Federer verteidigt seinen Heimtitel
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Federer verteidigt seinen Heimtitel

Roger Federer hat als erster Spieler seit Stefan Edberg (1985/86) die Davidoff Swiss Indoors in Basel zweimal hintereinander gewonnen. Federer besiegte im kürzesten Endspiel der Turniergeschichte Jarkko Nieminen in 61 Minuten 6:3, 6:4.

Mit einem Volley am Netz beim allerersten Matchball beendete Roger Federer das Turnier. Das Resultat entsprach den Erwartungen- Jarkko Nieminen hatte vor dem Basel-Final schon sieben Mal gegen Federer verloren und nie einen Satz gewonnen. So gesehen hielt sich der 26-jährige Finne achtbar. Nieminen führte in Federers ersten zwei Aufschlagspielen 30:0 und 30:15, geriet aber dennoch 0:3 in Rückstand, «weil ich am Anfang zuviel riskierte» (Nieminen). Im zweiten Satz steigerte sich Nieminen. Er besass eine Breakmöglichkeit für eine 2:0-Führung. Federer wehrte diese aber mit einem Netzangriff ab. Bei 4:4 brachte Nieminen den Aufschlag nicht mehr durch, ohne dass sich Federer über Gebühr anstrengen musste. Federer: «Ich profitierte diese Woche vom Heimvorteil. Vielleicht lag es an den 9000 Zuschauern in der Halle, dass Nieminen bei 4:4 im zweiten Satz plötzlich weniger gut spielte.»

Dass der Final zum kürzesten in der Geschichte wurde, hängt damit zusammen, dass die ATP seit diesem Jahr keine Best-of-5- Finals mehr toleriert. Selbst an Masters-Series-Turnieren wird nur noch über zwei Gewinnsätze gespielt. An den Swiss Indoors wurde der Final seit 1975 (und dem Aufstieg zu einem ATP-Turnier) stets über drei Gewinnsätze gespielt.

Für Federer standen am Sonntagabend nicht die gewonnenen 250 Weltranglistenpunkte oder 120 000 Euro im Vordergrund. Viel wichtiger war, dass er sich mit dem Basel-Triumph die Nummer 1 in der Weltrangliste bis Ende Jahr sicherte. Rafael Nadal könnte selbst mit Turniersiegen in Paris-Bercy und Schanghai (Masters) Federer nicht mehr einholen. Der 26-jährige Basler beendet zum vierten Mal hintereinander das Jahr an der Spitze des Rankings. Seit Einführung der Weltrangliste (1973) gelang das nur Jimmy Connors, John McEnroe und Pete Sampras.

Obwohl er sein primäres Jahresziel (Nummer 1) nun erreicht hat, wird Federer nächste Woche auch in Paris-Bercy an den Start gehen. Dieses Turnier hat er seit 2003 stets ausgelassen. Alleine durch die Teilnahme im Palais Omnisports von Bercy sichert sich Federer zusätzliche anderthalb Millionen Dollar Preisgeld aus einem Bonus- Pool. Das entspricht dem Betrag für die Nummer 1, wenn sie an acht der neun Masters-Series-Turniere und zwingend an den letzten zwei (Madrid und Bercy) teilgenommen hat. Federer hat alle Turniere bestritten. Er trifft in Paris am Mittwoch möglicherweise erneut auf Ivo Karlovic, der ihn in Basel im Halbfinal am meisten gefordert hat (7:6, 7:6).

Einwöchige Federer-Gala

Wie im Vorjahr, als er sein Heimturnier erstmals gewann, wurde an den Swiss Indoors eine Woche lang eine grandiose Federer-Gala zelebriert. Auch 2006 hatte Federer nur einen Satz verloren - im Halbfinal gegen Paradorn Srichaphan. Bei der Titelverteidigung gab sich Federer «nach dem Schock zum Auftakt», dem Satzverlust gegen den Deutschen Michael Berrer (6:1, 3:6, 6:3), keine Blösse mehr. Eine kleine Chance besass nur Ivo Karlovic: Ganz so nah wie Srichaphan, der 2006 im Tiebreak des dritten Satzes 3:1, 4:2 und 5:3 geführt hatte, kam der kroatische «Aufschlag-Bomber» dem Sieg über die Weltnummer 1 aber nicht. Karlovic brachte während des 98- minütigen Halbfinals alle zwölf Servicegames durch, besass bei 5:4 im ersten Set einen Satzball, produzierte 40 Gewinnschläge mit dem Aufschlag (16 Asse, 24 Servicewinner), verlor aber dennoch 6:7 (6:8), 6:7 (5:7).

