Aktualisiert 05.03.2004 06:14

FDP: Putsch von Rechts

Der Rücktritt von FDP-Präsidentin Christiane Langenberger wird von den Zeitungen als «Putsch» der Parteirechten gegen die liberale Westschweizer «Brückenbauerin» gewertet. Die Kommentatoren sehen darin aber kein taugliches Rezept gegen den Wählerschwund.

Für den Zürcher «TagesAnzeiger» handelt es sich beim Rücktritt um einen «Putsch». «Christiane Langenberger, die unfreiwillig abtretende Präsidentin der Schweizer FDP, wurde weggeputscht.»

Für die «Luzerner Zeitung» wurde die Luft an der Parteispitze für die Westschweizerin nach den Wahlen im Oktober immer dünner: «Die eigene Fraktion stützte Langenberger je länger je weniger, hinter ihrem Rücken wurden von langer Hand Putschpläne geschmiedet.»

Undankbarkeit

Vor allem die Westschweizer Blätter betonen, dass Langenberger nach dem Intermezzo Bührer in einer schwierigen Zeit für die Partei in die Bresche gesprungen sei: «Sie hat der Partei einen grossen Dienst geleistet, als niemand den Posten wollte», schreibt etwa «La Liberté».

Für «Le Temps» wurde sie dafür nur mit Undankbarkeit belohnt. «Zu einem Zeitupunkt, da die Männer einer nach dem anderen forfait erklärten, hat sie die Herausforderung mit viel Mut und Verve angenommen.»

Für die «Südostschweiz» zeigt der «unschöne Abgang»: «Die Polarisierung schreitet in diesem Land weiter fort, integrative Persönlichkeiten sind Auslaufmodelle.»

Auch für den Berner «Bund» ist der Abgang ein Zeichen, dass «die alte FDP verschwindet». «Steinegger, Villiger, Beerli, Langenberger- die alte freisinnige Garde ist weg. Mit ihnen verschwindet der alte Konsensfreisinn.»

Sieg der Rechten

Der Abgang Langenbergers wird somit als Sieg des rechten Parteiflügels gewertet. So schreibt die «Berner Zeitung: «Sie (Langenberger) wurde von den Rechtsfreisinnigen, die nun die Macht übernehmen wollen, noch und noch desavouiert.»

Auch für die «Neue Zürcher Zeitung» zeigt der Abgang, dass der rechtsfreisinnige Flügel seit dem Herbst an Einfluss gewonnen hat. «Sie soll einer Person Platz machen, die den geänderten Mehrheitsverhältnissen besser entspricht, ja möglichst auch inhaltlich mit eigenen Impulsen einige Posten im Orientierungslauf steckt.»

Auch für «Le Nouvelliste» kann ein Nachfolger nur vom rechten Flügel kommen: «Die Namen (der Nachfolger), die bereits zirkulieren, entsprechen mehr oder weniger diesem Profil, obschon man nicht alle in den gleichen Topf werfen darf.»

Distanz zur SVP

Ein wichtiges Thema für die Kommentatoren ist die Abgrenzung zum bürgerlichen Rivalen SVP. Für den «Bund» ist ein Rechtsrutsch aber kein Rezept gegen Wählerschwund: «Durch die faktische Gleichschaltung mit der SVP wird aber letztlich nur ein Zerfallsprozess beschleunigt,...»

Auch für die «Basler Zeitung» kann die FDP durch die Wahl eines Präsidenten vom rechten Flügel am 17. April nicht viel gewinnen: «Es würde wohl junge Frauen zusehends in Richtung Grüne und SP scheuchen, konservative Männer hingegen dem rechten Original namens SVP zutreiben.»

Die «Thurgauer Zeitung» relativiert die Bedeutung der Personenfrage: «Solange sich stattdessen die parteiinterne Diskussion darin erschöpft, wieviel Nähe oder Distanz zur SVP erfolgversprechender ist, spielt es keine grosse Rolle, wer Präsident oder Präsidentin ist.»

Ungeliebter Job

Einen anderen Akzent setzt der «Blick» mit Hinweis auf die raschen Wechsel an der Spitze von SP, CVP und FDP. «Auf der anderen Seite zeigen die häufigen Wechsel auch die Grenzen unseres politischen Milizsystems auf.» Wer könne es sich schon leisten, den schlechtbezahlten Ganztagesjob anzunehmen, fragt das Blatt.

(sda)

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