Aktualisiert 06.07.2012 20:38

Wimbledon Final

Federers Gegner heisst Andy Murray

Andy Murray gewinnt gegen Jo-Wilfried Tsonga in vier Sätzen (6:3, 6:4, 3:6, 7:5). Somit zieht er zum ersten Mal in seiner Karriere in den Final von Wimbledon ein, wo er auf Roger Federer trifft.

von
dke

Mitte des vierten Satzes war die Stimmung auf dem «Murray Mountain» passend zur Witterung etwas unterkühlt. Jene besonders leidensfähigen Fans, welche kein Centre-Court-Ticket besitzen, die Partien aber unter Gleichgesinnten verfolgen, schienen der Sache trotz 2:1-Satzführung noch nicht zu trauen, hatte doch Andy Murray in den letzten drei Jahren stets im Halbfinal verloren, ebenso wie vorher Tim Henman sogar viermal die Mär vom britischen «Loser-Gen» nicht hatte zerstreuen können. Und auch diesmal liess Murray seine Supporter leiden: Er konnte bei 4:4 zwei Breakchancen nicht nützen, beendete die Partie aber noch vor dem Tiebreak.

Die BBC liess danach keinen Zweifel darüber aufkommen, was sie von Andy Murray erwartet. Unmittelbar, nachdem Jo-Wilfried Tsonga dem Schotten zum Sieg gratuliert hatte, blendete die britische TV-Station flugs eine Statue von Fred Perry ein. Dieser hatte 1936 als bisher letzter Einheimischer die All England Championships gewonnen. Zwei Jahre später hatte es noch Henry «Bunny» Austin in den Final geschafft, seither bedeuteten trotz renommierter Spieler wie Greg Rusedski oder Tim Henman spätestens die Halbfinals Endstation. Und auch der letzte Frauentriumph, durch Virginia Wade, liegt schon 35 Jahre zurück.

Beeindruckender Parcours des «giftigen» Murray

Murray soll nun am Sonntag mit einem Finalsieg gegen Roger Federer die 76 Jahre dauernde monumentale Durststrecke beenden. Anlass zu Optimismus gibt das Head-to-Head, wo er knapp mit 8:7 führt, in den beiden bisherigen Grand-Slam-Finalduellen holte er aber noch keinen Satz. Allerdings scheint er seit Beginn der Zusammenarbeit mit Ivan Lendl im mentalen Bereich deutlich stärker geworden zu sein. Und eine Spur «giftiger», wie eine Szene aus dem dritten Satz belegt. Statt einen Passierball am Franzosen vorbeizuzielen, hielt Murray in bester Lendl-Manier auf seinen Widersacher und traf ihn voll da, wo es bei einem Mann ganz besonders weh tut. Diese Qualität wird auch nötig sein, um seine miserable Finalbilanz bei Grand Slams - 0:9 Sätze in drei Finals - morgen aufzupolieren. Murray weiss aber, dass das Schwierigste noch kommt und wird dabei unterstützt von Lendl. Befragt, was ihm der Wahl-Amerikaner nach dem Sieg gesagt habe, antwortete Murray gewohnt trocken: «Gut gespielt, gratuliere. Wann trainieren wir morgen?»

Nicht viele Auguren hatten Murray nach der Aulsosung einen solchen Durchmarsch zugetraut. Er hatte die schwierigste Auslosung aller Favoriten, setzte sich aber der Reihe nach gegen Nikolai Dawydenko (Russ), Ivo Karlovic (Kro), Marcos Baghdatis (Zyp), Marin Cilic (Kro/16), David Ferrer (Sp/6) und nun den fünftgesetzten Tsonga durch.

Alles fiebert dem Final entgegen

Die «Murray-Mania» wird in den nächsten Tagen neue Spitzenwerte erreichen. Die fetten Lettern in den Gazetten werden uneingeschränkt ihm gehören, die Preise für ein Finalticket in ungeahnte Höhen steigen. Bereits am Freitag spekulierte ein Gratisblatt, ein Sesam für den Sonntag würde im Falle der Qualifikation von Murray auf dem Schwarzmarkt für bis zu 45'000 Pfund gehandelt, mehr als 68'000 Franken. Möglich scheint zudem, dass Queen Elizabeth II nach 2010 erneut ein Spiel von Murray anschauen wird. Beim letzten Triumph von Perry war die Monarchin gerade einmal zehn Jahre alt...

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