Aktualisiert 20.05.2007 18:27

Federer besiegt Nadal erstmals auf Sand

Roger Federer hat Rafael Nadals unglaubliche Serie von 81 Siegen in Folge auf Sand beendet. Die Weltnummer 1 schlug den Spanier im Final des Masters-Series-Turniers von Hamburg im Final mit 2:6, 6:2, 6:0. Das French Open kann kommen!

Was lange währt, wird endlich gut: im sechsten Anlauf hat es Federer geschafft, seinen grossen Herausforderer auf dessen bevorzugter Unterlage zu bezwingen und der Szene zu beweisen, dass Nadal auf Sand nicht unschlagbar ist. Seit April 2005 und der Niederlage in Valencia gegen den Russen Igor Andrejew hatte Nadal auf Sand nicht mehr verloren und dabei 81 Siege aneinandergereiht. In diese Phase gehen auch Nadals Erfolge gegen Federer beim French Open (Halbfinal/2005 und Final/2006), in Monte Carlo (Final/2005 und 2006) sowie in Rom (Final/2006). Noch vor vier Wochen war Federer gegen Nadal beim 4:6, 4:6 im Fürstentum an der Côte d'Azur auf verlorenem Posten gewesen.

Dass der Bann in Hamburg brechen würde, erscheint vor allem wegen der enttäuschenden Eindrücke von Rom (Achtelfinal-Out) in der Vorwoche als veritabler Coup - und ist eine Woche vor dem Start des French Open in Paris ein starkes Signal Federers. Drei Tage vor dem ersten Spiel in Hamburg hatte sich die Weltnummer 1 von Coach Tony Roche getrennt, und nicht wenige schrieben und redeten beim Schweizer Branchenprimus nach vier Turnieren in Folge ohne Triumph eine Krise herbei. Federer selbst hatte noch Mitte Woche an der Alster erklärt, Ziel sei es, eine Runde zu überstehen...

Entsprechend mühevoll - zumindest für seine Verhältnisse - quälte sich Federer durch die Spiele. Nur den Achtelfinal gegen Juan Carlos Ferrero überstand er ohne Satzverlust. Doch die Erfahrung der erkämpften Siege gegen Juan Monaco (ATP 48), David Ferrer (ATP 14) und am Samstag im Halbfinal gegen Carlos Moya (ATP 36/4:6, 6:4, 6:2) haben ihm für den Final geholfen. «Ich wusste, ich bin physisch ok und kann auch einen Satzrückstand wettmachen», sagte Federer.

74-minütiger Federer-Monolog

Der verlorene Startsatz war so nicht der Anfang vom Ende. Federer hatte in dieser ersten Phase zwar nicht schlecht, aber doch zu fehlerhaft gespielt, um den dominanten Nadal zu bedrängen. Das Momentum wechselte trotzdem zum Schweizer, und die Wende wurde schon in Federers letztem Aufschlagsspiel des ersten Satzes eingeleitet. Dieses Game war ein «jeu blanc» (ohne Punkt Nadals) und deutete darauf hin, was in den kommenden rund 74 Minuten folgen würde: ein Monolog des 25-jährigen Baslers.

Federer war ab dem zweiten Satz jederzeit Herr in Nadals (Sand- )Haus. Die Zahl der so genannt unerzwungenen Fehler sank von 16 (1. Satz) über 11 (2.) auf... null im dritten Satz. Zu Beginn der Sätze zwei und drei musste Federer bei jeweils ausgeglichenem Stand zwei bzw. einen Breakball abwehren. Das waren letztlich beachtlich wenig heikle Momente für ihn. Nach Nadals Breakball beim Stande von 1:1 im zweiten Satz gewann Federer bis zum Ende elf der letzten zwölf Games.

Den Schlüssel zum Erfolg hat Federer offenbar schon am Vorabend gefunden. «Ich habe mir vorgestellt, wie die Ballwechsel verlaufen könnten. In Monte Carlo war es anders. Da ging ich in die Partie und habe gedacht: 'schauen wir mal, wie es wird.'» Diesmal habe er zudem erstmals ausnützen können, dass Nadal beim Service dem Gegner die Gelegenheit gibt, in die Ballwechsel zu kommen.

