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Paris-BercyFederer gewinnt zum ersten Mal in Paris-Bercy

Roger Federer hat eine Lücke in seinem Palmares geschlossen. Er gewinnt das Hallenturnier von Paris im Final gegen Jo-Wilfried Tsonga 6:1 und 7:6.

von
heg
So sehen Sieger aus: Roger Federer jubelt über seinen ersten Turniersieg in Paris-Bercy. (Bild: Keystone)

So sehen Sieger aus: Roger Federer jubelt über seinen ersten Turniersieg in Paris-Bercy. (Bild: Keystone)

Roger Federer ist nun auch der «Maître de Paris». Im achten Anlauf hat sich der Baselbieter mit einem 6:1, 7:6 (7:3) gegen Jo-Wilfried Tsonga den Titel beim Masters-1000-Turnier in Paris-Bercy geholt.

Federer verdiente sich den zweiten Turniersieg innert Wochenfrist nach Basel und den 69. seiner Karriere mit einer starken Turnier-Schlussphase. Nach der durchschnittlichen Leistung im Viertelfinal gegen Juan Monaco war er am Samstag hellwach und liess Tomas Berdych, der ihn zuletzt in vier Partien dreimal besiegt hatte, mit 6:4, 6:3 keine Chance. Und er begann in seinem 99. Endspiel auf der Tour erneut hochkonzentriert und archivierte den ersten Satz gegen Tsonga in nur 30 Minuten.

Der Franzose und Wahlschweizer, der Federer in diesem Jahr in Wimbledon und Montreal zwei Niederlagen zugefügt hatte, hatte am Vortag bei der Aufschlag-Schlacht gegen John Isner viel (mentale) Energie verloren. Die drei abgewehrten Matchbälle waren aber gut fürs Selbstvertrauen, und so steigerte sich Tsonga im proppenvollen «Palais Omnisports» noch einmal. Er hatte sogar eine Breakchance zum 5:3, bei der er nach einem langen Ballwechsel eine Vorhand knapp hinter die Grundlinie setzte. Von da an war Federer wieder der Chef im Rechteck; im Tiebreak dominierte er vollständig. Nach 86 Minuten durfte Federer über den Turniersieg ohne Satzverlust jubeln und vergoss anschliessend auch ein paar wenige Freudentränen.

In den Spuren von Andre Agassi

Manchmal dauert es lange, bis eine Liebesbeziehung so richtig ihre ganze Schönheit entfaltet. So war es bei Federer auch schon in Roland Garros gewesen. Gerade die Grösse des Court Philippe Chartrier mit dem ungewohnt langen Auslauf hemmte ihn anfänglich oft. 2009 vollendete er dann aber an der Seine den Karriere-Grand-Slam mit dem Finalerfolg über Robin Söderling.

Gleich verhielt es sich nun am anderen Ende der Stadt. Siebenmal hatte Federer erfolglos Anlauf genommen, ja war nicht einmal ins Endspiel vorgestossen. Erst mit dem Sieg gegen Berdych durchbrach er diesen Bann und setzte der erfolgreichen Woche nun mit dem Erfolg gegen Tsonga die Krone auf. «Früher bin ich hier auf Spieler getroffen, die einen besseren Tag hatten. Manchmal war ich auch verletzt und auch etwas eingeschüchtert von der Grösse der Halle.»

Federer hat nun 18 Masters-1000-Turniere gewonnen, eines weniger als Rafael Nadal. Hinter sich gelassen hat er Andre Agassi (17) und hat in einem anderen Bereich zu ihm aufgeschlossen. Federer und Agassi sind die einzigen Spieler, die an beiden Turnieren in Paris gewonnen haben. Von der persönlichen Dramaturgie her führt aber Agassi in diesem virtuellen Duell immer noch: Er lernte 1999, als er seinen Karrieren-Grand-Slam vollendete, in Paris auch noch Steffi Graf lieben.

Für Federer ist am Sonntag in der «Stadt der Liebe» auch ein Traum in Erfüllung gegangen, wie er an der Siegerehrung bekannte: «Ich hatte schon lange daran gedacht. Seit ich die Nummer 1 bin, habe ich mir diesen Titel zugetraut. Ich bin umso glücklicher, dass es nun geklappt hat.» Dies, trotz einer unruhigen Nacht, wie Federer lachend erklärte: «In der Nacht ist eine meiner Töchter um vier Uhr aufgewacht. Wir haben sie dann ins Bett geholt. Das war sicher nicht die ideale Vorbereitung, aber es hat ja gut geklappt.»

Federer - der Liebling der Fans

Die Liebe in Paris ist gegenseitig. Wohl noch nie ist ein Spieler mit nicht-französischem Pass vom chauvinistischen Publikum der Metropole so adoptiert worden. Federer warf mit Adrian Mannarino, Richard Gasquet und Tsonga zwar drei Einheimische aus dem Turnier, die Sympathiekundgebungen für ihn waren aber immer mindestens gleich gross wie für seine Gegner. Federer suchte für diese Tatsache nach Lösungsansätzen: «Vielleicht, weil ich so mit dem Französisch kämpfe, obwohl es bei weitem nicht perfekt ist. Vielleicht auch, weil ich Fairplay spiele und mich mit allen Franzosen gut verstehe. Vielleicht auch, weil sie zu schätzen wissen, wie stark ich gekämpft habe, um in Roland Garros und hier zu gewinnen.» In den Tenor der französischen Sympathisanten stimmte auch Tsonga ein: «Er ist für mich eindeutig der grösste Spieler der Welt und wird es auch noch lange Zeit bleiben.»

Die Wege von Federer und Tsonga könnten sich in einer Woche auf der anderen Seite des Ärmelkanals wieder kreuzen. Im Idealfall, wenn beide den Final erreichen, sogar zweimal. Aufgrund der jüngsten Leistungen tritt Federer, der am Montag im Ranking Andy Murray wieder als Nummer 3 ablöst, nicht nur als Titelverteidiger, sondern auch als Favorit an. Er bezeichnet die Ausgangslage aber als offen: «Ich denke, alle acht Spieler können sich Chancen ausrechnen. Ich freue mich enorm auf das Turnier und werde alles geben.» Bei der zuletzt gezeigten Form mehr als eine versteckte Kampfansage.

Masters-1000-Turnier in Paris-Bercy.

Roger Federer (Sz/3) s. Jo-Wilfried Tsonga (Fr/6) 6:1, 7:6 (7:3)

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