Federer will dritten Titel - Alles offen bei den Frauen
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Federer will dritten Titel - Alles offen bei den Frauen

Roger Federer nimmt am Australian Open die extrem schwierige Mission in Angriff, dem überragenden Jahr 2006 ein ähnlich gutes folgen zu lassen. In Melbourne jagt er seinen 10. Major-Titel - einmal mehr als Topfavorit.

Im Vorjahr sprachen vor dem ersten grossen Rendez-vous der Saison alle davon, dass sich Federer in Melbourne praktisch nur selber schlagen könne. Der Champion hielt der übersteigerten Erwartungshaltung stand und lancierte mit seinem siebten Grand-Slam- Titel eine Traumsaison. Am Ende standen zwei weitere Major- Triumphe, insgesamt zwölf Titel und eine Matchbilanz von 92:5 zu Buch.

3,85 für den Grand Slam, 13 für die Nullnummer

Die Ausgangslage hat sich daher kaum verändert: Der Weltranglistenerste startet aus der Pole-Position zum Höhepunkt des australischen Sportsommers. Federer ist zuversichtlich: «Es wird ein bisschen schwieriger werden, weil im Gegensatz zum Vorjahr alle Spitzenspieler dabei sind. Ich fühle mich aber gut und werde sehr schwer zu schlagen sein.»

Federer gewann in den vergangenen drei Jahren neun der letzten 14 Slams. Die Kräfteverhältnisse im Welttennis lassen sich jetzt auch an den Einschätzungen der Buchmacher ablesen. Ein führendes Wettbüro offeriert für den Turniersieg Federers die Quote 1,38. Mit riesigem Abstand folgen Rafal Nadal (8), Andy Roddick sowie James Blake (je 9) und Marat Safin (22). Geradezu unfassbare Werte gibt es für die Jahreswetten. Wer auf den Grand Slam für Federer tippt, gewinnt lediglich das 3,85-fache des Einsatzes. Wer reich werden will, muss die Vorzeichen umkehren; falls Federer 2007 keines der vier grossen Turniere gewinnt, beträgt die Quote 13.

Stolpersteine en masse

Zum Spaziergang für Federer werden die kommenden zwei Wochen allerdings nicht. Nach dem Überstehen der beiden ersten Runden gegen Björn Phau (De/ATP 83) und den Sieger der Partie zwischen Jonas Björkman (Sd/49) und Olivier Patience (Fr/116) muss er sich mit einigen nicht ungefährlichen Kunden auseinandersetzen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie technisch enorm stark sind. Der erste mögliche gesetzte Gegner ist in der 3. Runde Michail Juschni (Russ/25), der zuletzt im US Open nach grossem Spiel gegen Nadal den Halbfinal erreicht hatte. Im Achtelfinal wäre wahrscheinlich Novak Djokovic (Ser/14) der Widersacher, im Viertelfinal sein Vorjahrs-Finalgegner Marcos Baghdatis (Zyp/11) oder Richard Gasquet (Fr/18).

Drittrunden-Schocker Safin vs. Roddick...

In Federers Tableauhälfte befinden sich auch die beiden derzeit wahrscheinlich stärksten Kontrahenten und möglichen Halbfinal-Gegner, nämlich Andy Roddick (USA/6) und Marat Safin (Russ/26). Ihnen war das Glück bei der Auslosung allerdings nicht hold; wenn alles nach Plan läuft, treffen sie in der 3. Runde aufeinander.

Deutlich schwächer besetzt ist die untere Tableauhälfte. Hinter Rafael Nadal (Sp/2), Nikolai Dawydenko (Russ/3) und David Nalbandian (Arg/8) stehen nach Verletzungen in der vergangenen Woche zumindest kleine Fragezeichen. Mehr als nur ein heisser Aussenseiter dürfte Andy Murray (Gb/15) sein, der Nadal im Achtelfinal fordern könnte.

