Urs Altermatt: FDP verliert Sitz im Bundesrat
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Urs AltermattFDP verliert Sitz im Bundesrat

Statt auf Zusammenarbeit setzen FDP und CVP auf Konfrontation. Das fördert deren Untergang, findet der Historiker Urs Altermatt.

von
uwb
Sitzen derzeit nicht am gleichen Tisch und streiten sich: FDP-Präsident Fulvio Pelli (links) und CVP-Chef Christophe Darbellay.

Sitzen derzeit nicht am gleichen Tisch und streiten sich: FDP-Präsident Fulvio Pelli (links) und CVP-Chef Christophe Darbellay.

Nach den letzten Wahlniederlagen der beiden Mitte-Parteien CVP und FDP zeigte sich Altermatt in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Tageszeitung «Le Temps» pessimistisch. Die alten Konkordanzparteien seien zu spät von den Umwälzungen im Land geweckt worden.

Die Parteien fänden sich trotz gegenteiliger Ankündigungen nicht, weil sie sich zu stark vom Marketing leiten lassen und ihre Produkte aggressiver verkaufen wollen.

Aggressiver Ton

Für Altermatt, ehemaliger Professor für zeitgenössische Geschichte und Rektor an der Universität Freiburg, gibt es nur einen Weg zur Rettung für beide Parteien: die Annäherung. Wenn CVP und FDP nicht zusammenarbeiten - nicht fusionieren -, werde die FDP einen Bundesratssitz verlieren.

Noch Mitte 2010 hatte es nach einer solchen Annäherung ausgesehen. FDP, CVP und BDP sprachen öffentlich davon, eine stärkere Zusammenarbeit zu prüfen. Sogar Listenverbindungen und Absprachen bei den Bundesratswahlen zogen sie damals in Erwägung.

In letzter Zeit wurde der Ton zwischen den Präsidenten Christophe Darbellay (CVP) und Fulvio Pelli (FDP) zunehmend giftig. Die Holding-Idee von Darbellay für die Mitte-Parteien verstehe niemand, schalt Pelli seine potentiellen Partner öffentlich im «Blick». Die CVP selber habe die Zusammenarbeit gebremst. Und: Die CVP sei sehr intrigant.

Diese Vorwürfe versteht Darbellay nicht. Pelli sei wohl wegen der CVP nervös, konterte er. Im Übrigen stamme die Idee mit der Holding nicht von ihm, sondern von CVP-Fraktionschef Urs Schwaller. Dieser hatte die FDP aufgefordert, sich für die Zusammenarbeit mit der SVP oder für eine «konstruktive Mitte» zu entscheiden. Und damit gedroht, falls sich die FDP nicht klar positionieren wolle, stehe der zweite Bundesratssitz dieser Partei irgendwann zur Diskussion. (uwb/sda)

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