Nadal mental müde

Nachdem sich Federer im finalen Set den Breakvorsprung zum 2:0 erarbeitet hatte, fügte sich Nadal in das Schicksal. Im 20. Spiel auf Sand innerhalb von rund einem Monat war er physisch und psychisch nicht frisch genug, um die Niederlage abzuwenden. «Ich war vor allem mental müde», gestand Nadal. Schon im Halbfinal gegen Lleyton Hewitt (ATP 22) hatte er grösste Mühe, die Serie nicht reissen zu lassen, gewann dann aber den dritten Satz mit Hängen und Würgen 7:5.

Nach dem Spiel war Nadal ein fairer Verlierer. «Grund für die Niederlage ist allein die hervorragende Leistung von Roger. Er hat unglaublich gespielt - er i s t unglaublich.» Deshalb sei er auch nicht traurig, dass die Siegesserie nun zu Ende ist. «Ich habe schliesslich gegen die Nummer 1 verloren.»

ATP Masters Series Hamburg. Final:

Roger Federer (Sz/1) - Rafael Nadal (Sp/2) 2:6, 6:2, 6:0

Liveticker:

Für Federer ist es der 48. Turniersieg der Karriere. Im sechsten Duell auf Sand hat er Nadal erstmals besiegt. Für den Spanier ist es die erste Niederlage auf Sand nach 81 aufeinanderfolgenden Siegen. Totalpunkte: 85:67 für Federer.

Ein Game fehlt Federer noch zum Match- und Turniergewinn, Nadal am Aufschlag. Wieder eine Breakchance für Federer - Matchball! Federer gewinnt! Die 81 Spiele lange Siegesserie von Nadal auf Sand ist geknackt.

Das muss es doch sein, oder? Der Schweizer ist jetzt «in the zone», führt im Entscheidungssatz mit zwei Breaks Vorsprung - und bringt auch sein eigenes Aufschlagsspiel wieder durch. 5:0!

Federer macht einen weiteren Big Point. Unglaublich, was die beiden heute wieder zeigen. Federer holt das Break.

Nadal beim Service, der Spanier braucht jetzt zwingend einen Game-Gewinn, sonst ist das Spiel gegen den jetzt unwiderstehlichen Federer verloren. Die 81 spiele lange Siegesserie des Spaniers auf Sand wackelt...

Der Spanier ist aber noch nicht geschlagen, kontert gleich mit einem traumhaften Passierschlag. Federer aber weiter am Drücker, reagiert mit einem Vorhand-Knaller - und holt das Game zum 3:0.

Nadal serviert, scheint aber von der Power Nadals etwas beeindruckt zu sein. Zwei Breakchancen für Federer. 2:0 für den Schweizer!

Federer beim Service, der Schweizer muss einen Breakball abwehren, holt sich aber das Game.

Der dritte Satz muss die Entscheidung bringen, seit diesem Jahr wird nur noch auf zwei Gewinnsätze im Final gespielt. Dies eine Reaktion der ATP auf den Fünfstundenmarathon zwischen Federer und Nadal vom letzten Jahr in Rom.

Nadal schlägt auf, muss seinen Service jetzt durchbringen. Der Schweizer zeigt weiter gutes Tennis, erarbeitet sich drei Satzbälle - und holt sich den zweiten Durchgang mit 6:2. Unglaubliches Tennis!

Wichtiges Aufschlagsspiel für Federer. Der Schweizer jetzt mit gutem Rhythmus - und dem 5:2.

Nadal beim Aufschlag, dem Schweizer gelingen nun immer bessere Schläge - auch Nadal scheint zurzeit nicht mehr so sattelfest wie zu Beginn. Trotzdem holt sich der Sandkönig mit Mühe das Game zum 2:4.

Der Schweizer serviert wieder, holt sich das Game mit dem fünften Ass. Eine Stunde ist gespielt, der Schweizer hat das Ruder etwas gedreht und ist nun etwas stärker.

