Empörung auf Twitter: FDP-Politiker vergleicht Sturm aufs Capitol mit Bundesplatz-Besetzung
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Empörung auf TwitterFDP-Politiker vergleicht Sturm aufs Capitol mit Bundesplatz-Besetzung

Der Sturm aufs Capitol erinnert FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen an den illegalen Klimastreik auf dem Bundesplatz. Jetzt wird ihm vorgeworfen, Extremismus zu verharmlosen.

von
Daniel Waldmeier

Das denken Schweizer über den Sturm aufs Capitol.

Video: Salvatore Iuliano/ Taddeo Cerletti/ Michael Scherrer

Darum gehts

  • Er verharmlose Faschismus, werfen Kritiker FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen vor.

  • Dieser sah eine Parallele zwischen den Ereignissen in Washington und der illegalen Besetzung des Bundesplatzes im September.

Ein Tweet von FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sorgt auf Twitter für Empörung. Dieser verurteilte den Sturm auf den Sitz des Kongresses in Washington. Zugleich attackierte Wasserfallen die Grünen und Linken. Diese hätten eben noch dabei geholfen, dass der Bundesplatz tagelang illegal besetzt worden sei.

Wasserfallen bezieht sich auf ein Klimacamp im September. Die Polizei räumte damals den Bundesplatz, nachdem 100 Aktivisten den Abzug verweigert hatten. Ebenfalls im Herbst unterbrachen Aktivisten die Session und hängten auf der Besuchertribüne des Nationalratssaals ein Transparent auf.

«Vergleich verharmlost Faschismus»

Mit dem Tweet löst Wasserfallen heftige Reaktionen aus. Die Co-Präsidentin der Operation Libero, Laura Zimmermann, etwa fragt, ob Wasserfallen völlig von Sinnen sei. Der Vergleich sei illegitim. Auch Stefan Schlegel, Vorstandsmitglied der Politik-Bewegung, schreibt auf Twitter: «Wer einen bewaffneten Versuch, die friedliche Machtübergabe zu verhindern, mit der illegalen aber friedlichen Besetzung des Bundesplatzes vergleicht, verharmlost Faschismus.»

Wasserfallen bedankte sich in der Folge für die lebhafte Diskussion. Er verwies auf Bilder, die Ausschreitungen in Bern zeigten. Extremismus sei leider auch in der Schweiz auf dem Vormarsch und dürfe nicht salonfähig werden.

Köppel: «Trump griff zum Flammenwerfer»

Derweil hat sich auch SVP-Nationalrat Roger Köppel zum Sturm aufs Capitol geäussert. Er sagt, die gigantische Empörung in den USA sei heuchlerisch, nachdem Linksradikale im Zuge der «Black Lives Matter»-Proteste ganze Polizeiposten eingeäschert hätten, ohne dass die Medien dies verurteilt hätten.

Köppel übt allerdings harte Kritik an US-Präsident Donald Trump, der ein doppeltes Debakel erlebt habe. Bei allem Verständnis, dass ein Präsident alle Rechtsmittel ausschöpfe, um Unregelmässigkeiten bei den Wahlen aufzuklären, sei ein Urteil des Rechtsstaates zu akzeptieren. Trump könne das Moment der Niederlage aber nicht in seiner Persönlichkeitsstruktur integrieren. «Er ist ist ein Gefangener eines Egos, das unfähig ist, die Möglichkeit einer Niederlage auch nur als Eventualität in Betracht zu ziehen», sagte er auf Weltwoche.ch. Damit habe er zur Wahlniederlage in Georgia beigetragen.

Eine Grenzüberschreitung sei gewesen, dass er seine Anhänger dazu aufgefordert habe, zum Capitol zu gehen. In einer aufgeheizten Stimmung habe er zum Flammenwerfer gegriffen. «Dann ist passiert, was nicht passieren darf. Eine fürchterliche Sache.»

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