Bitteres Out in Wimbledon - «Federers Lebensleistung ist trotz der Niederlage unbestritten»
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Bitteres Out in Wimbledon «Federers Lebensleistung ist trotz der Niederlage unbestritten»

Roger Federer schied in Wimbledon sang- und klanglos aus. Das habe keine direkten Konsequenzen, sind sich Experten einig.

von
Adrian Hunziker

Hurkacz besiegt Federer in Wimbledon in drei Sätzen.

Video: SRF

Darum gehts

  • Roger Federer verlor im Wimbledon-Viertelfinal klar.

  • Diese bittere Pleite habe keinen direkten Einfluss auf sein Image, sind sich Experten einig.

  • Experte Günthardt ist der Meinung, dass sich niemand für Niederlagen interessiere.

Er hatte sich von Runde zu Runde gesteigert, hatte mal wieder allen gezeigt, dass er es noch kann. Ein Wimbledon-Sieg – es wäre sein neunter gewesen – schien wieder im Bereich des Möglichen. Doch im Viertelfinal verlor Roger Federer sang- und klanglos gegen den Polen Hubert Hurkacz in drei Sätzen. Zum Schluss gab es für den 39-Jährigen die Höchststrafe: Er verlor den dritten Satz gegen die Weltnummer 18 mit 0:6 – ein bitterer Moment.

Federer wird nun nach einer Analyse mit seinem Team entscheiden, wie es weitergeht. Ein Karriereende scheint aktuell kein Thema zu sein. Einige Fans sehen das aber anders. Ein Twitter-User schrieb: «Federer hatte heute null Chancen gegen Hurkacz. Glaube, seine Zeit ist einfach vorbei.» Sollte sich Federer entscheiden, weiterzuspielen, stellt sich die Frage: Macht er sich damit den Ruf kaputt? Bekommt sein Image nach Niederlagen wie diesen in Wimbledon einen Makel?

Quo vadis, Roger Federer? Wie geht es mit dem 39-Jährigen weiter?

Quo vadis, Roger Federer? Wie geht es mit dem 39-Jährigen weiter?

Joe Toth/PA Wire/dpa

Wir haben nachgefragt. Marketing-Experte Hans-Willy Brockes vom ESB Marketing-Netzwerk sagt auf Anfrage von 20 Minuten: «Da glaube ich auf keinen Fall daran. Seine Lebensleistung ist unbestritten. Und dass er mit bald 40 Jahren in der Overtime ist, ist auch klar. Wenn der Leistungsabfall nun eklatant wäre, sollte man sich seine Gedanken machen, dass er seinen Zenit überschritten hat. Es war jetzt aber ja ein Viertelfinal. Da wäre jeder Junge stolz, wenn er da hinkäme.» Fans, die behaupten, Federer hätte seinen Absprung verpasst, kann Brockes nichts abgewinnen. Er argumentiert: «Wenn er nun in der ersten Runde ausgeschieden wäre und sich blamiert hätte, dann hätten die Fans recht. Das ist aber eine Vermessenheit, die aussagt, wie man sich an so ein hohes Niveau gewöhnen kann. Er spielt ja weiterhin in den Top 20 der Welt, das ist bombastisch

Brockes denkt auch nicht, dass nun der Hype um Schuhhersteller On einbrechen werde. «Ob Federer Wimbledon gewinnt oder eben nicht, das mag kurzfristig ein paar Schuhe mehr verkaufen. Das ist aber nicht die eigentliche Story. Die Story ist, dass es keine andere Sportmarke gibt, die so glaubwürdig ist wie eine Sportmarke, die entwickelt wurde von Profis und Ex-Profis.»

Dritter Satz ein Schock

Brockes geht ausserdem nicht davon aus, dass andere Werbepartner Federers abspringen werden. Denn die Partner, die heute dabei sind, die hätten die Verträge wohl in den letzten Jahren gemacht, im Wissen, dass sich Federers Karriere dem Ende neigt. «Da ist ja niemand überrascht. Die Sponsoren sehen das wohl eher als Overtime an, wenn Federer nochmals eine Saison dranhängt.»

SRF-Experte Heinz Günthardt hat Federers Scheitern im Fernsehen mitkommentiert. Die Reaktion des 62-Jährigen auf die Niederlage: «Ich finde, er hat grundsätzlich ein gutes Turnier gespielt. Im dritten Satz hat er nicht mehr weitergewusst, dort ist er eingebrochen. Aber: Wer weiss, «wie der Match gelaufen wäre, hätte er den zweiten Satz gewonnen. Ich weiss nicht, was sein Anspruch ist, aber er hat gezeigt, dass er in der Nähe der absoluten Weltspitze ist.» Günthardt ergänzt: «Der dritte Satz war für ihn im Nachhinein sicher ein Schock.»

«Er hat verdient, so lange zu spielen, wie es Spass macht»

Ob es am Schluss an der Athletik lag, sei schwierig zu beurteilen. Günthardt schliesst nicht aus, dass es auch ein bisschen am Selbstvertrauen lag. «Er hat weniger antizipiert und dadurch langsamer gewirkt, dass muss aber keine fehlende Athletik sein. Das könnte auch einfach das Selbstvertrauen sein.»

Wackelt das Denkmal Federer? Günthardt hat eine klare Meinung: «Niemand weiss, wann Lendl, Laver oder Navratilova aufgehört haben. Was gefeiert wird, sind Siege, nicht die Niederlagen. Niemanden interessiert, was man nicht gewonnen hat. Es geht darum, was man gewonnen hat. Das wird so bleiben, egal, was jetzt noch kommt.»

Der 62-Jährige äussert sich auch zu einem möglichen Karriereende des Maestros. Für Günthardt ist die Kernfrage, ob Wimbledon Federer Spass gemacht hat. «Er wurde ja immer noch von allen gefeiert. Nur er weiss, ob er das geniessen konnte», so der Tennis-Experte. Und weiter: «Ich hoffe einfach, dass er so lange spielt, wie es ihm Spass macht. Ich finde, er hat es sich in seiner Karriere verdient, so lange zu spielen, wie er will.»

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