Federer jetzt etwas stärker, drischt auf die Bälle ein. Jawoll - endlich gelingt dem Schweizer einen Service-Durchbruch. Das war wichtig!

Beide spielen jetzt wieder berauschendes Tennis, Federer holt sich das Game. Uff...

Nadal spielt weiterhin ganzstark, wenn auch nicht mehr ganz so zwingend wie im ersten Satz. Federer verhaut aber zu viele Bälle, spielt jetzt für seine Verhältnisse schlecht. Nadal wieder mit Breakchancen, diesmal wehrt er beide ab - und wird erstmals emotional. «Come on», munter er sich auf.

Der Spanier mit dem ersten Aufschlagsspiel im 2. Satz. Federer dreht auf, holt den ersten Punkt mit einer satten Vorhand. Umkämpftes Game.

Der 2. Satz beginnt. Aufschlag Federer. Gleich zu Beginn wieder ein unerzwungener Fehler des Schweizers. Diesmal holt Federer aber das Game mit einem Ass - 1:0.

Nadal schlägt zum ersten Satz auf. Beide spielen teilweise hervorragendes Tennis, Nadal insgesamt etwas stärker. Mit 6:2 geht der erste Satz an den Spanier, Fedi muss sich beim ersten Aufschlag (nur 48% der 1. Aufschläge landen im Feld) und bei den Unforced Errors (bereits 16 hat er sich geleistet) verbessern, sonst wird das heute nichts. Insgesamt machte Federer im ersten Satz 22 Punkte, Nadal 27.

Endlich kommt der erste Aufschlag, Federer holt erstmals ein lockeres Game. Der erste Satz ist aber wohl verloren.

Nadal beim Aufschlag, erste Breakchance für Federer - vergeben.

Federer legt zu, muss aber weiter kämpfen. Beide spielen jetzt auf enorm hohem Niveau, wieder kommt Nadal zu einem Breakball - und nutzt ihn. Auweia, wie soll dieser Nadal geschlagen werden?

Nadal mit einem Blitzstart, zurzeit scheint er unantastbar - 3:1.

Der Schweizer hat Probleme mit dem ersten Service - trotz zwei Assen hat er beim ersten Aufschlag nur eine Quote von 42%.

Federer wieder beim Service, der Schweizer gerät wieder unter Druck. Wieder zwei Breakbälle für den Spanier, diesmal nutzt er die Chance. 2:1 für Nadal.

Auch bei Aufschlag Nadal ist das Spiel ausgeglichen, der Spanier schafft den Ausgleich.

Nadal mit zwei Breakchancen. Federer wehrt beide ab, kann das Game aber trotz drei Chancen noch nicht für sich verbuchen. Beim 14. Ballwechsel ist es soweit, Federer holt sich mit dem zweiten Ass das 1:0.

Federer mit dem ersten Service. Wunderbare Vorhand, Nadal mit dem ersten Punkt. Der Spanier schon 30:0 vorne.

So, fertig eingespielt, letzte Trinkpause, dann gehts los.

Die Tennis-Gladiatoren betreten den Center Court. Federer ganz in Rot, Nadal in Schwarz-Grün. Der Spanier tänzelt, scheint nervöser als Federer.

Vor zehn Minuten hätten die Finalisten das Stadion bereits betreten sollen. Alle warten...

Das Stadion am Rothenbaum ist ausverkauft, die Fan-Gruppen ziemilch gespalten. Federer, immerhin dreifacher Hamburg-Champion, offenbar mit etwas mehr Fans.

In Hamburg ist alles bereit, die beiden Finalsten lassen auf sich warten. Roger Federer ist optimistisch: «Es läuft mir auf Sand immer besser. Ich hoffe, dass ich noch ein weiteres gutes Match hier spiele und den Titel mit nach Hause nehmen kann.»

Ab 14 Uhr gehts los. Nadal und Federer sind sich bisher in sieben Finalspielen gegenübergestanden, der Spanier hat dabei fünfmal gewonnen. Die zu erwartenden hohen Temperaturen heute kommen dem Schweizer nicht entgegen.

(mat/si)

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