Aktualisiert 05.08.2008 12:48

Blick in die ZukunftFederer: Sampras als Hoffnungsschimmer?

Roger Federer verliert am 18. August nach 237 Wochen seinen Status als Weltnummer 1 im Männer-Tennis. Ein bitterer Moment. Doch schaut man auf die Karrieren seiner Vorgänger zurück, stehen die Chancen gut, dass der Schweizer wieder an die Spitze zurückkehrt.

von
Monika Brand

Es ist ein Jahr zum Vergessen: Zuerst plagte Federer das Pfeiffersche Drüsenfieber, dann folgte die Schmach gegen Rafael Nadal im Final des French Open sowie die bittere Niederlage gegen denselben Gegner im Endspiel auf dem heiligen Rasen von Wimbledon. Schliesslich gesellten sich noch die beiden frühen Outs bei den Master-Series-Turnieren in Montreal und Cincinnati dazu, was den Verlust der Weltranglistenspitze mit sich führte - auch wenn Federer den Thron offiziell erst am 18. August räumen muss.

Wars das mit der Karriere von «King Roger»? Wohl kaum - zumindest, wenn er es seinen Vorgängern gleich tut. Von den sechs anderen Spielern, die insgesamt länger als 100 Wochen an der Weltspitze waren, haben fünf nach dem Verlust der Weltranglistenführung den Sprung an die Spitze des Rankings wieder geschafft.

Pete Sampras als Vorbild

Das wohl beste Vorbild für Roger Federer ist Pete Sampras. Von 1993 bis Mitte 1995 dominierte er das Männer-Tennis nach Belieben. Doch nach zweieinhalb Jahren an der Spitze machten sich Abnützungserscheinungen bemerkbar, der Amerikaner verlor die Weltranglistenführung an seinen Landsmann und ärgsten Kontrahenten André Agassi. In der Folge musste sich Sampras mit einigen frühen Niederlagen abfinden. Doch schon bald kehrte er zurück: Sampras lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Agassi - am Ende derselben Saison hatte er die Nase wieder vorne. Das Tennis-Ass setzte seinen Siegeszug fort, bis ins Jahr 2000 hielt er sich mit Unterbrüchen an der Spitze der Weltrangliste - insgesamt 286 Wochen lang.

Ähnlich sah es auch bei Ivan Lendl aus. Er war der dominierende Spieler der Achtzigerjahre, führte die Weltrangliste insgesamt während 270 Wochen an. Lendl musste die Spitze zwar mehrfach an seinen härtesten Gegner Mats Wilander abgeben, kämpfte sich aber immer wieder zurück. Auch André Agassi erlebte in seinen 101 Wochen als Weltnummer 1 einige Berg- und Talfahrten genauso wie Tennis-Legende Jimmy Conors (total 268 Wochen an der Spitze, davon 160 in Folge).

Der legendäre John McEnroe konnte sich nach dem Verlust der fast dreijährigen Weltranglistenführung ebenfalls wieder fassen - gab die Spitze aber danach immer wieder ab und fiel wenig später in ein Loch. McEnroe machte während den folgenden zwei Jahren immer wieder mehrmonatige Pausen. Doch als man sein Karrierenende schon von Weitem läuten hörte, raufte sich der Amerikaner noch einmal zusammen und kämpfte sich wieder auf Position vier in der Weltrangliste vor.

Der tiefe Fall des Björn Borg

Es gibt aber auch ein Negativ-Beispiel, wenn es um die Rückkehr an die Weltranglistenspitze geht. Björn Borg, insgesamt 109 Wochen die Nummer 1, dominierte am Ende der Siebzigerjahre das Männertennis. Drei Saisons lang (1979-1981) sass er auf dem Thron, danach begann sein tiefer Fall. Borg nahm sich 1982 im Alter von 25 Jahren zunächst eine Auszeit, kehrte danach aber nie mehr richtig zurück. Seine Comeback-Versuche scheiterten allesamt.

«Federer muss was ändern»

Der Blick auf die Karrieren der früheren Weltnummern 1 - mit Ausnahme des Beispiels von Björn Borg - dürfte Roger Federer beruhigen. Doch wenn es nach dem ehemaligen Schweizer Tennis-Profi Jakob Hlasek geht, muss der Basler nun über die Bücher. «Jetzt muss er aber etwas ändern, wenn er wieder grosse Turniere gewinnen will», sagte Hlasek zur «NZZ am Sonntag». Federer müsse mehr ans Netz laufen, die Taktik mehr nach vorne ausrichten und aggressiver sein. Und das vom Anfang eines Turniers an. Hlasek: «Wenn er es erst gegen Nadal versucht, klappt es nicht.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.