Längst vergessen sind in Basel die Zeiten, in denen Federer die Joggelihalle jeweils frustriert verlassen musste. Der Balljunge von 1993 und 1994 verlor seine ersten zwei Finals (2000 gegen Enqvist und 2001 gegen Henman) und scheiterte danach zweimal vor dem Final in Krimis (2002 an Nalbandian und 2003 an Ljubicic). 2004 wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel und im darauffolgenden Jahr wegen eines Bänderrisses im Fuss konnte er gar nicht antreten. 2005 blieb Federer dem Turnier sogar gänzlich fern. Und obwohl das erst zwei Jahre her ist, kann sich Turnierdirektor Roger Brennwald mittlerweile ein Turnier ohne Federer schon gar nicht mehr vorstellen.

Früher habe er vor Heimpublikum kaum den Schläger in der Hand halten können, blickte Federer diese Woche zurück, «mittlerweile geniesse ich die Spiele aber, wenn Eltern und Freunde im Publikum sitzen und 9000 Leute nur wegen mir ins Stadion kommen.» Federer bot in Basel jeden Tag etwas Neues: er machte es unfreiwillig spannend gegen Berrer, offenbarte mit dem Lachanfall am Donnerstag nach dem Spiel gegen Del Potro eine neue Seite, präsentierte sich am Freitag gegen Kiefer trotz starker Leistung als unzufrieden, demonstrierte am Samstag gegen Karlovic seine enorme mentale Stärke und schaukelte am Sonntag das Turnier souverän nach Hause.

Finalverlierer Jarkko Nieminen liess sich von der Niederlage die gute Laune und das gelungene Turnier nicht verderben. Sein Finaleinzug entspricht einer riesigen Überraschung: In den letzten anderthalb Jahren bezwang der Finne vor Basel bloss drei Top-25- Akteure. An den Swiss Indoors eliminierte er der Reihe nach Guillermo Cañas (ATP 14), Fernando Gonzalez (ATP 6) und im Halbfinal Marcos Baghdatis (ATP 24). Alles lief bis zum Final für den Finnen: In der 1. Runde stand er bei 3:6, 6:4, 1:5 gegen Robby Ginepri am Rand einer (weiteren) Erstrunden-Niederlage. Matchbälle wehrte Nieminen nicht nur gegen Ginepri (bei 2:5) ab, sondern auch im Achtelfinal gegen Cañas (zwei bei 6:4, 3:6, 4:5).

Doppel-Titel an Bryan/Bryan

Auch im Doppel ging der erste Preis an Seriensieger. Die Zwillinge Bob und Mike Bryan sicherten sich mit 6:1, 6:1 gegen James Blake/Mark Knowles (USA/Bah) ungefährdet den zehnten Turniersieg der Saison. Bryans gewannen heuer das Australian Open und vier Masters-Series-Turniere (Key Biscayne, Monte Carlo, Hamburg, Madrid). Mit 43 Turniersiegen belegen die Bryan-Zwillinge in der «ewigen» Doppel-Rangliste bereits Platz 5. Nur Woodbridge/Woodforde (61 Turniersiege), Fleming/McEnroe, Hewitt/McMillan (je 57) und Casal/Sanchez (44) liegen noch vor den beiden 29-jährigen Kaliforniern.

Swiss Indoors Basel, Final

Roger Federer - Jarkko Nieminen 6:3, 6:4

LIVE-TICKER

- Geschafft! Federer verteidigt seinen Titel in Basel mit einem deutlichen 6:3, 6:4 in 61 Minuten. Damit hat er nicht nur das Heimturnier gewonnen, sondern kann 2007 auch sicher nicht mehr vom Weltranglisten-Thron verdrängt werden.

- 40:15. Ein Service-Winner. Das sind die ersten zwei Matchbälle.

- 30:15. Noch ein starker Netzangriff des Schweizers.

- 15:15. Federer am Netz dank seinem guten Auge erfolgreich.

- 0:15. Ein Rückhandfehler Federers.

- Ein Geschenk von Nieminen. Er ermöglicht Federer das Break zum 5:4. Jetzt kann der Schweizer zum Turniersieg aufschlagen.

- 40:30. Das ist die erste Breakchance für Federer.

- Federer mit zwei Assen zum 4:4.

- 4:3 für Nieminen. Bei eigenem Aufschlag hat er in diesem Satz bisher nur vier Punkte abgegeben.

- 3:3. Federer gleicht zum dritten Mal aus.