... und vielleicht Wawrinka - Nadal

Nadal, der zweifache Sieger des French Open in Paris, muss sich aber schon früher vorsehen. In der Startrunde trifft er auf Robert Kendrick (USA/90), den er im Vorjahr in Wimbledon erst nach zwei verlorenen Sätzen in die Knie zwingen konnte. In der 2. Runde verkörpert Kristof Vliegen (Be/39) recht hohes Gefahrenpotenzial, in den Sechzehntelfinals vielleicht sogar Stanislas Wawrinka (ATP 31) in einer «Davis-Cup-Hauptprobe».

Wawrinka, der 2007 noch ohne Sieg dasteht, steigt erstmals in seiner Karriere als Gesetzter in ein Major-Turnier. Mit Kevin Kim (USA/97) erhielt der Waadtländer einen idealen Gegner, um das nötige Selbstvertrauen aufzubauen. Vor dem Duell mit Nadal müsste er dann wohl noch Julien Benneteau (Fr/37), im Vorjahr Viertelfinalist in Roland Garros, bezwingen.

Hartes Los für Hingis

Nach mässigen Resultaten zum Saisonstart geht es für die als Nummer 6 respektive 8 gesetzten Martina Hingis und Patty Schnyder primär um die Bestätigung ihrer Viertelfinal-Teilnahme im Jahr 2006. Auf Hingis wartet ein unangenehmes Programm: Sie beginnt gegen Nathalie Dechy (WTA 49), die vor zwei Jahren im Viertelfinal Patty Schnyder bezwang und dann um Haaresbreite am Endspiel vorbeischrammte. Ab der 3. Runde müsste sich Hingis wohl mit Spielerinnen aus aufstrebenden Nationen auseinandersetzen, zuerst mit der Inderin Sania Mirza (66), im Achtelfinal mit Li Na (China/19) oder Dinara Safina (Russ/9), der sie zuletzt im Final an der Gold Coast unterlag.

Patty Schnyder dürfte sich gegen die Juniorin Madison Brengle (USA/497) locker einspielen können. Erste Gefahr droht dann seitens von Shuai Peng (China/54) vor der Drittrundenpartie gegen Flavia Pennetta (It/28) oder Alicia Molik (Au/165), die ihr Comeback gibt.

Im Gegensatz zum Männer-Feld präsentiert sich die Ausgangslage bei den Frauen in Abwesenheit der Nummer 1 der Weltrangliste, Belgierin Justine Henin-Hardenne, sehr offen. Hauptfavoritinnen sind die topgesetzte Maria Scharapowa (Russ/WTA 2), die Titelverteidigerin Amélie Mauresmo (Fr/3) und Kim Clijsters (Be/5). «Aussie Kim» würde auf ihrer Abschiedstournee der Titel besonders gegönnt; seit ihrer einstigen Liaison mit Lleyton Hewitt ist sie Down Under die sentimentale Favoritin. Zum erweiterten Kreis zählen auch Swetlana Kusnezowa (Russ/WTA 4), Nicole Vaidisova (Tsch/11) und Jelena Jankovic (Ser/12).

Hewitt in der Krise

Die australischen Fans fiebern dem Mega-Anlass, dem vor einem Jahr mit 550 550 Zuschauern eine weitere Rekordmarke beschieden war, ungeduldig entgegen. Wahrscheinlich müssen sie jedoch vor allem Ausländern zujubeln; ein einheimischer Champion ist weit und breit nicht in Sicht. Leyton Hewitt, die einstige Weltnummer 1 und einziger (vager) Hoffnungsträger, ist momentan zu sehr mit sich selber beschäftigt. Vor Wochenfrist musste er den Rücktritt von Coach Roger Rasheed zur Kenntnis nehmen, nachdem er diesen beleidigt hatte. Um sportliche Schadensbegrenzung bemüht sich nun temporär der frühere Profi Scott Draper. Wenn Hewitt auch in der zweiten Woche noch dabei ist, wäre dies schon ein grosser Erfolg, denn in der 3. Runde erwartet ihn vermutlich «el bombardero» Fernando Gonzalez (Chile/10). (si)

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