05.01.2016 14:41

Terror-GefahrFedpol prüft Putzmittel wegen Bomben-Bastlern

Aus Alltagsgegenständen können Sprengstoffe gebaut werden, warnt das Fedpol. Der Bundesrat will nun den Verkauf regulieren.

von
phi
Das Bundesamt für Polizie (Fedpol) untersucht, ob es strengere Regeln braucht im Umgang mit über 100 Produkten. Um welche Produkte es sich genau handelt ist noch nicht klar. (Bild: Colourbox)

Das Bundesamt für Polizie (Fedpol) untersucht, ob es strengere Regeln braucht im Umgang mit über 100 Produkten. Um welche Produkte es sich genau handelt ist noch nicht klar. (Bild: Colourbox)

colourbox.de

In Baumärkten oder Apotheken stehen potenziell gefährliche Stoffe zum Verkauf: Haarbleichmittel, Reinigungsmittel, Dünger und sogar Nagellackentferner können mit Hilfe von Anleitungen aus dem Internet als Ausgangsstoffe für Sprengstoffe dienen.

Terroristen wüssten dies, erklärt Alexander Rechsteiner vom Bundesamt für Polizei (Fedpol). «Zum Beispiel in Paris haben wir gesehen, dass selbstgebastelte Sprengstoffe zum Einsatz gekommen sind», sagt er.

«Schweiz wird Supermarkt für gefährliche Stoffe»

Auch bei den Anschlägen in Norwegen 2011 seien selbstgebastelte Sprengstoffe zum Einsatz gekommen: Anders Breivik hatte aus Dünger Bomben gebaut. Nach diesem Vorfall handelte die EU: Seit nun gut einem Jahr müssen sich Käufer in der EU beim Erwerb bestimmter Produkte ausweisen oder eine staatliche Genehmigung beantragen, wie die SRF-Sendung «Echo der Zeit» berichtete.

In der Schweiz gibt es hingegen keine solche Regelung. Dies sei gefährlich: «Es ist klar, dass diese Kriminellen dann auf die Schweiz ausweichen», sagt Rechsteiner. Die Schweiz werde so zum Supermarkt für gefährliche Stoffe.

Der Branchenverband selbst verlangt strengere Regeln. Stefanie Balliana von Pharmasuisse sagt: «Wir wissen, welche Verantwortung wir da tragen und wir hätten gerne genaue Angaben, was wir dürfen und was wir sollen.»

Händler befürchten grossen Aufwand

Nun tut sich auch in der Schweizer Politik etwas: Experten des Fedpol sind daran, im Auftrag des Bundesrats ein neues Regime für den Umgang mit gefährlichen Alltagsstoffen zu erarbeiten. Dabei werden über 100 Produkte untersucht. Bis Ende 2016 will der Bundesrat festlegen, wie mit solchen Stoffen umgegangen werden soll.

Apotheker und Drogisten unterstützen das Anliegen. Migros, Coop und Manor sind hingegen zurückhaltender. Sie alle führen potenziell gefährliche Produkte in ihren Baumärkten. Sie werden von der «Interessengemeinschaft Detailhandel» vertreten. Diese fürchtet einen zu grossen Aufwand: Je nach Art der Regulierung müssten bestimmte Produkte in den bedienten Verkauf genommen werden. Dazu müssten abschliessbare Schränke oder Regale hinter den Kassen gebaut werden.

Rechsteiner ist sich dieser Problematik bewusst: «Die Massnahme, die wir vorschlagen werden, muss sicher auch verhältnismässig sein, sodass sie von der Wirtschaft umgesetzt werden kann.» Die Sicherheit stehe allerdings klar im Vordergrund.

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