünen und der SP mit 45 und 58 Prozent. «Die FDP gilt bis zum heutigen Tag als Wirtschaftspartei.» Wirtschaftspolitik gelte aber weitgehend als Männerdomäne. «Für Frauen ist aber die Gesundheits-, Sozial- und Bildungspolitik auch sehr wichtig.»

Dass in der FDP Frauen weniger oft vertreten seien, könne auch mit Elisabeth Kopp zusammenhängen. «Dass ihre erste Bundesrätin zurücktreten musste, ist für die FDP ein Trauma.» Würden Frauen in Exekutivämter gewählt, bewirke dies einen positiven Sog für andere Frauen. Studien belegten, dass sie in solchen Fällen eher kandidieren.

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