Federer schlägt Nalbandian

Aktualisiert

Federer schlägt Nalbandian

Roger Federer hat das Auftatktspiel des Masters-Cups in Shanghai gegen Angstgegner David Nalbandian klar gewonnen. Nalbandian konnte lediglich den ersten Satz für sich entscheiden. Nächster Gegner ist Andy Roddick.

Das Publikum im nicht ganz vollbesetzten Qi Zhong Stadium, das 15 000 Zuschauern Platz bietet, kam im Auftakteinzel nicht in erhofftem Masse auf seine Rechnung, obwohl sich mit der Reprise des letztjährigen Finals das erste Highlight der mit 4,45 Millionen Dollar dotierten Veranstaltung angekündigt hatte. Ab dem zweiten Satz wars eine einseitige Angelegenheit zu Gunsten von Federer, der damit seine Ungeschlagenheit in Gruppenspielen beim Masters wahrte; die makellose Bilanz des Weltranglisten-Ersten steht nun bei 13:0 Siegen. Seine aktuelle Erfolgsserie baute der zudem auf 25 gewonnene Matches aus.

Fast wie letztes Jahr

Am Ende wars fast wie im Vorjahr. Schon damals hatte Federer an gleicher Stelle das Saisonschlussturnier mit einem Dreisatz-Sieg gegen Nalbandian eröffnet. Im Unterschied zu 2005, als er im verlorenen zweiten Satz geschwächelt hatte, bekundete Federer dieses Mal aber zu Beginn Mühe, seinen Rhythmus zu finden. Die temporären Probleme spiegeln sich in der miserablen Quote beim zweiten Service; im ersten Durchgang entschied Federer dabei lediglich 17 Prozent der Punkte (2 von 12) für sich. Ausserdem zeigte Nalbandian in dieser Phase eindrücklich, weshalb er nach dem Rücktritt von Andre Agassi als zurzeit bester Returnspieler auf der Tour gehandelt wird.

«Dazu hatte er auch von der Grundlinie aus die Oberhand und spielte sehr konstant. Ich aber nahm zu viel Risiko. Im zweiten versuchte ich, ein frühes Break zu schaffen, was mir dann auch gelang. Danach spielte ich befreiter auf und dominierte die Ballwechsel», schloss Federer seine persönliche Matchbilanz. Die Szenerie änderte sich zu Beginn des zweiten Satzes in der Tat schlagartig. Nach dem Servicedurchbruch im ersten Game war Federer fortan der Chef auf dem Platz und überstand auch die letzte heikle Situation unbeschadet, als er beim Stand von 2:1 Nalbandians letzte Breakmöglichkeit zunichte machte.

Nalbandian am Ende lustlos

Begünstigt wurden die Wende beziehungsweise das schnelle Ende nach 87 Minuten aber auch von Nalbandian, dessen Leistungskurve in nicht für möglich gehaltener Weise absackte. Je länger die Partie dauerte, desto mehr schien der Stimmungsspieler aus Cordoba den Glauben an die Wiederholung seines Sieges im Final des Vorjahres zu verlieren. Im finalen Set wirkte Nalbandian sogar lustlos; bis zum 0:5 liess er sich legiglich vier Punkte gutschreiben. Seinem Optimismus vermochte die Niederlage indes nichts anzuhaben. «Ich bin immer noch im Rennen. Noch ist nichts passiert. Ich muss jetzt halt die zwei restlichen Spiele gewinnen.»

Für Federer sind Dreisatzerfolge in der Gruppenphase des Masters nichts Neues; vor zwölf Monaten hatte er in allen drei Vorrundenpartien über die volle Distanz gehen müssen. Solch umstrittene Matches hätte er vor einigen Jahren noch nicht für sich entschieden und Situationen wie jene im gestrigen ersten Satz nicht schadlos überstanden. Früher seien ihm in solchen Momenten viele Dinge durch den Kopf gegangen und hätte er nicht gewusst, was zu tun sei. «Ich dachte, ich sei nicht gut genug, mein Aufschlag sei nicht hart genug und so weiter», blickt Federer zurück. «Meine mentale und physische Stärke erlaubte mir, die Probleme in den Griff zu bekommen. Ich wurde ruhiger, begann gut zu spielen und zu lernen. Mein erster Wimbledon-Sieg 2003 zeigte, dass eine konstante Basis mehr Erfolg bringt.»

Weitergebracht haben ihn aber auch Siege und Niederlagen. «Gegen die unterschiedlichsten Spielertypen anzutreten hat mir zusätzliche Erfahrung gebracht. Da sind die Servicespezialisten, die Serve-und- Volley- oder die Grundlinienspieler - sie alle zu schlagen ist eine ganz harte Sache.» Beim Masters sieht Federer die Stärken seiner Konkurrenten in «seiner» Gruppe gebündelt. «Nalbandian agiert unglaublich gut von der Grundlinie aus. Dazu kommen zwei Spieler (Roddick, Ljubicic) mit einem sehr guten Aufschlag.»

Roddick schlug Ljubicic

Im Direktduell bestätigten Andy Roddick und Ivan Ljubicic den Ruf als Service-Giganten. Der Amerikaner schlug auf dem Weg zum 6:4, 6:7 (9:11), 6:1-Sieg 19 Asse, der Kroate stand ihm mit 16 nur wenig nach. Auf seine stärkste Waffe wird sich Roddick auch am Dienstag berufen müssen, will er gegen Federer bestehen. Die Erfolgsquote des Texaners in den bisherigen Begegnungen mit dem Schweizer war bislang allerdings äusserst bescheiden. Federers Sieg vor zwei Monaten im US-Open-Final war der elfte in zwölf Begegnungen mit Roddick.

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