Federers doppelte Mission in Schanghai
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Federers doppelte Mission in Schanghai

Roger Federer tritt in doppelter Mission zum ATP-Masters in Schanghai an. Der Basler will den Titel erfolgreich verteidigen und zudem bestätigen, trotz zwischenzeitlichen Durchhängern nach wie vor der Beste der Zunft zu sein.

Ein Vergleich fördert es zu Tage: Roger Federer trat im Vorfeld des am Sonntag beginnenden Masters nicht mehr so unwiderstehlich auf wie im Vorjahr. Damals war er in 24 Einzeln hintereinander ungeschlagen geblieben und hatte nach dem US Open auch die Turniere in Tokio, Madrid und Basel gewonnen. Das Forfait für Paris-Bercy erlaubte es ihm ausserdem, auf dem Weg nach Schanghai in Dubai einen Zwischenhalt einzuschalten, um sich in aller Ruhe den letzten Schliff für das abschliessende Highlight des Jahres zu holen.

Federer dominierte heuer wohl erneut im US Open und in Basel, musste sich aber in Madrid und Paris-Bercy innerhalb von zwei Wochen zweimal David Nalbandian geschlagen geben - und schuf derart Raum für Spekulationen über seine gegenwärtige Form. Der Argentinier war in Schanghai als Nummer 9 der Jahreswertung als Ersatzmann vorgesehen, verzichtete aber auf die Reise nach China. An seiner Stelle rückte der Spanier Tommy Robredo nach.

Qualität vor Quantität

Für viele Beobachter der Szene bezog Federer die letzten zwei Niederlagen gegen einen Gegner, der sich in absoluter Bestform präsentierte. Für einige lieferten sie aber die Bestätigung dafür, dass der Weltranglisten-Erste die Konkurrenz mehr denn je im Nacken spürt. Als Beweis dafür wird die Anzahl der in diesem Jahr gewonnenen Titel ins Feld geführt, die mit jener in den voraus gegangenen drei Saisons nicht Schritt zu halten vermochte. Nicht 10 (2004) oder 11 gewonnene Turniere (2005, 2006) hat Federer vor dem Masters in seiner Erfolgsbilanz stehen, sondern lediglich 7. Beruhigend für Federer dürfte aber wirken, dass er im Gegensatz zur Quantität punkto Qualität der Siege den Besitzstand wahren konnte. Wie 2004 und 2006 gewann er drei der vier Grand-Slam-Events (Australian Open, Wimbledon, US Open) und machte sich so abermals zum mit Abstand erfolgreichsten Spieler auf der Tour.

Gleichwohl dürften Federers Niederlagen gegen Nalbandian die Konkurrenz im Glauben bestärkt haben, selber auch gegen den Besten bestehen zu können. Was allerdings für die Major-Turniere gilt, kommt auch beim Saisonfinale zum Tragen: Bei den ganz grossen Rendez-vous vermag der Baselbieter jeweils sein bestes Tennis abzurufen, so dass ihm nur ganz schwer beizukommen ist. Der Leistungsausweis beim Masters ist denn auch beeindruckend. Federer entschied das Turnier bei fünf Teilnahmen dreimal (2003, 2004, 2006) für sich. Derzeit steht er mit 22:2 Siegen zu Buche, nach 15 Gruppenspielen ist er noch ungeschlagen. Die Niederlagen bezog er 2002 im Halbfinal gegen Lleyton Hewitt und 2005 im Final gegen Nalbandian.

Ins Staunen wird auch versetzt, wer sich Federers Bilanzen gegen seine sieben Mitstreiter am diesjährigen Masters vor Augen führt. Mit Ausnahme von Rafael Nadal, gegen den er mit 5:8 Siegen im Hintertreffen liegt, verlor er gegen Dawydenko (10:0), Ferrer (7:0) und Gonzalez (10:0) noch nie und gegen Djokovic (5:1), Roddick (14:1) sowie Gasquet (6:1) nur je einmal.

Dawydenko, Roddick und Gonzalez sind zusammen mit Federer in die Gruppe Rot eingeteilt worden; der Weltranglisten-Erste darf mit der Auslosung also zufrieden sein. In der Gruppe Gold spielen neben dem Weltranglisten-Zweiten Rafael Nadal der Serbe Novak Djokovic, der Spanier David Ferrer und der Franzose Richard Gasquet. Nadal und Gasquet werden am Sonntag das Eröffungseinzel bestreiten, gefolgt von der Partie Djokovic - Ferrer. Federer steht am Montag erstmals im Einsatz.

Erinnerungen an drei abgewehrte Matchbälle

Bei Federer lässt primär die Begegnung mit Roddick Erinnerungen ans letztjährige Masters aufkommen. In einer denkwürdigen Partie schlug er damals den Amerikaner nach drei abgewehrten Matchbällen. Der Vielspieler Dawydenko sorgte zuletzt vor allem abseits der Courts für Schlagzeilen, als er im Zuge von Ermittlungen wegen Wettbetrugs ins Zwielicht geriet. Ihm wurde zum Vorwurf gemacht, gegen Spieler, auf deren Sieg ungewöhnlich hohe Wetten abgeschlossen worden waren, absichtlich verloren zu haben. Die Spielergewerkschaft ATP konnte zwar keine Beweise vorlegen. Immerhin büsste sie Dawydenko vor zehn Tagen im Turnier in St. Petersburg wegen «mangelndem Einsatz» mit 2000 Dollar. Gonzalez stand Federer zuletzt dreimal in Finals gegenüber; 2006 in Madrid und Basel sowie im Januar im Australian Open behielt der Schweizer ohne Satzverlust die Oberhand.

Teilnehmer

Schanghai (China). ATP-Masters (4,45 Mio Dollar/Hart). Einzel.

Gruppe Rot: Roger Federer (Sz/1), Nikolai Dawydenko (Russ/4), Andy Roddick (USA/5), Fernando Gonzalez (Chile/7).

Gruppe Gold: Rafael Nadal (Sp/2), Novak Djokovic (Ser/3), David Ferrer (Sp/6), Richard Gasquet (Fr/8).

Doppel. Gruppe Rot: Mark Knowles/Daniel Nestor (Bah/Ka/1), Julian Knowle/Simon Aspelin (Ö/Sd/3), Lukas Dlouhy/Pavel Vizner (Tsch/5), Arnaud Clément/Michael Llodra (Fr/7).

Gruppe Gold: Paul Hanley/Kevin Ullyett (Au/Sim/2), Martin Damm/Leander Paes (Tsch/Ind/4), Jonas Björkman/Max Mirnyi (Sd/WRuss/6), Jonathan Erlich/Andy Ram (Isr/8).

Modus

Von Sonntag bis Freitag werden die Gruppenspiele im Round-Robin-System ausgetragen - pro Tag zwei Einzel und zwei Doppel. Am Samstag finden die Halbfinals statt, in denen die ersten zwei jeder Gruppe übers Kreuz spielen. Die Finals folgen am Sonntag. Pro Sieg in der Round Robin werden im Champions Race 20 Punkte (herkömmliche Weltrangliste: 100 Punkte) gutgeschrieben. Der Sieg im Halbfinal wird mit weiteren 40 Punkten (200) honoriert, der Turniersieg mit zusätzlichen 50 (250).

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