- Auch der Finne spielt jetzt seine Aufschlagsspiele locker durch. Ein zu Null Game zum 3:2.

- Federer nach den Problemen im ersten Aufschlagspiel diesmal wieder souverän: 2:2.

- Nieminen wirkt stark verbessert. Er gewinnt sein nächstes Game zum 2:1.

- Doch Federer stellt auf Deuce. Und zieht kurz danach den Kopf aus der Schlinge: 1:1.

- Plötzlich ist Nieminen da. Er führte 30:0 und hat jetzt beim Stand von 40:30 eine Breakmöglichkeit.

- Nieminen serviert zu Beginn des zweiten Durchganges. Er bringt seinen Service mit 45:30 durch.

- Der erste Satz ist im Trockenen. Federer gewinnt mühelos mit 6:3 nach 27 Minuten.

- 40:15. Das sind die ersten Satzbälle für den Schweizer.

- 30:15 für Federer. Noch zwei Punkte fehlen zum 6:3.

- Nieminen erfüllt die Pflicht und verkürzt auf 3:5. Jetzt kann aber Federer den Sack zu machen.

- Nieminen kann zum 30:30 ausgleichen und holt sich kurz darauf den ersten Spielball.

- Federer führt 30:0 bei Aufschlag Nieminen.

- Federer weiter souverän. Er erhöht auf 5:2.

- Nieminen hat seinen Tritt gefunden. Er verkürzt auf 2:4. 18 Minuten sind gespielt.

- Federer bei eigenem Aufschlag - wie schon die gesamte Woche über - sehr stark: 4:1.

- Nieminen gewinnt sein erstes Game zum 1:3.

- Der Schweizer hält seinen Service zum 3:0. Nieminen ist bereits unter Druck.

- Federer lässt aber nicht locker und kommt zu einem dritten Breakball. Dieser nutzt er zum 2:0.

- Aber Nieminen kann beide Chancen des Schweizers mit aggressivem Spiel abwehren.

- Da sind bereits die ersten Breakbälle für Federer: 40:15.

- Federer startete mit Mühe. Er lag schnell 0:30 zurück, doch dann machte der Schweizer alle Punkte zum 1:0.

- Es kann los gehen! Federer serviert.

- Siebenmal traf Roger Federer bisher auf Nieminen. Immer setzte sich die Weltnummer 1 durch. Der Finne hat also als krasser Aussenseiter überhaupt nichts zu verlieren.

- Alles ist bereit für den grossen Final. Die beiden Spieler kommen in die Arena.

Roger Federer hat in Basel die Chance sein Heimturnier zum zweiten Mal in Serie zu gewinnen. Gegner ist mit Jarkko Nieminen der Überraschungsmann des Turniers.

Der Final gegen Jarkko Nieminen könnte am Sonntagnachmittag für Federer durchaus angenehmer als noch der Halbfinal gegen Karlovic verlaufen. Federer hat gegen den Finnen bei sieben Siegen noch keinen Satz abgegeben, im Schnitt gewann Nieminen bloss drei Games pro Satz. Einmal standen sich Federer und Nieminen in einem Final gegenüber; vor vier Jahren auf Sand in München setzte sich Federer 6:1, 6:4 durch. Das letzte Kräftemessen liegt schon mehr als zwei Jahre zurück (6:3, 6:4 2005 in Bangkok).

Jarkko Nieminens Finaleinzug (7:6, 6:2 gegen Marcos Baghdatis) entspricht einer riesigen Überraschung. In den letzten anderthalb Jahren bezwang der Finne bis Basel bloss drei Top-25-Akteure. An den Swiss Indoors eliminierte er der Reihe nach Guillermo Cañas (ATP 14), Fernando Gonzalez (ATP 6) und nun Baghdatis (ATP 24). Alles lief bislang für den Finnen. In der 1. Runde stand er bei 3:6, 6:4, 1:5 gegen Robby Ginepri am Rand einer weiteren Erstrunden- Niederlage. Matchbälle wehrte Nieminen nicht nur gegen Ginepri (bei 2:5) ab, sondern auch im Achtelfinal gegen Cañas (zwei bei 6:4, 3:6, 4:5).

Erstmals seit 1974 führt der Swiss-Indoors-Final nur über zwei Gewinnsätze. Die Association of Tennis Professionals (ATP) toleriert keine Best-of-5-Finals mehr; selbst Masters-Series- Turniere mussten sich fügen.

Swiss Indoors Basel, Final ca 15.30 Uhr

Roger Federer - Jarkko Nieminen

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