Abschreckende Wirkung? - FDPler will Abstimmungs-Finger abschaffen
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Abschreckende Wirkung?FDPler will Abstimmungs-Finger abschaffen

Wer kennt sie nicht - die orange-weissen Plakate, die ans Wählen und Abstimmen erinnern. Ist das Sujet überholt? Ja, sagt Daniel Seiler. Und mehr Instagram und Facebook brauche es obendrein.

von
Daniel Graf
Lucas Orellano
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Mit solchen Schildern werden die Stimmberechtigen auf die bevorstehende Abstimmung aufmerksam gemacht.

Mit solchen Schildern werden die Stimmberechtigen auf die bevorstehende Abstimmung aufmerksam gemacht.

imago images/Andreas Haas
Gemäss Daniel Seiler (FDP) sind die Tafeln in die Jahre gekommen.

Gemäss Daniel Seiler (FDP) sind die Tafeln in die Jahre gekommen.

Privat
Er wünscht sich eine Diskussion über das Sujet und mehr digitale Werbung.

Er wünscht sich eine Diskussion über das Sujet und mehr digitale Werbung.

20min/Vanessa Lam

Darum gehts

  • Daniel Seiler (FDP) will eine Diskussion über die oftmals tiefe Stimmbeteiligung.

  • Die weisse Hand mit erhobenem Finger auf orangem Hintergrund erinnert ihn an einen Mahnfinger.

  • Ausserdem findet Seiler, dass die Plakate ohnehin nicht mehr ausreichen. Gemeinden sollten nach Möglichkeit digitaler werden.

  • Die FDP findet insbesondere an der Digital-Strategie Gefallen.

In der ganzen Schweiz stehen sie vor Abstimmungssonntagen in Dörfern und Städten herum und erinnern die Bevölkerung daran, dass sie noch abstimmen kann: die erhobenen Finger. Wie die FDP findet, erfüllen sie ihre Aufgabe aber auf keine besonders angenehme Art. «Der Stimmbürger wird durch sie an seine Bürgerpflichten erinnert, als handelte es sich ums Ausfüllen der Steuererklärung», schreibt Daniel Seiler, Präsident FDP Service Public, in der vierteljährlichen Zeitung der FDP Bern.

«Hier könnten positivere Botschaften vermittelt werden, zum Beispiel die Erinnerung daran, über welche einzigartigen Rechte die Schweizer Stimmberechtigten verfügen», schreibt er weiter. «Rechte, dies sei ohne erhobenen Mahnfinger gesagt, wofür Menschen in sozialistischen Staaten wie Kuba, Venezuela und Belarus auf der Strasse kämpfen und dabei leider zu oft ihr Leben riskieren.»

«Eine Studie wäre interessant»

In seinem Text verknüpft Seiler den Abstimmungs-Mahnfinger mit der oftmals tiefen Stimmbeteiligung. Anstatt Steuergelder für grossangelegte Kampagnen auszugeben und so zu versuchen, die Stimmbeteiligung zu erhöhen, will Seiler niederschwelliger einsteigen, und zwar auf der Ebene der Gemeinden. Diese sind es nämlich, die die Tafeln jeweils aufstellen. Ausserdem schlägt er vor, die Schilder um eine digitale Komponente zu ergänzen: Gemeinden sollen ihre Social-Media-Kanäle nutzen, um Werbung für den Abstimmungssonntag zu machen.

«Es gibt zurzeit keine wissenschaftliche Evidenz darüber, inwiefern der ‹Mahnfinger› die Stimmberechtigten zur effektiven Teilnahme motiviert oder davon abschreckt», sagt dazu Daniel Kübler, Politologe an der Universität Zürich. «Man könnte eine Studie dazu machen – das fände ich aus wissenschaftlicher Sicht sehr spannend – aber möglicherweise nicht so relevant. Denn der Finger ist aus meiner Sicht nicht der wichtigste Faktor für eine hohe oder tiefe Stimmbeteiligung.»

Ausschlaggebend dafür sei vielmehr das politische Interesse. Und dieses hänge wiederum stark von der politischen Bildung ab. «Da könnte die Schweiz noch mehr tun: ihren Jugendlichen in der Schule die wichtigen staatsbürgerlichen Kenntnisse und Kompetenzen auf den Weg geben», so Kübler.

Social Media für mehr Wahlbeteiligung

Gegenüber 20 Minuten betont Seiler, dass es nicht unbedingt eine Umgestaltung des Sujets sein müsse. «Ich wollte damit in erster Linie eine Diskussion ins Rollen bringen», sagt er. Wichtig ist ihm vor allem, dass die Wählenden nicht nur per Abstimmungs-Plakat an die Abstimmungen erinnert werden. «Digitale Werbung ist in allen Bereichen wichtiger geworden. Werbeplakate werden heute durch digitale Werbung ergänzt. Das ist etwas, dass Gemeinden auch für die Abstimmung tun könnten. Gerade Junge erreicht man in den digitalen Medien viel besser.»

Die Idee, die Gemeindeplakate um digitale Mittel zu ergänzen, stösst bei Seilers Partei, der FDP, auf Unterstützung. «Die Idee ist aus der Sicht der FDP Schweiz prüfenswert. Partizipation ist ein Thema, mit dem Behörden auf allen Ebenen konfrontiert sind», sagt Mediensprecherin Karin Müller zu 20 Minuten.

Die FDP nutze daher seit längerer Zeit verschiedene Kommunikationskanäle wie Facebook, Threema, Instagram, Linkedin und Twitter, um die Wählerschaft zu erreichen. «Den Behörden kommt dabei eine zentrale Rolle zu, aber auch wir, die Parteien, müssen unseren Teil dazu beitragen», sagt Müller. «Bereits heute sprechen wir unsere Zielgruppen auf mehreren digitalen Kanälen an und informieren die Wählerinnen und Wähler. Aus unserer Sicht ist es wichtig, unsere Botschaften den Kanälen entsprechend anzupassen.»

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